Kirche

Kirchweih am Großen Arber

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Arberkirchweih 2018 war geprägt durch den Aufruf zum Frieden – 8000 Bergpilger wohnten dem Berggottesdienst am Großen Arber bei

Eine prächtige Rundumaussicht bei herrlichem Sommerwetter erwartete die rund 8000 Pilger, die zur 53. Arberkirchweih auf den Großen Arber wanderten. Die wunderbare Aussicht auf die umliegende Bergwelt war Lohn für Mühe und Schweiß des Aufstiegs. Andere wählten die bequemere Variante der Bergbesteigung. Sie nutzten die Auffahrt mit der Arberbergbahn. Dort wurden sie schon musikalisch erwartet, denn die „Tittlinger Tanzbodnmusi“ spielte zur Begrüßung an der Bergstation des Liftes auf.

Oben am Plateau vor dem Seegipfel warteten schon zahlreiche Pilger. Auch die umliegenden Felsen waren heuer stark belagert. Natur und Landschaft ermöglichen den Teilnehmern Ruhe und Einkehr und die Gläubigen fühlen sich Gott dort oben besonders nahe. Diese Erkenntnis könnte der Grund für den ungebrochenen Zuspruch und die Begeisterung der Pilger zu dieser Bergfeier sein.

Betend hatte sich die Prozession der Trachtenvereine mit ihren Fahnen ab Bergstation in Richtung Arberkapelle in Bewegung gesetzt. Kurz nach ihrer Ankunft dort traf auch die Gruppe der Wallfahrer der Bergwacht Lam vom Nordhang her ein. Der Gottesdienst wurde vom Pfarrer Bogdanovski aus Bayerisch Eisenstein in Konzelebration mit Weihbischof Dr. Josef Graf zelebriert. Für die musikalische Gestaltung zeigten heuer die „Nickl-Deandln“ (Ingrid Hupf und Irmi Nickl) zusammen mit ihrem Begleiter auf dem Akkordeon, Hermann Hupf, verantwortlich. In ihren Gesang der „Waldler-Messe“ stimmten die vielen Besucher der Bartholomäus-Kirchweih inniglich ein.

Die Veranstaltung wird jedes Jahr getragen im Wechsel vom Bayerischen Waldgau der Heimat- und Volkstrachtenvereine und dem Bayerischen Wald-Verein. Heuer oblag die Begrüßung dem Präsidenten des Bayerischen Wald-Vereins, Helmut Brunner. Mit Blick über die Menschenmenge wähnte er viele Stammgäste unter den Besuchern aus nah und fern, hieß aber gleichzeitig auch alle, die das erste Mal hier oben sind, willkommen. Eine besondere Ehre sei der hohe Besuch aus Regensburg, Weihbischof Dr. Josef Graf, der die Messe zelebriert. „Man spürt förmlich Ihre Nähe zum Wettergott, aber beinahe hätten Sie es übertrieben“, richtete er angesichts der sehr warmen Temperaturen humorvoll das Wort an den geistlichen Würdenträger.

Ein Grüß Gott galt auch den Fahnenabordnungen des Waldgaues, dem geschäftsführenden Vorsitzenden des Waldvereins, Georg Pletl, Pfarrer Boris Bogdanovski, Landrätin Rita Röhrl und Bürgermeister Charly Bauer aus Bayerisch Eisenstein. Die Verantwortung für den festlichen, würdevollen Gottesdienst trug wieder Heinz Feigl, der mit seiner Mannschaft alles vorbereitet hatte. „Die St. Bartholomäus-Kirchweih ist die älteste Bergfeier des Bayerischen Waldes“, so Brunner weiter. Mit dem Bau der Kapelle 1957 sei der Startschuss für diese Tradition gegeben worden. Ab 1965 ging es richtig los und jedes Jahr kamen mehr Besucher. „Es ist mehr als nur ein Sonntagsausflug auf einen Berg. Ich gehe davon aus, dass jeder seine ganz persönlichen Gründe hat, heute dabei zu sein.“ Der Besuch der Bergmesse sei ein Zeichen für die Bedeutung Gottes, des Glaubens und der Volksfrömmigkeit. Viele, die heute hier sind, wollen sich ihrer christlichen Wurzeln erinnern und bekennen. Der deutsche Schriftsteller Rudolf Börne habe einmal gesagt: „Was ist selbst der glücklichste Mensch ohne Glauben? Eine schöne Blume in einem Glas Wasser ohne Wurzel, ohne Dauer!“ Für Brunner sei dieses Bergfest mit Gottesdienst ein eindeutiges Zeugnis dafür, dass Tradition, Brauchtum und Moderne kein Widerspruch sein müssen. Bei richtiger Interpretation ergänze sich dieses wunderbar.

