Tourismus

Montenegro: ein Geheimtipp für Träumer und Entdecker

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Von Uschi Lang – Als ich das erste Mal von Montenegro hörte, war ich erstaunt – wo genau ist Montenegro? Eigentlich weiß ich gar nicht viel vom Land, außer daß es ein kleiner Staat vom ehemaligen Jugoslawien ist? Ein wenig recherchiert und ich wußte mehr. Einerseits gibt es u.a. kilometerlange goldene Sandstrände, unberührte Landschaften, geschichtsträchtige Orte, alte Häfen, abgelegene Klöster, wilde Schluchten und den ältesten Olivenbaum – andererseits zipline von Ufer zu Ufer – über die „Träne Europas“, ein Katzenmuseum oder den Yachthafen Porto Montenegro, wo sich die Reichen und Schönen auf ihren „Schifferln“ tummeln und Party angesagt ist.

Ich zögerte keine Minute – das klingt verlockend – packte den Koffer und ab in das Land der „wilden Schönheit bzw. der schwarzen Berge“.

Montenegro befindet sich in Mitten des Mittelmeerraumes bzw. in Südeuropa. Es grenzt im Norden an Serbien, im Südosten an Kosovo und Albanien, im Süden, getrennt durch die Adria an Italien und im Westen mit Kroatien, Bosnien und Herzegowina benachbart. Im kleinen Balkanstaat leben ca. 650.000 Menschen auf einer Fläche von 14.000 km2. Mit 186.000 Einwohnern ist die heutige pulsierende Hauptstadt Podgorica die bevölkerungsreichste Metropole und zugleich wirtschaftlich, politisches und kulturelles Zentrum des Landes. Amtssprache ist montenegrinisch. Es gliedert sich in drei Regionen: Küste, Gebirge und Zentralregion. Für die Tier- und Pflanzenwelt herrschen in Montenegro die besten Bedingungen. Von besonderer Bedeutung sind dh. auch die fünf Nationalparks Lovcen, Biogradska Gora, Skadarsko jezero, Prokletije und der größte Durmitor (UNESCO Weltkulturerbe, 18 Gletscherseen und 1.600 verschiedenen Pflanzenarten; er umfaßt das gleichnamige Bergmassiv im Norden, mit dem höchsten Gipfel des Landes und der tiefsten Schlucht).

Die Besichtigungstour – gleich nach Ankunft am Flughafen Golubovci führt nach Ulcinj – zur südlichsten Stadt Montenegros am Meer. Die einstige Piratenhochburg mit orientalischem Flair liegt nahe der Grenze zu Albanien. Alt Ulcinj (Stari grad) liegt auf einem zum Meer überhängenden Felsplateau. Die „Copacabana“ von Montenegro Velika Plaza ist mit 13 km der längste (Traum)Sandstrand der östlichen Adria.

Sehenswertes u.a. das Nordtor durch das kommt man in die verwinkelte Burg-Altstadt mit Zitadelle und Uhrturm, die serbisch orthodoxe Kirche Sveti Nikola, Moscheen, Stadtmuseum (im ehemaligen Gefängnis) oder Hamam heute das einzige seiner Art.

Nach der Besichtigung – doch etwas müde von der Anreise – ab ins Hotel zum Ausruhen.

Der nächste Tag führt nach Bar – der wichtigste Hafen Montenegros, der eine regelmäßige Schifffahrtverbindung zwischen Montenegro und Italien hat; die Stadt besteht aus der Ruinenstadt Alt (Stari) Bar und der modernen wirtschaftlich geprägten Neustadt Neu (Novi) Bar.

Stari Bar wurde im 11. Jahrhundert am Fuße des 1.593m hohen Berges Rumija auf 110 m ü.d.M. gegründet; ein schmaler kopfsteingepflasterter Weg führt durch die idyllische Geschäftsstraße mit Beisln, Einkaufsläden, Bäckerei, Restaurants, Souvenirläden etc. zur zerstörten Stadtmauer. Weiters sieht man auch Überreste von 2-stöckigen Häusern, ein Aquädukt und zwei Kirchen.

