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Marquartstein heuer Turnpoint in den Red Bull X-Alps

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Gleitschirmflieger-Wettbewerb zieht weltweite Aufmerksamkeit ins Achental –  Im Juni dieses Jahres wird die Achental Gemeinde Marquartstein im Fokus der Fliegerwelt stehen, wenn überall um den Globus Flugsport-Enthusiasten die 10. Auflage des internationalen Gleitschirm-Wettbewerbs Red Bull X-Alps an den Bildschirmen verfolgen. 33 Weltklasseathleten – darunter drei Frauen – aus 17 Nationen liefern sich ausschließlich zu Fuß und mit dem Gleitschirm ein mindestens 1238 km weites Rennen durch die Alpen. Und wer das gewinnen will, den führt seine Route nach Marquartstein zum Turnpoint Chiemgau-Achental. An diesem Pflicht-Wendepunkt beweisen die Athleten mit einer Unterschrift ihre Ankunft.

Red Bull X-Alps – Die Red Bull X-Alps gelten als eines der härtesten Abenteuerrennen der Welt. Für Gleitschirmflieger hat der Wettbewerb den Status einer inoffiziellen Weltmeisterschaft. Seit 2003 findet das Rennen alle zwei Jahre statt. Die Veranstalter laden dazu die weltbesten Gleitschirmflieger ein. Die Sportler bestreiten den Wettkampf ausschließlich mit dem Gleitschirm oder zu Fuß. Da sind erfahrene Piloten und die Rookies, die Nachwuchsstars. Da sind Piloten, die bei nahezu jedem Wetter starten, andere, die ein übermenschliches Laufpensum bewältigen. Ihr Weg führt über imposante Gipfel als Turnpoints bis in den hochalpinen Raum. Um ihr Ziel zu erreichen, müssen die Athletinnen und Athleten Europas höchste Gebirgszüge zwischen dem nördlichen und südlichen Alpenrand mehrmals überqueren. Neben technischer Ausrüstung ist einziges Hilfsmittel der Athleten ihr Supporter, ihr Unterstützer. Der begleitet mit einem Fahrzeug, versorgt seinen Piloten und berät zu Strategie und Wettervorhersage. Mit Spannung verfolgen begeisterte Fans überall in der Welt per Live-Tracking die Sportler, erfahren von ihren Taktiken, Plänen in stündlicher Berichterstattung, sehen Fotos und Videos im Internet. 2019 gewann der Schweizer Christian Maurer das Rennen zum sechsten Mal in Folge. Auf der von ihm gewählten, 1979 Kilometer weiten Strecke legte der Ausnahmeathlet 1559 Kilometer oder 79 Prozent mit dem Gleitschirm zurück und benötigte von Salzburg bis Monaco insgesamt neun Tage, drei Stunden und sechs Minuten.

Neue Herausforderungen – Die jetzige zehnte Ausgabe bringt einen radikalen Bruch mit der Vergangenheit des Wettbewerbs. Dem Start in Salzburg am Sonntag, 20. Juni, geht ein alljährlicher Prolog am Donnerstag, 17. Juni, voraus. Nach dem Salzburger Gaisberg, Wagrain-Kleinarl und Kitzbühl ist Marquartstein der vierte Turnpoint. Überraschend führt die Aufgabe nicht nach Monaco, gaben am 16. März die Initiatoren die diesjährigen Pflichtwegepunkte und Route bekannt. Es wird eine Hin- und Rückfahrt über die Alpen von Salzburg zum Mont Blanc und wieder zurück nach Zell am See in Österreich. Die Athleten durchqueren Deutschland, die Schweiz, Frankreich und Italien. Regeln wie das Passieren der Turnpoints oder die Einhaltung der Ruhepause von 22.30 bis 5.00 Uhr sind festgelegt. Besonderheiten wie eine begrenzte Anzahl Nachtpässe bringen Vorteile und erhöhen die Spannung. Die bedeutsame wie unbekannte Größe im Wettbewerb, das Wetter mit Wind, Regen und Kälte, verlangt Nervenstärke und Physis der Athleten. Kaum ein anderes Rennen fordert ein ähnlich hohes Maß an Fitness und mentaler Stärke. Nicht jeder Athlet wird das Ziel erreichen. Auch wann die Sportler in Marquartstein eintreffen, lässt sich vorab nicht auf die Stunde festlegen. Aschau im Chiemgau war bislang drei Mal einziger Turnpoint in Deutschland auf der europaweiten Route.

Turnpoint Chiemgau-Achental – Heuer sicherte sich die Wirtschaftsregion Chiemgau mit Marquartstein im Achental diese Ehre. Arne Wehrlin, Mitgründer des Marquartsteiner Gleitschirmherstellers Skywalk ist begeistert: „Das gerade zu unserem 20-jährigen Firmenjubiläum der Standort in diesem einzigartigen Race offizieller Turnpoint ist und somit im Fokus aller steht, die sich unserem Sport verschreiben, ist ein wunderbares Geburtstagsgeschenk.“ Dr. Birgit Seeholzer, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung für den Landkreis Traunstein: „Wir sind sehr stolz darauf, eine international viel beachtete Sportveranstaltung der Extraklasse zu uns zu holen.“ Den Erfolg schreibt sie mit den Unternehmen des Wirtschaftsstandortes Chiemgau wie der Firma Skywalk zu. Die stehen für „Arbeitsplätze für qualifizierte Fachkräfte und sind Visitenkarte für Innovation und „german engineering““ Andreas Scheck, Bürgermeister von Marquartstein und Vorsitzender des Verwaltungsrates des Achental Tourismus, erklärt: „Als begeisterter Gleitschirmflieger ist es mir ein besonderes Vergnügen und eine Ehre zugleich, 33 Ausnahmesportler und ihre Supporter bei uns in Empfang nehmen zu dürfen. Unser Tal ist dem Gleitschirm-Sport eng verbunden und wir sind sehr glücklich, als Destination an diesem Rennen beteiligt zu sein.“

Um den Turnpoint plant der Achental Tourismus in Marquartstein gemeinsam mit Skywalk und Salewa ein Programm für die Teams und Besucher der Veranstaltung. Thomas Aichner, Marketing Director bei SALEWA, erwartet: „Dieser Event ist eine großartige Gelegenheit, um das Thema „Hike & Fly – Wandern und Fliegen“ einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Der Sport kommt aus der Nische heraus und motiviert hoffentlich viele Menschen, auch einmal das Gleitschirmfliegen zu probieren. Zudem ist das Red Bull X-Alps ein Wettkampf, bei dem die Teilnehmer eine große Strecke aus eigenen Kräften bewältigen. Wir finden, dass dieser Ansatz sehr zeitgemäß ist und Menschen motivieren kann, ihren Urlaub im eigenen Hinterland zu Fuß, mit dem Rad oder eben mit dem Gleitschirm zu gestalten.“ Die Zuschauer können die Sportler begrüßen und vor Ort den weiteren Rennverlauf verfolgen. „Mit dieser großartigen Veranstaltung werden wir weit über die Grenzen des Freistaates Aufmerksamkeit für das Achental generieren und die Ausnahmesportler – sofern es die Umstände zulassen – mit einem Fest für Einheimische und Gäste ehren“, kündigte Elisabeth Keihl, Vorstand Achental Tourismus, an.

Bericht: Ludwig Flug – Foto: Zooom – Ein X-Alps Gleitschirm über der Kampenwand mit Aschau im Hintergrund.

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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