Kirche

Zum Namenstag von Hildegard von Bingen

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Nach einem Vortrag von Hildegard Osterhammer aus Frasdorf – Hildegard von Bingen  1098-1179  –  am 10. Mai        2012  offiziell in den Heiligenkalender aufgenommen     am   7. Oktober 2012  zur Kirchenlehrerin erhoben  – ihr Namenstag ist am 17. September

Hildegard von Bingen, wurde und wird vor allem am Rhein, groß gefeiert. Das Heiligsprechungsverfahren wurde 2012 unter Papst Benedikt XVI. abgeschlossen. Außerdem wurde Hildegard zum Auftakt der Weltbischofssynode zur Kirchenlehrerin erhoben. Diese Ehre wurde  von den bisher 33 Kirchenlehrern erst drei Frauen zuteil. Hildegard ist die Vierte. Im Frühjahr 2019 hat die Benediktinerabtei Sankt Hildegard in Eibingen bei Rüdesheim eine neue Akademie zur Erforschung des Lebenswerkes der hl. Hildegard gegründet. Ziel des neuen Zentrums ist es, den theologischen und spirituellen Beitrag der Kirchenlehrerin für ein gemeinsames Europa fruchtbar zu machen, sagte die Akademievorsitzende und Benediktinerin Maura Zatonyi.

Obwohl bis 2012 offiziell nie heilig gesprochen, wurde sie seit alters her an Nahe und Rhein als große Volksheilige verehrt. Bei uns ist sie nicht so sehr bekannt, darum sollen ihr Leben  und ihre Wirkungsstätten heute kurz vorgestellt werden. Im Sommer 1098 in Bermersheim bei Alzey als 10. Kind der Edelfreien Hildebert und Mechthild von Bermersheim geboren, kam sie bereits mit 8 Jahren in die Obhut der Jutta von Sponheim in eine angegliederte Frauenklause des Männer-Benediktinerklosters auf dem Disibodenberg am Zusammenfluß von Glan und Nahe. Klöster waren zu dieser Zeit der einzige Ort für Adelstöchter um lesen und schreiben zu lernen. Mit 16 Jahren entschied sich Hildegard selber für ein Leben im Kloster und wurde nach dem Tod Juttas einstimmig zur geistigen Führerin gewählt. Gegen den Widerstand der Mönche, die die Schenkungen der Nonnen verwalteten, verließ Hildegard 49jährig mit 20 Mitschwestern  das Gastkloster Disibodenberg und gründete ein eigenes Kloster auf dem Rupertsberg bei Bingen.

In der 15 Kilometer entfernten Kaiserpfalz zu Ingelheim residierte zu dieser Zeit Kaiser Friedrich Barbarossa, der Hildegard sehr verehrte. Er prägte auch den Namen: “Hildegard von Bingen”. Bis dahin war sie die Hildegard von Bermersheim. Trotzdem hatte Hildegard sicherlich auch kritische Worte für den Kaiser. Unter Barbarossa war die Kirche 17 Jahre gespalten und er setzte auch vier Gegenpäpste ein. 1165 erwarb Hildegard in Eibingen – einem Ortsteil von Rüdesheim am Rhein – leerstehende Klostergebäude und gründete hier ihr zweites Kloster das sie zweimal wöchentlich besucht haben soll, wobei sie jedes Mal den Rhein überqueren mußte. Dabei soll sie einmal einen blinden Knaben geheilt haben.

Hildegard erlebte nicht nur sonnige Zeiten. Doch der wohl schwerste Schicksalsschlag traf sie kurz vor ihrem Tod. Über ihr Kloster am Rupertsberg wurde das Interdikt verhängt. Sie hatte einen jungen Adeligen, der eines begangenen Frevels wegen exkommuniziert worden war, aber vor seinem Tod bereut und von einem Kleriker die Altarssakramente empfangen hatte, innerhalb der Klostermauern in geweihter Erde bestattet. Doch der Bann konnte aus Zeitgründen nicht mehr offiziell aufgehoben werden und Hildegard erhielt die Anweisung, den Toten zu exhumieren und vor den Klostermauern in ungeweihter Erde zu begraben. Als sie sich weigerte dies zu tun, trat das Interdikt in Kraft. Das heißt, die Nonnen mußten auf Sakramentenempfang, Gottesdienst, Gesang und Glockengeläut verzichten.

Am 17. September 1179 verstarb Hildegard mit 81 Jahren. Laut Legende habe sich nach ihrem Tod am nächtlichen Himmel ein wunderbares Licht gezeigt. Auch soll es an ihrem Grab mehrere Krankenheilungen gegeben haben.

Ihre Reliquien befinden sich jetzt  im Reliquienschrein in der Pfarrkirche von Eibingen, deren Vorgängerkirche die Kirche ihres in Eibingen gegründeten Klosters war. Hildegard war zeitlebens viel krank, aber trotzdem sehr energisch und mutig.  Sie unternahm vier große Predigtreisen -ungewöhnlich für eine Frau in dieser Zeit – und war eine selbstbewußte Kritikerin der kirchlichen und weltlichen Obrigkeit, was ihr sicherlich nicht nur Freundschaft einbrachte. Sie verurteilte Krieg und Mord im Namen des Kreuzes genauso, wie die Spaltung der Kirche durch Kaiser Barbarossa. Sie schrieb drei große Visionswerke, mehrere natur-und heilkundliche Schriften, ein Mysterienspiel und 77 Lieder. Von ihr stammen auch die Worte: “Jedes Element hat seinen Klang, einen Urklang aus der Ordnung Gottes. Und all dieses Tönen vereinigt sich wieder im Zusammenklang aus Harfen und Zithern:”

Dargestellt wird Hildegard meistens mit Äbtissinnenstab, Buch und Feder. Manchmal auch mit Flammen auf ihrem Haupt, als Zeichen ihrer Visionen.

Am 2. Juli 1900, 720Jahre nach dem Tode Hildegards, war die Grundsteinlegung für die neue Abtei St. Hildegard in den Weinbergen oberhalb von Eibingen.  Am 17. September, dem Todestag der hl. Hildegard, im Jahr 1904 war der Einzug von 14 Benediktinerinnen aus Prag. Diese Nonnen haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Grundgedanken Hildegards – den Dreiklang von Körper, Geist und Seele -zu leben und in ihrem Sinne zu wirken, was sich bei den Klosterfrauen in der Abtei St. Hildegard bis heute erhalten hat. Ihr Fest wurde 1941 erstmals in ganz Deutschland gefeiert. Das Jahr 2012 wurde, wie bereits erwähnt, am Rhein besonders festlich begangen. U. a. mit vielen Festgottesdiensten an verschiedenen Orten, einer Hildegard Ausstellung im Mainzer Dom- und Diözesanmuseum und in Bingen mit einer “Langen Nacht der Hildegard” mit Vorträgen, musikalischen Beiträgen und einem abschließenden Lichtergottesdienst.

Doch ein Besuch der Wirkungsstätten der hl. Hildegard am Disibodenberg, in Bingen und Eibingen ist auch nach dem Jahr 2012 noch lohnend.

Bericht: Hildegard Osterhammer  – nach vielen schriftlichen Aufzeichnungen und mündlichen Angaben

Fotos: Franz Osterhammer  –   Hildegard Abtei in Eibingen bei Rüdesheim   –    Hildegard Altar am Rochusberg bei Bingen

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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