Kirche

Am Grab von Pfarrer Wilhelm Gröner in Bernau

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

31 Jahre lang war Wilhelm Gröner Pfarrer in der Pfarrei St. Laurentius in Bernau a. Chiemsee. 15 Jahre nach dem Ende seiner Bernauer Dienstzeit und nur zwei Wochen nach seinem 95. Geburtstag verstarb der Geistliche in seiner letzten Lebensweg-Station im Caritas-Haus St. Peter in Kiefersfelden und er fand nunmehr seine letzte Ruhe im Priestergrab von Bernau. Viele geistliche Mitbrüder und Bernauer Gläubige versammelten sich zur Trauerfeier in der Pfarrkirche und hielten dankbar Rückblick auf einen ganz besonders aktiven Geistlichen mit einem großen Lebenswerk.

Als Ortspfarrer hieß Klaus Hofstetter zusammen mit seinem Seelsorgeteam aus dem Pfarrverband Westliches Chiemseeufer und mit Grüßen von Pfarrer Josef Bacher (dem Nachfolger von Wilhelm Gröner in Bernau, der am Besuch der Trauerfeier verhindert war) Domkapitular Monsignore Thomas Schlichting willkommen. Der Direktor für Seelsorge und Kirchenleben vom Ordinariat München-Freising feierte das Requiem im Auftrag von Kardinal Reinhard Marx gemeinsam mit Dekan Helmut Kraus vom Dekanat Inntal und mit Pfarrer Klaus Hofstetter. Zu Beginn der Trauerfeier sagte Domkapitular Schlichting: „Jesus Christus war die Mitte des Lebens von Pfarrer Gröner und im Namen Jesu hat er oft die ihm anvertraute Gemeinde versammelt“. In der Predigt erinnerte Schlichting daran, dass im Jahr 2005 Joseph Ratzinger zu Beginn seiner päpstlichen Amtszeit das Bild vom einfachen Arbeiter am Weinberg des Herrn verwendete. „Der große Fleiß, die starke Hingabe und das priesterliche Selbstverständnis waren ein Leitbild für Wilhelm Gröner, der wahrlich ein Diener im Weinberg des Herrn war“. Alsdann erinnerte Schlichting an den Lebensweg von Wilhelm Gröner, der ein Jahr vor dem Hitler-Putsch in München-Solln zur Welt kam und im elterlichen Spengler-Betrieb eine behütete Kindheit zusammen mit einem jüngeren Bruder und einer Schwester erfuhr. Aufgrund seiner Neigungen kam er zum Knabenseminar nach Scheyern und in den höheren Klassen nach Freising. Doch 1940 musste er als Soldat Kriegsdienst leisten und er musste nach Russland. Als Horchfunker, der die russische Sprache verstand konnte er vielen Kameraden mit einem geordneten Rückzug helfen und das Leben retten, indem sie ansonsten sichere Opfer in Stalingrad geworden wären. Nach der Gefangenschaft machte Wilhelm Gröner das Not-Abitur in Freising und er studierte mit den Zimmernachbarn Joseph und Georg Ratzinger in Freising Theologie. 1952 wurde er von Kardinal Faulhaber zum Priester geweiht, es war eine besondere Priesterweihe, denn diese wurde kurz vor dem Tod von Kardinal Faulhaber auf den Mai vorverlegt. Nach der Weihe zum Priester begannen die Lehr- und Wanderjahre, sie führten nach Bockhorn bei Erding, in die Pfarrer „14 Nothelfer“ nach München, in Studienseminar nach Traunstein, nach Bad Wiessee am Tegernsee, nach Ising und Truchtlaching und 1972 nach Bernau a. Chiemsee.

