Kirche

40stündiges Gebet in Prien beendet

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Den Glauben durch Beten oder Wallfahren zu bezeugen ist nicht allein-genügend – diese Botschaft trat immer wieder zu Tage beim heurigen 40stündigen Gebet in der Pfarrgemeinde „Maria Himmelfahrt“. Seit über 250 Jahren gibt es in der Marktgemeinde diese Tradition, lange fielen die Gebetstage in die Faschingszeit, seit einigen Jahrzehnten treffen sich die Gläubigen von Prien und Umgebung nunmehr in der Fastenzeit.

Das heurige Motto lautete „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers“. Ein umfangreiches Programm wurde von einem eigens eingerichteten Arbeitskreis vorbereitet, dem Edda Eder, Edith Heindl, Klaus Hofstetter, Nicolas Koschorz, Günther Kraus und Fritz Seipel angehörten. Kernpunkte der dreitägigen Zusammenkünfte waren die Predigten, dessen Anfang   Militärdekan Dr. Michael Gmelch aus Neubiberg  machte.

„Beten: Wie? Wozu? Warum?“

Der Theologe und Psychologe, der vor seinem Dienst in Neubiberg unter anderem als Militärseelsorger in Flensburg sowie im Mittelmeer auf Kriegsschiffen bei der Flüchtlingsrettung tätig war, sprach eingangs von einer Ehre, das  Priener Gebet mit seiner Predigt einläuten zu dürfen. „Beten: Wie? Wozu? Warum?“ – mit diesen Fragen führte Dr. Gmelch zur überraschenden Antwort: „Gott braucht unser Beten nicht, denn unser Beten kann seine Größe nicht mehren, aber uns kann es Heil bringen“. Weiters zitierte der Prediger aus dem Islam und den Heiligen Augustinus wie folgt: „Gott ist uns näher als unsere Halsschlagader bzw. Gott ist Dir näher als Du Dir selbst nahe sein kannst. Es gibt nichts, wo Gott nicht wäre“. Um Gott spürbar zu erfahren, empfahl der Geistliche die Stille, denn in der Stille wird die Nähe zu Gott bewusst, der in uns selbst und überall ist. „Stille vermittelt Sinn des Lebens, gibt Mut und Klarheit und sorgt dafür, dass wir aktiv werden, denn das Gebet allein ohne Aktivitäten wäre nur geistliche Selbstbefriedigung“, so der Geistliche, der die Gläubigen bat, ihre Augen für Frieden, Ängste, Hoffnung und Trauer zu öffnen. In seinen weiteren Ausführungen ging Dr. Gmelch auch auf den Mißbrauch in der Kirche, auf die Aktion „Kids for future“   („Dafür müssen wir uns interessieren“) sowie generell auf die Schöpfung ein indem er beispielhaft sagte: „Es kann uns nicht egal sein, wenn Massentierhaltung nur um der wirtschaftlichen Interessen willen und wegen billiger Preise geduldet wird“. In diesem Sinne und abschließend gab der Militärseelsorger den Gläubigen folgende Botschaft mit auf den Weg: „Beten oder Wallfahren sollen uns befähigen, so zu handeln, wie es Jesus getan hat“.

Drei Priener Kirchengemeinschaften beim 40stündigen Gebet

   „Bemüht Euch um das Wohl der Stadt, denn in ihrem Wohl liegt Euer Wohl“ – das war das Thema einer Nachmittagspredigt beim 40stündigen Gebet in der Pfarrei „Maria Himmelfahrt“ in Prien. Erst- und einmalig war dabei, dass sich mit Pastoralreferentin Edith Heindl von der Katholischen Pfarrgemeinde, mit Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth von der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde Prien und mit Bezirks-Evangelist Andreas Sargant vom Bezirk Rosenheim von der Neuapostolischen Kirchengemeinde gleich drei Kirchenvertreter einem gemeinsamen Thema widmeten. „Die Gegenwart Gottes feiern und handeln, um Gutes für unser Dorf und für unser Zusammenleben tun, das sind Sinn und Aufgabe unseres Daseins. Letztlich gehen wir den Heilsweg nicht alleine, wir können aufbauen auf das, was schon viele Menschen vor uns getan haben und was unseren Glauben geprägt hat und weiter prägen wird“ – mit diesen Sätzen eröffnete Edith Heindl die Andachts-Gedanken. Karl-Friedrich Wackerbarth bat in seinen Ausführungen, die aktuelle Lebenssituation nicht nur anzunehmen, sondern sie auch ernst zu nehmen und er sagte weiter: „Nehmt auch das Fremde ernst, werten wir das Fremde nicht ab, bloss weil wir es nicht verstehen, machen wir das Leben für uns alle leichter und hüten wir uns, die Obrigkeit leichtfertig zu kritisieren. Es ist besser anzupacken, unabhängig vom religiösen Hintergrund, denn alle Menschen in unserer Stadt sind Gottes Kinder“. Andreas Sargant als dritter Prediger machte sich Gedanken, weil der christliche Glaube immer mehr verschwindet, Freizeit und andere Götter verdrängen immer mehr das Evangelium. „Aber lasst uns nicht hoffnungslos werden, denn Gottes Hoffnung ist Gewissheit und nicht nur eine irdische Hoffnung, die oft nur Wunschvorstellung und Träumerei ist. Lasst uns in der Hoffnung festhalten, schließen wir Niemand davon aus und überfordern wir damit auch Niemand“ – so der Evangelist.

Auch in den weiteren Predigten von Prälat Dr. Lothar Waldmüller und von Prälat Dr. Peter Neuhauser waren Ökumene und zeitgemäße Glaubens-Ausübung ein zentrales Thema. Besonders erfreut zeigte sich zum Abschluss Pfarrer Klaus Hofstetter, dass dank einer Initiative von Rimstinger Frauen eine lebendige Anbetung für Kinder abgehalten werden konnte,  dass die Katholische Jugend von Prien zusammen mit einer Firmgruppe einen Jugendgottesdienst mit einem stimmungsvollen Gebet in die Nacht gestaltete und dass die Kolpingfamilie zu einem Gesprächs-Frühschoppen nach dem Gottesdienst-Besuch einlud. An den verschiedenen Gottesdiensten und Veranstaltungen sorgten die Capella Vocale, der Jugendchor RimsTeenis sowie Bartholomäus Prankl und Bernhard Loss an der Orgel für die musikalische Gestaltung, Prankl hatte als neuer Kirchenmusiker von Prien auch erstmalig die musikalische Gesamtleitung.

Foto/s: Thomas Ganter und Hötzelsperger – Eindrücke vom 40stündigen Gebet in Prien a. Chiemsee

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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