Rund um die Stadt Bar stehen schätzometer 100.000 Olivenbäume auf den Hängen. Der bekannteste und älteste (2.000 Jahre) Olivenbaum steht nahe Bar; er trägt noch immer Früchte und ist Heimat von drei Schildkröten. Laut Legende muß man dreimal um den Baum gehen und Wünsche werden wahr! Die Stadt Bar ist ein wichtigstes Zentrum für die Herstellung des montenegrinischen Olivenöls.

Ca. 60km weiter führt uns der Weg nach Tivat; die Stadt wurde auf dem Plateau am Fuße des Berges Vrmac gegründet, welcher die Stadt von Kotor trennt; sie hat einen kleinen drei km entfernten Flug- und den neuen Yachthafen Porto Montenegro. Porto Montenegro ist auf dem besten Wege Monte Carlo den Rang abzulaufen; Luxusyachten der Reichen und Schönen liegen hier vor Anker. Er ist der erste hochmoderne Tiefwasser-Yachthafen in der Adria. Natürlich gibt es hier ein buntes & schrilles Nachtleben: ob in Disco‘s, Strandbars, Tavernen oder auch auf einer der (Traum)Yachten – hängt von den Einladungen ab.

Früh morgens – nach einer Schiffsparty noch schnell ein wenig ausruhen, um für den nächsten Tag mit vollem Programm gewappnet zu sein.

Auf nach Kotor, Njegos & Cetinje. Kotor ist eingebuchtet in die Bucht von Kotor; die herausragende Bucht ist der südlichste Fjord Europas; hier legen viele Kreuzschiffe jährlich an; nach dem Erdbeben wurde es von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Stadtrundgang beispielsweise: beginnend beim Stadttor gegenüber dem Hafen (Seetor) ist das der Zugang in die Altstadt – ein ca. 5 m langer gewölbte Gang führt vom Stadttor zum größten Platz der Altstadt, den Waffenplatz (früher wurden hier Urteile vollstreckt – heute gibt’s Freilichtkonzerte) und weiter zum Uhrturm – das Symbol Kotors, dem Pranger, zum Alten Rathaus und der Paläste Bizanti sowie Beskuca. Schlendernd durch enge Gässchen gelangt man zur Kathedrale Svet Triphon (Schutzheiliger der Altstadt Kotor). Der Bischofsplatz neben der Kirche ist heute noch Residenz des Bischofs. Am Weg kann man das Marinemuseum (Geschichte der Matrosen), den Brunnen Karampana oder das Franziskanerkloster besichtigen. Durchquert man den venezianischen Bogen, gelangt man zur Festung; die 4,5 km lange und 20 m hohe Festungsmauer umschließt die historische Altstadt bis hinauf zum höchsten Punkt der Festung San Giovanni;

Kotor ist aber vor allem bekannt durch seine Katzen: es gibt ein eigenes Katzenmuseum! Erzählt wird, daß die Miezen die Stadt einst vor der Pest gerettet haben! (Die Idee für ein Museum entstand durch die Spende einer Gemäldesammlung der Gräfin Francesca di Montreale Mantica).

Weiterfahrt zum Njegos Museum – dem Leben der Petrovic gewidmet;

zu sehen u.a. ein Billardtisch von Petar II oder die Reliefkarte Montenegros (dreidimensionale Darstellung); das Museum ist gegenüber dem Kloster von Centinje.

In der historischen Hauptstadt Centinje befinden sich alle wichtigen Museen – es ist das spirituell, kulturelle sowie historische Zentrum Montenegros – für Besucher erholsam, denn die Stadt wirkt ein wenig wie im Dornröschenschlaf – vielleicht weil es in den Bergen liegt?

