Kirche

Fronleichnam-Predigt von Kardinal Marx

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Kardinal Reinhard Marx hat Christen dazu aufgerufen, gegen Polarisierung und Spaltung in Kirche und Gesellschaft zu wirken: „Die Kirche ist Zeichen und Werkzeug der Einheit“, sagte der Erzbischof von München und Freising, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, in seiner Predigt zum Fronleichnamsfest am Donnerstag, 20. Juni, auf dem Münchner Marienplatz.

„Wollen wir Teil oder Lösung des Problems sein, spalten oder zusammenführen?“, fragte der Kardinal und betonte: „Unser Auftrag ist ganz klar: Wir sollen Werkzeug der Einheit sein, das muss sichtbar werden im Reden und im Handeln. Das ist Evangelisierung.“ Es sei einfach, die Welt und die Probleme zu beklagen, „besser ist es aber, sich auf den Weg zu machen und für die Einheit der Menschheitsfamilie zu wirken.“ Auch vom ökumenischen Weg zu einer Einheit der Christen wolle er sich „nicht abbringen lassen“, unterstrich Marx. Zugleich drückte er seine Sorge darüber aus, dass auch „innerhalb der Kirche teilweise eine Sprache der Polarisierung, der Grabenkämpfe herrscht“.

Der Erzbischof erinnerte daran, dass Christus „nicht von ungefähr das Zeichen des Mahles, des gemeinsamen Tischs“ gewählt habe. Es sei „ein zutiefst menschliches Zeichen, das über alles Menschliche weit hinausweist“. Beim gemeinsamen Mahlhalten begegne man sich „auf Augenhöhe miteinander“. Die Eucharistie sei „kein geschlossener, andere abwehrender Kreis“. Gerade an Fronleichnam mit der Eucharistiefeier und der anschließenden Prozession müsse deutlich werden, dass es sich um eine Einladung handle, „vom Tisch des Herrn hinauszugehen in die Stadt, in die ganze Gesellschaft“, so Marx. Es gelte, „den Blick auf die ganze Welt zu richten“, damit „das, was von Gott ausgeht, Auswirkungen hat auf die ganze Menschheit“. Die Feier des Fronleichnamsfest sei „nicht ein Weg der katholischen Selbstbehauptung in unruhigen Zeit, vielmehr eine Demonstration der Selbstverpflichtung, dass wir Instrument sein wollen für die Einheit in Vielfalt aller Menschen“, hielt Kardinal Marx fest.

Insgesamt mehr als 10.000 Menschen kamen zum Gottesdienst auf dem Münchner Marienplatz und zur anschließenden Fronleichnamsprozession, die über die Residenzstraße und die Brienner Straße bis zum Königsplatz führte. Die Fronleichnamsfeier stand in diesem Jahr unter dem Leitwort „„Christus – ER mit uns, wir mit IHM“. Angeführt wurde die Prozession auf dem etwa zwei Kilometer langen Weg von einem von Jugendlichen getragenen Kreuz, begleitet unter anderem von Ordensangehörigen, Studenten, Mitarbeitern in pflegenden und pastoralen Berufen, Priestern, Diakonen und Ministranten, Vertretern von Staat und Stadt, Ordensrittern, Vertretern der katholischen Räte, von Verbänden und Trachtengruppen. Gottesdienst und Prozession wurden vom Domchor München, der Jungen Domkantorei, den Domsingknaben, der Mädchenkantorei und den Münchner Dombläsern musikalisch gestaltet.

Fronleichnam wurde 1264 von Papst Urban IV. zum offiziellen kirchlichen Fest erklärt. Der Begriff „Fronleichnam“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen: „fron“ bedeutet „Herr“ und „lichnam“ meint den lebendigen Leib. An Fronleichnam, dem „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, zeigen Katholiken öffentlich ihren Glauben an die Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie. Sie tragen dabei das Allerheiligste, Christus in Gestalt einer konsekrierten Hostie, in einem kunstvoll verzierten Schaugefäß, einer Monstranz, durch die Straßen und beten an mehreren Altären um Gottes Segen. (ck)

Bericht: Erzbischöfliches Ordinariat

Foto: Hötzelsperger – Ausschnitt aus heuriger Priener Fronleichnamsfeier

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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