Kirche

Am Grab der Priener Persönlichkeit Adolf Ziereis

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Im gesegneten Alter von 92 Jahren verstarb der Priener Sanitär- und Heizungsbaumeister Adolf Ziereis. Bei der Trauerfeier in der Pfarrkirche „Maria Himmelfahrt“ erinnerte Gemeindereferent Werner Hofmann an das ausgefüllte Leben des Verstorbenen, dessen Liebe und Engagement ganz seiner Familie, seinem Beruf und seiner Heimatgemeinde galt.

Mit 14 Geschwistern – so Werner Hofmann zu Beginn des Lebenslaufes – wuchs Adolf Ziereis auf einem kleinen Bauernhof in Guteneck in der Oberpfalz auf. Bereits im Alter von 8 Jahren verlor er seinen Vater und so musste seine Mutter mit 15 Kindern um das Fortkommen der Familie und des heute noch bestehenden Bauernhofes schauen.   Und mit 12 Jahren kam –wie es zu damaliger Zeit bei große Familien üblich war – der junge Adolf in den Dienst von anderen bäuerlichen Betrieben. Mit 15 Jahren begann er eine Lehre als Heizungsbauer und mit 16 Jahren musste er zum Reichsarbeitsdienst und zur Wehrmacht. Als er aus der amerikanischen Gefangenschaft   floh wurde er auf seinem 385 Kilometer langen Weg nach Hause von einem amerikanischen Soldaten aufgegriffen, dazu Werner Hofmann: „Als der Amerikaner Adolf aufhielt und untersuchte erkannte er am Unterhemd, dass er deutscher Soldat ist. Aber da er sehr jung war, sagte er nur `Boy, go home!` – und so konnte er an seinem 17. Geburtstag in die Arme seiner Mutter fallen“. Wieder zu Hause, setzte er seine Lehre fort, es begannen berufliche Wanderjahre und Adolf Ziereis schaffte den Meister- und Technikerabschluss in Karlsruhe.

1958 ehelichte er seine Frau Gisela und gemeinsam zogen sie nach Prien, übernahm die Firma Lampersberger und machte sich selbstständig. In Prien war Ziereis mit seiner Firma ein Vorreiter auf dem Gebiet der Solarenergie und er stellte sein Fachwissen auch der Innung Sanitär, Heizung und Klimatechnik in Rosenheim als Vorsitzender der Prüfungskommission Sanitär zur Verfügung. Wie Josef Gantner als sein Nachfolger als Prüfungsausschuß-Vorsitzender und Vorstandschaftsmitglied in seinem Nachruf dankbar erinnerte, trug Adolf Ziereis von 1975 bis 1991 Verantwortung für den Berufs-Nachwuchs. Über 400 Gesellenbriefe wurden von ihm mit seiner Unterschrift übergeben. „Der Beruf und der Nachwuchs waren Adolf Ziereis ans Herz gewachsen“ – so Josef Gantner zu den ehrenamtlichen Tätigkeiten des Verstorbenen. Im Priener Vereinsleben war er   besonders beim Segel-Club Prien SCPC tätig. „Kurz nachdem er 1983 dem Verein beitrat, übernahm er das Amt des Präsidenten und er führte den Verein aus der damaligen Krise in wieder ruhigeres Gewässer. In seine Zeit fielen unter anderem die Aktivierung der Jugendarbeit sowie die Clubheim-Sanierung in enger Abstimmung mit dem damaligen Bürgermeister Lorenz Kollmannsberger und dem Sportreferenten Georg Dingler“ – so der SCPC-Vorsitzende. Rudi Holthausen als Hauptmann der Priener Gebirgsschützen erinnerte daran, dass Adolf Ziereis 1961 bei der Wiedergründung Mitglied wurde und dass er drei Jahre lang bis 1964 Oberleutnant und Hauptmann-Stellvertreter war. Für seine Verdienste zugunsten der Kompanie und des Spielmannszuges wurde er mit der Goldenen Verdienst-Medaille der Kompanie ausgezeichnet. 48 Jahre lang ab 1973 war Adolf Ziereis der Soldaten- und Kriegerkameradschaft Prien treu verbunden, dafür dankte dem ehemaligen, in der Tschecheslowakei eingesetzten Pionier der Priener Veteranen-Vorstand Georg Fischer mit einem herzlichen „Vergelt´s Gott“. Die Trauerfeier in der Priener Pfarrkirche wurde mit Saitenmusik von Brigitte Buckl und Heidi Martl musikalisch gestaltet. Vielen Priener wird Adolf Ziereis noch lange in Erinnerung bleiben, weil er vor 13 Jahren im März 2008 zusammen mit seiner Frau Gisela für die Fußgängerzone in der Bahnhofstraße die Figur „Der neue Adam“ von Prof. Heinrich Kirchner spendierte. Um das geliebte Familien-Oberhaupt trauern neben seiner Frau Gisela   vier  Kinder,  elf  Enkel und ein Urenkel.

Fotos: 1. Sterbefoto Adolf Ziereis –  2. Trauerfeier in der Pfarrkirche Prien mit Bild von Adolf Ziereis. 3. Adolf Ziereis 2008 bei der Spende der Prof.-Kirchner-Figur „Der neue Adam“.

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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