Zu sehen: u.a.  Sarkophage: die letzte Ruhestätte der königlichen Familie (Ivan Crnojevic & König Nikola I samt Königin Milena) in einer kleinen steinernen Schloßkapelle, der königliche Palast mit Museum, das ethnografische und National-Museum, das blaue Schloß, die Kirche Sv. Vlah (älteste Bauwerk Montenegros) oder das eindrucksvolle Kloster Cetinje. Ein Muß für Kreuzritter-Interessierte. Im Kloster Manastir werden heilige Reliquien aufbewahrt u.a. die (Mumien)Hand Johannes des Täufers mit dem ausgestreckten Mittel- und Zeigefinger, zwei Splitter des Jesus-Kreuzes oder der Brustkorb des Heiligen Sventi Petar im Kirchenschiff; außerdem sieht man eine kleine wertvolle kleine Bibliothek und die Schatzkammer.

Im Eiltempo geht es weiter nach Budva und zu den meistbesuchten Badeorten. Die Stadt ist das Herzstück des montenegrinischen Tourismus. Die Altstadt liegt auf einer Halbinsel mit felsigem Untergrund (stari grad); sie zieht viele Touristen von Jung bis Junggebliebene an – da sie unmittelbar am Meer liegt. DJ, Livemusik und Konzerte stehen auf der Tagesordnung und machen die Stadt pulsierend.

Sehenswertes: u.a. die mittelalterliche Stadtmauer, Yachthafen, See- und Landtor, die Kirchen des Hl. Johannes des Täufers und der Dreifaltigkeit, Openair-Bühne, die Strände, Zitadelle, Schiffs- und Stadtmuseum. Restaurants, Boutiquen, Souvenirläden, Läden sowie Bars runden den Besuch in Budva ab.

Zurück zum Hotel – ein wenig relaxen im Pool, um sich auf die letzten Tage in Montenegro vorzubereiten.

Ausgeruht in aller herrgottsfrüh geht die Fahrt nach Zablija zum Ethno Dorf Nevidio Neben einem großen Garten bietet das Dorf Nevidio Bungalows zur Selbstverpflegung an. Das sehenswerte Holz/Steinhäuser-Dorf befindet sich im Piva Gebiet auf dem Weg nach Scepan Polje und Sarajevo, 30 km von Niksic und ca. 60 min. von Zablak entfernt. Ideal für Wander-, Fahrrad- oder Motorbike-Gruppen aber auch für Familien. Die höchste Siedlung – auf 1.450m Höhe gelegen – in Südosteuropa. Diese idyllische Stadt liegt im Nationalpark Durmitor. Nach Besichtigung des Dorfes samt See – genehmigen wir uns noch schnell einen Imbiß im Bungalow-Restaurant und dann Weiterfahrt zum  (crno jezero) 49m tiefen Schwarzen See (Gletschersee). Er liegt im Nationalpark Durmitor auf 1.400 m Höhe und teilt sich in zwei Seen (veliko jezero+malo jezero); 2.278m ragt das runde Felsmassiv Meded grandios in den Himmel;  ähnelt ein wenig dem Grünen See in Österreich.

Eines der Highlights des heutigen Tages ist wohl die Fahrt zur 350 m langen Tarabrücke. Die größte Schlucht Europas, die Taraschlucht, deren Wände über 1.500 Meter in den Himmel ragen; nach dem Grand Canyon ist das der tiefste Gebirgseinschnitt weltweit. Die Schlucht zieht sich über 90 km bis Scepan polje mit einer Tiefe von 1.300 Meter.  Der längste Fluß des Landes, die wilde Tara (158 km) oder „Träne Europas“ ist UNESCO Welterbe. Die 350 Meter lange und 1946 wieder aufgebaute Stahlbetonbogenbrücke Durdevica Tara-Brücke ist ein gekrümmtes Bauwerk in einer Höhe von 785 m ü.d.M. Übrigens hat man von der Brücke einen atemberaubenden Ausblick auf die Schlucht.

Will man die Tara von einem zum anderen Ufer überqueren, kann man das ganz spektakulär machen – nämlich mit zipline; „Sause-Abenteuer pur“ ist angesagt!

