Leitartikel

Wildenwarter Weihnachts- und Prinzessinnen-Erinnerungen

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

So einfach wie sie lebte, so einfach feierte sie auch Weihnachten auf Schloss Wildenwart“ –  gemeint ist damit Prinzessin Helmtrud von Bayern, die als zuletzt verstorbene Königstochter von Ludwig III. in Wildenwart lebte und dort auch ihre letzte Ruhestätte fand. An die 1977 im Alter von 91 Jahren verstorbene Adelige erinnert sich noch sehr gut Rosa Bohrer vom „Schmied-Anwesen“ in Wildenwart. Rosa Bohrer, selbst bald 90 Jahre alt, ist mit den Töchtern Berta und Rosa von der Schlosswirtschafts-Pächter-Familie Geisberger aufgewachsen und war somit als Kind viel im Schloss unterwegs.

„Weihnachten war ganz einfach, Prinzessin Helmtrud, die nach dem Tod ihrer Schwester Hildegard im Jahr 1948 alleine im Schloss Wildenwart lebte, feierte mit einem Christbaum aus dem eigenen Wald nur mit ihren Bediensteten. Das waren als Hausdame Baronin von Wulffen, die Köchin Hilde, die Zofe Frau Rögner und die Beschließerin Mina“ – erinnert sich Rosa Bohrer. Der große Christbaum war der Mittelpunkt im ansonsten ruhigen weihnachtlichen Geschehen. Die „Hoheit“, wie Prinzessin Helmtrud von den Wildenwartern liebevoll genannt wurde, bewohnte im Südflügel den ersten Stock des Schlosses, ein weitaus größerer und schönerer Raum mit einem herrlichen Deckengemälde im zweiten Stock war besonderen Anlässen vorbehalten. Eine weitere Erinnerung von Rosa Bohrer ist: „Einmal an Weihnachten, als Prinzessin Hildegard Geburtstag hatte, wurde im Schloss gefeiert. Die Feier organisierte eine Frau Niedermayer, für uns Dirndl wurden Engel-Gewänder genäht, die Buam waren Zwerge und es war sehr fröhlich“. Die Kinder der Schlosswirtsfamilie und vom Dorf waren viel und gerne im Schloss, unter anderem auch deswegen, weil eine Schloss-Dame, die Baronin Guttl („Eine feine, kleine und buckelige Frau“) den Kindern Geschichten vorlas. Im Schloss war bis zum Jahr 1934 (als mit Hilfe des Königshauses und mit Unterstützung von Prinzessin Helmtrud auf einem nahen Hügel die Gedächtniskirche „Christkönig“ erbaut wurde) auch eine Schlosskapelle. Oft waren dort Frühmessen und da die Gottesdienste in der Regel nur im Sommer für die Wildenwarter zugänglich waren, mussten diese oft den weiten Kirchenweg nach Prien antreten. „Die Kapelle war viel zu klein, die Gläubigen mussten oft auf der Brücke stehen und beten und so war es für die Wildenwarter ein Segen, dass trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten und mit Hilfe eines Kirchenbauvereins die Kirche von Wildenwart gebaut werden konnte. Der Grund wurde von unserer Schmied-Familie zur Verfügung gestellt“ – so Rosa Bohrer in ihren Erzählungen.

„Ihre Hoheit – eine leutselige Frau“

Auch Maria Riesinger, die zusammen mit ihrem Mann Franz über 30 Jahre lang Pächterin der Schlosswirtschaft war (diese gehörte urkundlich seit 1536 zum Schloss dazu) denkt noch gerne an die Zeit zurück, als Prinzessin Helmtrud in der dunkel vertäfelten Gaststube einkehrte. „Die Prinzessin war eine sehr sparsame Frau, sie war keineswegs pompös wie man es von einer Adeligen erwarten hätte können. Im Gegenteil, sie zeigte Interesse am Dorfleben, ratschte gerne  mit den Leuten und sie besuchte auch regelmäßig die Theatervorstellung vom Wildenwarter Trachtenverein im Saal der Schlosswirtschaft“ – so Maria Riesinger. Die Einfachheit „Ihrer Hoheit“ weiß auch Rosa Bohrer für den Vater der Prinzessin, König Ludwig III. zu bestätigen. So zeigte der König bis zur Revolution zu  Zeiten als er in Wildenwart Aufenthalt hatte, auch Interesse an den Menschen im Dorf. Bei der Hochzeit von Rosa Bohrer Vaters Josef Anner gratulierte er persönlich und er schenkte eine kleine Statue. Prinzessin Helmtrud brachte bei den drei Geburten von Rosa Bohrer´s Kindern immer einen Kuchen beim traditionellen Waisen.  Zum Schloss Wildenwart gehörte auch ein Gut mit zuweilen 36 Kühen und dazu noch auch noch der Bauernhof in Mönibuch. Die Landwirtschaft war König Ludwig III. ebenso wichtig wie seiner Tochter Helmtrud, bei ihren Spaziergängen zwischen Wildenwart und Mönibuch war es nicht selten, dass sich die Mitglieder der Königsfamilie mit den Leuten unterwegs zu landwirtschaftlichen und dörflichen Themen austauschten.

