Leitartikel

Gedanken zum Allerwelts-Kirchweih-Fest

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„A lustiga Kirta, der dauert drei Tog …“ – Gedanken zum Kirchweihfest von Ernst Schusser – Volksmusikpfleger vom Landkreis Rosenheim

Am Sonntag, 17. Oktober ist wieder Kirchweih-Sonntag. Das Kirchweihfest ist ein hoher Festtag innerhalb des Kirchenjahres und hat zudem eine ganz lange Tradition für die bäuerliche und allgemeine Gesellschaft. Ernst Schusser, langjähriger Leiter vom Volksmusikarchiv des Bezirkes Oberbayern in Bruckmühl und nunmehriger Volksmusiskpfleger für den Landkreis Rosenheim stellt seine persönlichen Kirchweih- und Kirta-Erfahrungen wie folgt zusammen und zur Verfügung – und lädt zum Mitsingen am Montag, 11. Oktober in Oberholzham bei Bruckmühl ein. 

Gerade im vergangenen Corona-Jahr 2o2o haben wir erfahren, was den Menschen auf dem Land und in den Märkten und kleinen Städten der „Kirta“, das Kirchweihfest am 3.Sonntag im Oktober bedeutet. Alle größeren Zusammenkünfte mit Volksfestcharakter waren ja verboten und mancherorts ist bis heute der „Allerweltskirta“ im Oktober ein solches Fest. In Orten und Pfarreien, wo keine Kichweihfeste am jeweiligen Gedenktag des Kirchenpatrons und der Kirchenweihe gefeiert werden, ist das Kirchweihfest im Oktober fester Bestandteil der Jahresbräuche – eine Verbindung von religiöser Grundlage und darauf aufbauenden weltlichen Freuden. Auf die kirchliche Dimension möchte ich hier nicht besonders eingehen – in der Reihe „Das geistliche Volkslied das Jahr hindurch haben wir umfangreiche Materialien dazu erarbeitet. Mancherorts hat das (weltliche) Fest sehr familiären Charakter, man trifft sich zum Ratschen, Essen und Trinken im Familien- und Freundeskreis. Oft kommen die Familien in Bauernhöfen zusammen, aus denen die Leute stammen und von denen sie hinausgezogen sind „in die Welt“ aus beruflichen oder persönlichen Gründen. Andernorts begeht man festliche Freuden in Gasthäusern, in Zelten, mit Musik und Unterhaltung.

Als wir mit der „Inntaler Klarinettenmusik“ Ende der 197oer Jahre zu spielen begannen, bei Volkstänzen und Dorfunterhaltungen, bei Hochzeiten und anderen geselligen Gelegenheiten, bei denen eine kleine Musikgruppe mit landlerisch-heimatlichen Melodien und Liedern zum Mitsingen gefragt war – da stellten wir fest, dass der Kirta als geselliges Treffen nicht mehr so verbreitet war. Wir legten bewusst einige Musiziergelegenheiten an das 3. Oktoberwochenende und begannen ganz bescheiden: Bei meinen Eltern auf der Hausbank in Bruckmühl spielten wir unsere „Kirta-Landler“, die alten Schottischen und Polkas, Mazurka und „Halb-Walzer“, die wir damals jugendlichen Musikanten aus den alten Handschriften der früheren Musikanten im Mangfalltal herausgesucht und abgeschrieben haben. Die ersten Landlerbücher hatte ich vom „Wagner“ von Kirchdorf a.H. bekommen – und der alte „Wagner Babist“ hat mir ausgiebig von der Kirta-Musi auf den Bauerndörfern erzählt. Diese Stimmung und Unterhaltung wollten auch wir wieder ganz neu erleben.

So spielten wir am Freitag, Samstag, Sonntag-Nachmittag am Kirtawochenende für unsere Freunde und Bekannten vor allem im Landkreis Rosenheim zum Volkstanz und zur Kirta-Unterhaltung auf. Und dann erweckten wir den vielerorts „eingeschlafenen“ Kirchweihmontag zu neuem alten Leben: Im Bauernhausmuseum Amerang, angeregt durch Johann Stöttner, haben wir in den ersten Jahren ab 14 Uhr aufgespielt, natürlich im kleinen Kreis, denn es war noch nicht üblich am Kirchweihmontag einen „halben Feiertag“ einzulegen. Ich kannte die Kirtamusi am Montag in Elbach im Leitzachtal und in anderen Orten, wo noch die jungen Leute den Kirta feierten. Schnell wurde auch unser Kirtamontag im Bauernhausmuseum Amerang ein „Geheimtipp“, später mit Ankündigung im Museumsprogramm und den Zeitungen. Bis zur Corona-Krise trafen sich seither im Bernöderhof des Museums hunderte von Leuten, die „Isengau-Musikanten“ spielten in den letzten Jahren auf, gemeinsam wurden gesellige Lieder angestimmt, der Förderverein für das Volksmusikarchiv verkaufte „Kirchweihherzen“ aus Lebkuchen mit Liedzitaten und farbigen Bildern drauf. Besonders bei den Familien mit Kindern kamen die Herzen gut an – und natürlich das gemeinsame Singen lustiger Lieder mit Oma und Opa, Mama und Papa. Der Kirchweihmontag war für viele wieder ein halber Feiertag, an dem man bewusst gemütliche Unterhaltung nach überlieferter Weise suchte. Mittlerweile gibt es in vielen Orten z.B. von Trachtenvereinen schöne Angebote am Kirchweihmontag, wie z.B. in Bruckmühl – wunderbar und hoffentlich auch zukünftig ohne die Absagen und Einschränkungen wie im Corona-Jahr 2o2o.

Vielleicht schauen Sie in der Tagespresse nach, wo es heuer eine Kirta-Unterhaltung gibt. Essen und Trinken, Ratschen und gemeinsames generationenübergreifendes Feiern hält Leib und Seele zusammen, fördert die menschliche Gemeinschaft und die soziale Gesellschaft Dafür steht gerade auch das Kirchweihfest.

Bericht: Ernst Schusser – email:  ernst.schusser@heimatpfleger.bayern

„A lustiga Kirta dauert bis zum Irta, und wann sa se tuat schicka, dauert er bis zum Migga!“

Fotos: Hötzelsperger / Nitzsche  – Eindrücke vom Kirchweihleben

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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