„In den Gotteserfahrungen der Bibel spielen Berge eine besondere Rolle“, so Weihbischof Dr. Josef Graf, der das erste Mal bei der Arberkirchweih anwesend war. Bezugnehmend auf den Psalm 34 („Suche den Frieden und jage ihm nach“) thematisierte der Prediger den Frieden, den wir nun seit über 70 Jahren haben, und erinnerte an die Nachkriegsjahrzehnte des Kalten Krieges, in denen sich die Nato und die von der Sowjetunion angeführten Truppen des Warschauer Paktes militärisch hoch aufgerüstet und misstrauisch gegenüberstanden. Fast auf den Tag genau vor 25 Jahren, nämlich am 25. August 1968, wurde unweit des Arbers im Nachbarland der sogenannte „Prager Frühling“ gewaltsam von sowjetischen Panzern beendet. „Die Welt hielt gleichsam den Atem an“, so der Weihbischof, der noch weitere Beispiele für gerade noch abgewendete militärische Eskalationen nannte. „Damals saßen wir auf einem atomaren Pulverfass, das gilt vielleicht auch für die Gegenwart“, gab er angesichts des fanatischen islamistischen Terrorismus, Tendenzen einer Radikalisierung, die ungelöste Flüchtlingsproblematik und die Völkerwanderung nie gekannten Ausmaßes zu bedenken.                                                                                                                            Die Deutschen hätten großen Grund zur Dankbarkeit für die Gabe des Friedens und um den Erhalt des Friedens zu beten. Das Bemühen um den Erhalt des Friedens bleibe heute und in Zukunft eine dringende Aufgabe. „Bitten wir immer wieder und besonders jetzt an diesem wunderbaren Ort um den Frieden, den die Welt sich selbst nicht geben kann. Gehen wir jeden Tag neu die Schritte des Friedens, die wir zu tun vermögen“, endete der Geistliche seine Ausführungen.

Gemäß dem Grundsatz „Nach der Mess die Mass“ nutzen viele das schöne Wetter zu einer ausgiebigen Rast auf dem Gipfel und einem Rundgang oder sprachen dem gastronomischen Angebot der beiden Berggasthäuser zu. Alphornklänge erschallten vom Dach der Eisensteiner Hütte und die „Tittlinger Tanzbodnmusi“ spielte beim Arberschutzhaus noch zur weiteren Unterhaltung der Gäste auf.

Bildunterschriften:

Bild Arberkirchweih 2018-1:                                                                                                       Ehrengäste unter sich: (v.li.) Daniel Graßl (Bgm. von Teisnach), Waldgau-Vorsitzender Andreas Tax, Arber-Bergbahn-Betriebsleiter Thomas Liebl, Landrätin Rita Röhrl, Waldvereins-Präsident Helmut Brunner, Weihbischof Dr. Josef Graf, Charly Bauer (Bgm. von Bayerisch Eisenstein).

Bild Arberkirchweih 2018-2:                                                                                                       Der aus der Domstadt mitgereiste Frater Robert von den Barmherzigen Brüdern dirigierte spontan schwungvoll die „Tittlinger Tanzbodnmusi“ an der Bergstation.

Bild Arberkirchweih 2018-3:                                                                                                       Die Fahnenabordnungen der Waldgau-Vereine führten die Bittprozession an.

Bild Arberkirchweih 2018-4:                                                                                                       Auf dem Gipfelplateau hatten sich zahlreiche Gottesdienstbesucher versammelt.

Bild Arberkirchweih 2018-5:                                                                                                       Waldvereins-Präsident Helmut Brunner nahm die Begrüßung vor.

Bild Arberkirchweih 2018-6:                                                                                                       „Die Nickl-Deandln“ mit Begleiter Hermann Hupf übernahmen die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes.

Bild Arberkirchweih 2018-7:                                                                                                       Weihbischof Dr. Josef Graf war eigens aus Regensburg angereist, um die Bergmesse mitfeiern zu können.

Bild Arberkirchweih 2018-8:                                                                                                       Für viele Gläubige war der Empfang der Heiligen Kommunion hier heroben auf dem Berg ein Herzensanliegen.

Bild Arberkirchweih 2018-9:                                                                                                       Buntes Geschehen auf dem Berg.

Bild Arberkirchweih 2018-10:                                                                                                       „Nach der Mess die Mass“ – die Ehrengäste kehrten dazu ins Arberschutzhaus ein.

Bild Arberkirchweih 2018-11-14:                                                                                                       Die Arberkirchweih hat noch nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Dies zeigt alljährlich die Masse an Besuchern.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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