Das letzte Ziel dieser interessanten Reise führt tief ins Herz der Bergwelt zur wichtigsten Pilgerstätte und spektakulärsten Sakralanlage in ganz Montenegro – ins serbisch orthodoxe Felsenkloster Ostrog. Erbaut 1665 als religiöse Stätte aber auch Zufluchtsort und Festung im Kampf gegen die Osmanen.

Jährlich besuchen fast eine Million Touristen, Einheimische und Pilger dieses Heiligtum, um sich vor den Gebeinen des Hl. Vasilje dem Wundertäter zu verneigen und Gesundheit zu erbitten aber auch anschließend einen dünnen gelben Wachsstab in der Kirche anzuzünden, der dann einen Wusch erfüllen soll.

Schon von weitem erkennt man das weiße Kloster im Felsen – der ältere Teil des oberen Klosters in 900m Höhe-  das in einem senkrechten Felsen hineingebaut wurde.

Zu sehen ist ein oberes und unteres Kloster; der obere und älteste Teil hat zwei Kirchen, die in den Höhlen erbaut wurden. Eines der Gotteshäuser beinhaltet die Überreste des Hl. Vasilje – hier fand er auch seine Ruhestätte; im unteren Kloster befindet sich eine Herberge & Religionsschule sowie die Dreifaltigkeitskirche.

Legenden ranken sich ums Kloster: einerseits eine Weinrebe, die aus dem Felsen wächst, an dem Ort, wo der Heilige verstarb; Vasiljes Körper wurde nach seinem Tod unversehrt – nach sieben Jahren – aufgefunden. Andererseits soll der Hl. Vasilje dem Iman im Traum erschienen sein und seither ist Grabhöhle für die Besucher geöffnet oder eine Bombe sollte das Kloster treffen, explodierte nicht sondern zerbrach nur in zwei Teile; solch Ereignisse zeugen Beweis genug für Gläubigen, daß Vasilije ein Heiliger ist!

Für mich war der Besuch dieses Ortes und des Klosters ein spiritueller Einblick in die Welt der Einheimischen und die Erkenntnis, daß der Glaube Berge versetzt.

Abgeholt vom Shuttle gings noch in die Hauptstadt von Podgorica früher Titograd um uns noch ein wenig umzusehen; die Stadt ist dreigeteilt die Neustadt Novi Grad, das Innenstadtzentrum und der älteste Stadtteil Stari Varosi ein verwinkeltes moslemisches Viertel;

Sehenswertes: u.a. Gradski Muzej, Karadordev & Njegosev Park, Timberland, Georgskirche, Reste der alten türkischen Stadtmauer und türkische Viertel oder der alte Wehr- und Wachturm.

Müde und abgespannt von den vielen Eindrücken geht es in die Herberge – den der Abflug naht – leider war die Zeit viel zu kurz für dieses geheimnisvolle Land am Balkan.

Fazit: Wer nach Montenegro kommt, wird mit einzigartigen Erlebnissen konfrontiert – man kann noch Vieles entdecken, lernt die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Einheimischen kennen oder relaxt auf einem der goldenen Traumstrände; all diese bleibenden Eindrücke machen das Land unvergeßlich und als die REISEDESTINATION aus!

Hier fühlt man sich sicher und wohl – in einem Land – wo „wilde Schönheit und Geheimnisse“ – entdeckt werden können. Ich habe mein Herz an die „schwarzen Berge“ verloren! Montenegro wir kommen wieder!

Die Montenegro Dokumentation aus dem SAT.1 Reisemagazin „Grenzenlos – die Welt entdecken“

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Fotos: ifpa/R.Flucke

 

 

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

1 Kommentar

  • aufgrund Ihrer Reisestory werden wir, eine Motorradgruppe dort einmal urlauben; ich bin immer fasziniert über Ihre lustigen und offenen Berichte; mir gefällt auch, dass Sie Interessantes schreiben was den Leser interessiert; auch die Bilder sind klasse – da kann man sich Einiges vorstellen; freue mich schon auf die nächsten Geschichten – klasse endlich einmal ein Magazin, dass tolle Reisegeschichten zu bieten hat und auch Fotos dazu

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