Interview zur Verfügung gestellt vom Bayernbund, entnommen der Weiß-Blauen Rundschau: Der Malteserorden wurde vor über 900 Jahren im Heiligen Land gegründet und ist heute eine große internationale Organisation, die weltweit karitativ tätig ist. Bayernbund-Landesvorsitzender Sebastian Friesinger und Redakteur Fritz Lutzenberger sprachen mit Dr. Erich Prinz von Lobkowicz, dem Präsidenten der Deutschen Assoziation des Souveränen Malteser Ritterordens.

Frage: Durchlaucht, die meisten Menschen in Deutschland kennen den Namen des Malteserordens, wissen aber kaum etwas über den Orden selbst. Wie lässt sich diese völkerrechtlich selbständige Organisation am besten beschreiben?

Bewahrung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen ist das Motto des Malteserordens, der vor 900 Jahren sein erstes Hospital in Jerusalem gründete. Sein weiterer Weg führte über Rhodos und Malta jeweils als Landesherr. Diese Rolle als Souverän wurde schon auf dem Wiener Kongress bestätigt und hat bis heute Bestand.

Die Malteser hießen ursprünglich Johanniter. Erst 1530 bestätigte Kaiser Karl V., der ihnen Malta als Lehen überließ (daher der Name), ihre Souveränität. Diplomatische Beziehungen bestehen zu über 100 Ländern, darunter auch Deutschland.

Frage: Bekannt ist der Orden auch durch die Begleitung der Pilgerfahrten nach Lourdes. Was hat es damit auf sich?

Lourdes ist der Kristallisationspunkt des Ordens. 1945 durften Deutsche nicht ins Ausland reisen. Pilgerfahrten waren eine Ausnahme. Philipp von Boeselager brachte Sterbenskranke zur Mutter Gottes nach Lourdes. Beim dritten Mal gab es ein unerklärliches Wunder: ein sterbenskrankes Mädchen kam geheilt aus den Bädern. Seitdem und bis heute pilgert der ganze Orden über die erste Maiwoche nach Lourdes. Heute kommen 4.000 Kranke mit 4.000 Malteserhelfern aus der ganzen Welt. Aus Deutschland kommen 14 weitere Krankenpilgerzüge aus allen Diözesen.

Frage: Wie viele Mitglieder hat der Malteserorden heute und wie steht es um die Entwicklung in der Zukunft?

Der Orden hat heute 13.800 Mitglieder, von denen nur 50 voll in den evangelischen Räten leben und das Gelübde zu Keuschheit, Armut und Gehorsam abgelegt haben. 600 weitere haben ein Gehorsamsversprechen abgelegt.

Der Orden wächst und gedeiht auf der ganzen Welt. Die neuesten Assoziationen sind in Südkorea und Hongkong gegründet worden.

Frage: Der Malteserorden ist auf der ganzen Welt vertreten. In Deutschland arbeiten 30.000 hauptamtliche und 50.000 ehrenamtliche Mitarbeiter in Einrichtungen des Rettungsdienstes, der Katastrophenhilfe, in Krankenhäusern, in der Altenhilfe, der ambulanten Pflege, des Hospizdienstes der Flüchtlingsbetreuung sowie der Jugend- und Suchthilfe. Geben Sie doch bitte unseren Leserinnen und Lesern eine kurze Zusammenfassung des Wirkens der Malteser.

Alle Werke des Malteserordens schauen nach den Nöten ihrer Zeit und wie sie den Menschen nahe sein können. Heute zum Beispiel sind gute katholische Schulen ein echtes Notstandsgebiet. Nach langem Zögern haben die Malteser diese Not aufgegriffen und betreiben heute vier große Gymnasien. Immer neue Dienste entstehen, dafür verabschieden wir uns aus Diensten, die gut und christlich auch ohne den Malteserorden geleistet werden.

Frage: Auf den Tätigkeitsfeldern des Malteserordens waren in den letzten Jahren zwei Krisen von herausragender Bedeutung auch in politischer Hinsicht. 2015 waren die Malteser stark gefordert in der Flüchtlingskrise und jetzt natürlich in der Coronakrise. Wie stellt sich aktuell das staatliche Corona-Krisenmanagement aus Sicht Ihrer Hilfsorganisation dar? Hat sich die restriktive Haltung der Bayerischen Staatsregierung bewährt? Hat es Fehler gegeben?

Traditionell haben die Malteser immer schon in der Flüchtlingsbetreuung mitgewirkt. Zwischen den 1990er Jahren und 2015 waren zu machen Zeiten nur die stationären Einrichtungen der Malteser in Betrieb. Beginnend ab dem Jahr 2000 wurden jährlich 30.000 bis 40.000 Flüchtlinge und auch Übersiedler integriert. 2013/2014 haben die Malteser mehr als die Hälfte der Migranten integriert.

Jetzt in der Coronakrise ist der Malteser Hilfsdienst beim Testing auch an den Grenzen eingesetzt.

Deutschland ist das einzige Land in der Europäischen Union, das in allen Branchen über abgestimmte Pandemiepläne verfügt. Nicht zuletzt deshalb ist auch der wirtschaftliche Einbruch im Vergleich zu den Nachbarländern relativ gering.

Insgesamt hat die bayerische Staatsregierung das gut gemacht.

Durch den Ausfall von Diensten sind uns 20 Millionen Euro Einnahmeverluste entstanden. Die Malteser erhalten als bundesweite Organisation vom Bund keine Zuschüsse.

Außerdem sitzen wir auf einem hohen Bestand an Masken. In unseren Einrichtungen haben wir 850 Betten für Coronapatienten bereitgestellt, von denen aber nur 60 in Anspruch genommen wurden.

Frage: Welche Erfahrungen haben die Malteser in der Coronakrise gesammelt?

Krisen wie Pandemien sind für Hilfsorganisationen der Prüfstein, ob sie genug geübt haben. Die Bundesrepublik Deutschland hält alle zwei Jahre eine große Pandemieübung ab.

Frage: Welche Lehren ziehen Sie daraus für die Zukunft?

Man kann nie genug üben. Die Gemeinschaft in der Hilfsorganisation muss vor der Krise eingeübt sein.

Frage: Nicht zuletzt mit den verheerenden Bränden des Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos rückt die Frage, wie sich Deutschland, wie sich Europa gegenüber den geflüchteten Menschen aus Krisengebieten verhält, wieder in den Blickwinkel.

Die Erfahrungen aus der Flüchtlingskrise 2015 wurden bei der Auswahl von 1.500 wehrlosen Frauen und Kindern optimal umgesetzt.

Durchlaucht, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben.

Interessierte Leser finden vertiefende Informationen auch im Internet unter www.malteser.de oder www.malteser-international.org/de.html

„Die beste Verteidigung des Glaubens besteht in der Liebe“ (Benedikt XVI.)

Interview: Landesvorsitzender Sebastian Friesinger und Redakteur Fritz Lutzenberger vom Bayernbund (Weiß-Blaue Rundschau)  –   www.bayernbund.de

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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