Kirche

Inzeller Pfarrer Zehetmair kommt nach Prien

Abschiede sind immer traurig, so auch der letzte Gottesdienst von Pfarrer im Ruhestand Andreas Zehetmair. Nach fast sechs Jahren in der Pfarrei Inzell/Weißbach verkündete er seinen Abschied in Richtung Prien. Man merkte dem Geistlichen an, dass er gerne hier tätig war und dabei viele Aufgaben übernommen hat. Auch bei seiner letzten Feier der Eucharistie wurde nochmal deutlich, mit welcher Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit er Inhalte der Heiligen Schrift wieder gibt. Seine klaren Worte sind bei vielen Christen gut angekommen. Für die musikalische Gestaltung bei diesem besonderen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Michael war Ines Preinfalk verantwortlich.

„Wer sich an Vorschriften hält, der kann nichts verkehrt machen.“ Mit dieser kritischen Anmerkung begann Zehetmair den Gottesdienst. In der Lesung, die vom langjährigen Kirchenpfleger Ewald Schmauß vorgetragen wurde, vergleicht Jesaja das Volk Gottes mit einem Weinberg, der nur faule Beeren hervorbringt. Anstatt Gott, der ihnen immer treu zur Seite steht in den Mittelpunkt zu stellen, orientieren sich viele Gläubige viel zu sehr an starren Gesetzen und Vorschriften. Das Evangelium erzählt das Gleichnis von Gott als Gutsbesitzer, der einen Weinberg anlegte, um ihn zu verpachten. Die Pächter sind die religiösen Führer. Auch sie hängen viel zu sehr an alten Dogmen und Riten und sind blind und taub gegenüber den von Gott geschickten Propheten. Deshalb töten sie zuerst die Knechte und schließlich auch den Sohn des Gutsbesitzers. Doch Jesus wurde durch seinen Tod zum Eckstein, der für uns Christen die wichtigste Instanz sein sollte. Leider wurde auch unsere christliche Kirche immer mehr zur Institution mit festgefahrenen Strukturen. Dies kritisierte bereits im 19. Jahrhundert Kardinal John Henry Newman und mit ihm Pfarrer Zehentmair, der ähnliche Probleme noch heute sieht.

Aufbruch der Kirche

Das 2. Vatikanische Konzil vor 60 Jahren durch Papst Johannes Paul XXIII steht für den Aufbruch und die Modernisierung der Kirche. Warum hat sie nicht den Mut für mehr Veränderungen? Die Welt bleibt nicht stehen und deshalb sollten wir uns als Kirche mit der Lebenswelt der Menschen heute auseinandersetzen. Pfr. Zehentmair sieht die Gefahr der Stagnation wie in den Lesungen. Der Glaube und das Leben klaffen weit auseinander. „Der Glaube darf nicht zu einer leeren Fassade verkommen“, fordert Zehentmair. „Eine lebendige Kirche ist keine festgefahrene Institution. Der biblische Gott geht mit unserer menschlichen Entwicklung mit“. Der Geistliche vertritt die Ansicht, dass keine Strukturen im Vordergrund stehen dürfen. Die Kirche muss vielmehr ein Weinstock mit süßen Trauben sein, der keine sauren Beeren hervorbringt. Letztlich ist die Ehre Gottes der lebendige Mensch.

Pfr. Zehentmair bedankte sich anschließend für die gute Zusammenarbeit und betonte, dass er gerne hier in Inzell gearbeitet hat. Dieser selbst gewählte Schritt an die neue Wirkungsstätte ist für ihn nicht leicht, aber laut seinen Worten notwendig. „Ihr habt mich so angenommen, wie ich bin und ich habe viel Unterstützung und Vertrauen erfahren dürfen. Ich wünsche Ihnen allen Gottes Segen und viel Kraft für die Zukunft“.

Für den 3.Bürgermeister Richard Hütter, der erst kurz zuvor aus dem Urlaub zurückkehrte, war es aus persönlichen Gründen eine Herzensangelegenheit, sich von Pfarrer Zehetmair zu verabschieden. „Andreas du hast uns durch deine seelsorgerischen Fähigkeiten viel Kraft gegeben und speziell unserer Familie bist Du ein guter Freund geworden. Schade, dass Du nun gehst. Das ist ein großer

Verlust für unsere Kirchengemeinde“. Hütter stellte auch Zehetmairs Predigten heraus, die mit klaren und auch kritischen Worten immer ehrlichen und aufrichtigen Inhalt vermittelten. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Albert Hütter dankte mit seinem Vorstandsteam Pfarrer Andreas Zehetmair für seine Arbeit in den letzten knapp sechs Jahren. Hervorgehoben wurden die bedingungslose und zeitintensive Unterstützung während der pfarrerlosen Zeit, die sehr einfühlsame Trauerbegleitung, der herzliche Umgang mit den Kindern und die wertschätzende Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen. Als besonderem Dank wurde ihm ein Korb mit Inzeller Schmankerln überreicht.

Der Geistliche schien sehr gerührt und gab den Dank dafür zurück. Ein großer, lang anhaltender Applaus ließ Zehetmair erkennen, wie gut er von den Inzeller Christen aufgenommen wurde und wie sehr der Abschied nun schmerzt. Vergeid’s God!

Bericht und Fotos: Helmuth Wegscheider

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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