Sport

Wolfgang Schnaiter aus Bernau: Ein Leben für den Langlauf-Sport

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

In Bernau a. Chiemsee ist Wolfgang Schnaiter kein Unbekannter: als Ballonfahrer-Unternehmer und als Blasmusikant ist er vor Ort und sogar in der Luft öffentlich und angenehm aufgefallen. Weniger bekannt sind seine sportlichen Aktivitäten, als Ski-Langläufer war er weltweit unterwegs und auch erfolgreich. Zweimal war er erfolgreicher Teilnehmer der Worldloppet-Läufe und gar dreimal meisterte er die Europpet-Läufe. Jetzt hat er mit den internationalen Wettbewerben aufgehört und er blickt auf eine einzigartige Bilanz als Volksski-Langläufer zurück.

Beendet hat Wolfgang Schnaiter seine Aktivität als Skirennläufer Nordisch nach rund 68.000 Renn- und Trainingskilometern mit der erfolgreichen Teilnahme am Murmansker Skimarathon in Russland 300 Kilometer nördlich des Polarkreises. „Und begonnen habe ich im Jahr 1956 als achtjähriger Bua bei einem Ski-Wettbewerb mitten im Ort Bernau oberhalb des Gasthauses Kampenwand. Beachtenswert war ein vierter Platz bei den Bayerischen Meisterschaften im 50-km-Langlauf, da habe ich viele Staatsprofis von Zoll, Bundeswehr und Grenzpolizei in Grund und Boden gelaufen“ – so Wolfgang Schnaiter zu Beginn seiner Erinnerungen und dann erklärt er die eher unbekannten internationalen Wettkampfkreise. So gehören zu den Wordloppet-Läufen folgende Wettbewerbe mal in freier Technik Skating und mal in Klassischer Nordic Technik dazu: der Dolomitenlauf in Österreich (65 km), der König-Ludwig-Lauf in Oberammergau (55 km), „Jzerska Padesatka“ in der Tschechien (50 km), „Amarican Birkebeiner“ in den USA (51 km), „Marcialonga“ in Italien (70 km), „Keskinada Loppet“ in Kanada (48 km), „Vasa Loppet“ in Schweden (90 km), der Engadin Skimarathon in der Schweiz (42 km), „Transjurassienne“ in Frankreich (76 km) und „Finlandia-hihito“ in Finnland (50 km).  Der zweimalige „Mister Worldloppet“ ist auch dreifacher „Mister Euroloppet“, als solcher war er bei „Biela Stoppa“ in der Slowakei (25 km), im Internationalen Koasalauf in Österreich (28 km), beim Gsiesertallauf in Italien (30 km), beim Sumansky Maratho in Tschechien (23 km), beim Gommerlauf in der Schweiz (21 km), beim Ganghoferlauf in Österreich (25 km), beim Kammlauf im Vogtland (26 km) und beim Murmansk Marathon in Russland. Zur Bilanz fügt Schnaiter hinzu: „Aus is und gor is und schod is das wor is. Danke an alle, die mich begleitet haben, allen voran der Adi Strohmeier, der Hans Pertl, der Sepp Leitner senior, der Lodschi, der Günther, der Hans-Jörg Decker und der Matzad Erhard“.

Chiemgauer Original „Boschei“ war Auslöser für eigenen Ehrgeiz

Diese Freundschaften entwickelten sich von der ersten Teilnahme als Achtjähriger beim örtlichen Nachwuchs-Wettbewerb, gefestigt wurden sie beim Bernauer Ski-Club und bei der aus diesem hervorgegangenen Ski-Läufer-Vereinigung. Mehrere Jahrzehnte war Wolfgang Schnaiter Trainer, Übungsleiter und Langlauflehrer, eine kurze Zeit war er sogar Langlauf-Lehrer in einer Ski-Schule in St. Johann. Auf die Frage, wie er zu seiner außergewöhnlichen Aktivität kam, verrät er: „Als der bekannte Chiemgauer Ziachspieler und Ski-Sportler Hermann Bosch im ZDF gezeigt wurde, habe ich mir gesagt: was der `Boschei kann, das kann ich auch´“ – und so machte sich der gelernte Kaufmann mit Innen- und Außendienst-Erfahrungen an das Training. Dabei denkt er oft daran, dass in den 50er und 60er Jahren Langläufer eher Exoten im Wintersport waren, dazu sagt er: „Heute kommen sogar ganze Familien allein schon wegen der Kosten im Vergleich zum Alpinen Sport zur Langlauf-Entscheidung. Und momentan ist es wegen Corona ja die einzige Möglichkeit, auf geordneten Bahnen Ski-Sport zu betreiben“. Der Wasa-Lauf in Schweden – immer am ersten Sonntag im März – bleibt Schnaiter besonders in Erinnerung. „Dreimal war ich bei der größten skisportlichen Veranstaltung der Welt dabei, am Lauf selbst nehmen 15,700 Läuferinnen und Läufer und an den Wettbewerben der Wasa-Woche insgesamt 38.000 teil, ein unglaubliches Erlebnis. Ebenso wenig vergesse ich als mir in Kanada bei 42 Grad unter Null fast die Ohren abgefroren wären“. Dankbar über immer wieder gute Heimkehr ergänzt Schnaiter die sportlichen Erlebnisse mit kulturell gewonnenen Eindrücken, unter anderem im Indianermuseum in Ottawa, bei abgestorbenen Bäumen im polnischen Riesengebirge auf 1100 Metern aufgrund der Kohlenverfeuerung oder ein Rieseneinkaufszentrum in den USA mit einem Volksfest mitten drin“.

Mit Wolfgang Schnaiter mehrmals unterwegs:

Mehrmals mit dabei war bei den Volksläufen national und international sein Kamerad Lothar Obermaier. Er beschreibt Wolfgang Schnaiter als starke Kämpfer-Natur. „Wolfgang war immer mit Begeisterung dabei, er war Teil der Natur, er hat nie aufgegeben und hat sich bewundernswert durchgebissen. Das war nicht nur bei unseren gemeinsamen  Aktivitäten beim Langlauf, sondern auch beim Bergklettern und beim Wildwasserfahren. Wolfgang hat zum Beispiel nie Bergbahnen als Aufstiegshilfen gewollt, sein Ziel wollte er und hat er immer mit eigener Kraft erreichen bzw. erreicht“.

Repros: Hötzelsperger – 1. Als 8jähriger beim Start in Bernau – 2. Beim Wasa-Lauf in Schweden – 3. Beim König-Ludwig-Lauf in Oberammergau – 4. Massenstart in Marcialonga in Italien

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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