Unglaublich: 31 Jahre ohne Urlaub und Fehltage

 Bürgermeister Philipp Bernhofer und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Rainer Wicha erinnerten in ihren Nachrufen in der Pfarrkirche an eine schier unglaubliche Lebensleistung. Pfarrer Wilhelm Gröner war in den 31 Jahren seines Bernauer Wirkens nie in Urlaub, er war nie krank und er fehlte nur einmal bei einem Gottesdienst oder bei einer Andacht und dies war als sein Neffe in Rom zum Priester geweiht wurde. „Unser Pfarrer“ – wie Wilhelm Gröner in Bernau allseits genannt wurde – war in besonderer Weise sparsam, denn seine Hobbies waren die Mesnerei, das Pfarr-Sekretariat und die Hausmeisterei. Alles machte er selbst, gut und gerne – so der Rückblick auf einen Geistlichen, der nicht nur solide, gründlich und immens fleißig, sondern auch humorvoll und sportlich war. Vielen Bernauern ist noch in guter Erinnerung, dass Pfarrer Gröner bei den Orts-Fußballern mitwirkte, ebenso auch bei den Ortsvereinen und deren Veranstaltungen, unter anderem trug er als Operettensänger gerne zur Unterhaltung bei. Nicht zuletzt deswegen war Pfarrer Gröner im Dekanat Chiemsee auch seelsorgerischer Beauftragter für Kirche und Sport. Rainer Wicha erinnerte daran, dass in die Amtszeit von Pfarrer Gröner unter anderem 1974 der neue Katholische Kindergarten entstand, dass 1976 die Pfarrkirche innen und aussen renoviert wurde, dass 1991 die Kirche eine neue Heizung bekam und dass das neue Pfarrheim eingeweiht werden konnte. In einer Anekdote erzählte Wicha von der enormen Sparsamkeit des Pfarrers, der es sich lange Zeit zur Gewohnheit machte bei Autobahn-Heimfahrten auf dem Bernauer Berg den Motor auszuschalten. Aufgrund der vielen Einsparungen – so Wicha weiter- waren gute Voraussetzungen für die Finanzierung der neuen Orgel gegeben. Bürgermeister Philipp Bernhofer würdigte in seinem Nachruf das hohe Maß an kulturellem und sozialem Engagement von Pfarrer Gröner, der vom Gemeinderat im Jahr 1992, dem Jahr seines 20. Wirkens in Bernau und des 40. Dienens im priesterlichen Dienst mit der Bürgermedaille ausgezeichnet worden ist. „Pfarrer Gröner hat seine Pflicht weit über die persönlichen und üblichen Interessen hinaus erfüllt, er war allen Ortsvereinen wohl gesonnen und besonders dem Frauenbund eng verbunden“, so der Bürgermeister, der ebenfalls eine Anekdote zu erzählen wusste: „Nach einem Fußballspiel anlässlich der Einweihung des Sportplatzes in Bernau pressierte es wieder einmal und Pfarrer Gröner erschien zum Abendgottesdienst mit gelben Fußball-Stutzen“. In einem weiteren Nachruf dankte auch Pfarrer Ernst Kögler aus Bad Feilnbach dem stets agilen Geistlichen, der von 2003 bis 2017 bei den Franziskus-Schwestern als Hausgeistlicher täglich den Gottesdienst feierte. „Es waren schöne Jahre mit einem Mann mit schnellen Füßen und flotten Lippen, wir erfreuten uns an seinen gehaltvollen und frei gehaltenen Predigten und wir danken für seine stete Aushilfsbereitschaft in der Pfarrei und im Dekanat“ – so Pfarrer Kögler. Der Verabschiedung in der Kirche folgte ein großer Trauerzug um die Pfarrkirche, voran mit der Musikkapelle Bernau, mit den Fahnenabordnungen der Ortsvereine sowie mit dem großen kirchliche Dienst, der Sarg mit dem Leichnam des verstorbenen Pfarrers wurde von Mitgliedern des Bernauer Pfarrgemeinderates und der Kirchenverwaltung getragen. Bei der Bestattung im Priestergrab ehrten die Bernauer Gebirgsschützen ihren langjährigen Kompaniepfarrer mit einem dreifachen Ehrensalut. In der Kirche sorgten der Kirchenchor und der Frauenchor für die musikalische Gestaltung des Requiems.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke von der Trauerfeierlichkeit für Pfarrer Wilhelm Gröner, der 31 Jahre ohne Urlaub und Fehltag priesterlichen Dienst in Bernau erfüllte.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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