An die Winters- und Weihnachtszeit erinnert sich Rosa Bohrer auch noch deshalb gut und gerne, weil viel geheizt werden musste. „Risse in den Wänden und kaputte Fensterstöcke sorgten dafür, dass im Wohn- und Schlafzimmer viel zu heizen war, das notwendige Brennholz dafür besorgte 40 Jahre lang Sepp Spiegelberger, der für Hof und Wald in Mönibuch angestellt war“  – so Rosa Bohrer. Aus Erzählungen weiß sie auch, dass Prinzessin Helmtrud sehr wohltätig war. So versandte sie zu Kriegszeiten Päckchen an die Frontsoldaten, sie besuchte Kranke und auch die Kinderheilstätte in Aschau. Wenn sie einen runden Geburtstag feierte, dann freute sich die „Hoheit“ über die Aufwartung der Vertreter von den Wildenwarter Ortsvereinen. Mit der Schlosswirtschaft hatte sie eine besonders enge und regelmäßige Verbindung. „Die Pacht wurde auf Wunsch der Hoheit jedes Monat in bar bezahlt, hierzu wurde vorab mit meinem Mann ein Termin vereinbart und er brachte die Pacht in bar und persönlich zur Prinzessin,  beim Umgang mit dem Geld konnte man ihren edlen Charakter erkennen“ – erinnert sich Maria Riesinger, die auch noch zu berichten weiß, was für die Prinzessin das Lieblingsgericht war, dies waren wegen des einfacheren Essens  frische Chiemseefische als Filet gebraten.

Rosa Bohrer und Maria Riesinger wissen auch noch zu berichten, dass „Ihre Hoheit“ eine regelmäßige Kirchgängerin, sehr gläubig und stets rücksichtsvoll eingestellt war. Dies zeigte sich auch im Umgang mit ihrem Personal, das wie zum Beispiel die Gutsverwalter-Familie Lämmle oder   Fräulein Rögner („Die graue Eminenz“) lange Jahre mit ihrer Arbeit den Schloss-Besitzern treu war.

Die Verbundenheit zwischen den Schloss-Bewohnern und den Wildenwartern ist auch heute noch gut. Die Familie von Herzog Max in Bayern kam nach dem Tod von Prinzessin Helmtrud im Jahr 1977 in den Besitz des Schlosses. Dieses wurde renoviert und 1984 verlegte Herzog Max in Bayern seinen Wohnsitz von Bad Kreuth nach Wildenwart. Fünf Töchter von Herzog Max in Bayern und seiner Gemahlin Herzogin Elizabeth wohnten zuweilen in Wildenwart, heutige Besitzerin ist ihre Königliche Hoheit Prinzessin Elizabeth. Auch sie pflegt wie ihre Eltern und so wie es Prinzessin Helmtrud vorlebte eine freundschaftliche Verbindung mit den Wildenwartern und mit den von ihnen stets unterstützten Ortsvereinen.

Foto/s – Repros : Hötzelsperger

  • Maria Riesinger, langjährige Pächterin der Schlosswirtschaft und Rosa Bohrer (li.) vom „Schmied-Anwesen“ vor Schloss Wildenwart.
  • Erinnerungen aus dem Fotoalbum von Rosa Bohrer
  • Schloss Wildenwart

Foto: Berger/Repro: hö

  • Porträt von Prinzessin Helmtrud

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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