Leitartikel

Rosenheim: Kreis-Ausschuss gegen Resolution für „Wolfsfreien Landkreis“

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Der Wolf hat in der  Sitzung  am 19. Oktober  des vorberatenden Ausschusses für Umweltangelegenheiten, Landwirtschaft, räumliche Entwicklung und Natur- und Klimaschutz sowie Mobilität für Diskussionsstoff gesorgt. Grund war ein Antrag des CSU-Kreisrates Josef Paul zum Verfassen einer Resolution für einen „Wolfsfreien Landkreis“. Mit 7 zu 4 stimmten die Ausschussmitglieder gegen den Antrag und damit auch gegen den Vorschlag der Verwaltung, die Resolution auf den Weg zu bringen. Offen ist noch, wie der Kreistag in seiner Sitzung im Dezember über den Antrag abstimmen wird.   

Mit der Resolution soll bei der EU-Kommission darauf gedrängt werden, eine schadensunabhängige Bestandsregulierung des Wolfes über eine Absenkung des Schutzstatus zu erreichen. Außerdem soll gefordert werden, den Erhaltungszustand grenzüberschreitend zu bewerten sowie ein staatenübergreifendes Monitoring zu etablieren. Die Resolution sollte an die höheren politischen Ebenen wie den Landtag, Bundestag sowie das EU-Parlament geschickt werden. Derzeit ist der Wolf europaweit besonders und streng geschützt und darf nur mit einer Ausnahmegenehmigung der Regierung von Oberbayern entnommen werden.

Wie Josef Paul sagte, hab er den Antrag gestellt, weil die Landwirte spüren, dass sie mit Schutzmaßnahmen nicht weiterkommen. Er wolle die Diskussion zum Wolf von unten nach oben tragen. Der Schutzstatus des Wolfes müsse gelockert oder aufgehoben werden. In Deutschland leben derzeit etwa 1.300 Tiere. „Man kann hier nicht mehr von einer bedrohten Art sprechen, bei jährliche Steigerungszahlen von 30 Prozent.“ Viele Landwirte im Landkreis Rosenheim würden die rapide Zunahme der Wolfspopulation in ganz Deutschland mit großer Sorge beobachten. Paul befürchtet, dass Almbauern ihr Vieh zukünftig nicht mehr auf die Almen treiben und die Weidehaltung einstellen. Dies hätte in vielen Bereichen negative Auswirkungen. Die Beweidung der Flächen beugt Verbuschung vor, sorgt für Artenvielfalt und ist eine Haltungsform, die dem Tierwohl dient. Die geförderten Schutzmaßnahmen durch den Staat wie Zäune oder Herdenschutzhunde bezeichnete er als nicht zielführend. Mit den Zäunen werde die Kulturlandschaft durchschnitten und auch der Lebensraum für Wildtiere massiv eingeschränkt. Herdenschutzhunde müssten aggressiv sein und könnten damit auch zur Gefahr für Wanderer werden, so Paul in seinem Antrag.

Bei der anschließenden Diskussion drehte sich die Frage vor allem um die Sinnhaftigkeit und die Chancen einer solchen Resolution. Wie Alexandra Burgmaier von der SPD sagte, sehe sie keine spezielle Betroffenheit des Landkreises. Anders als beim Brenner-Nordzulauf oder dem Steinbruch in Nußdorf sei hier die Region nicht speziell betroffen. Martina Visser von den Grünen vertrat die Meinung, dass die Natur die Population regele. Sie favorisierte ein Wolfsmanagement ähnlich wie dem Bibermanagement im Landkreis Rosenheim. Außerdem wurde argumentiert, dass im Landkreis Rosenheim aktuell keine Wölfe leben. Das bestätigte auch Quirin Zallinger, Leiter der Abteilung 3 im Landratsamt Rosenheim, zu der auch der Bereich Naturschutz gehört. In den vergangenen zwei Jahren habe es keine bestätigten Fälle von Wolfsrissen im Landkreis Rosenheim gegeben. 2020 gab es die letzte Sichtung eines Wolfes in der Region. Aktuell regelt der „Bayerische Aktionsplan Wolf“ als Managementplan den Umgang mit Wölfen in Bayern. Der Plan wurde vom Bayerischen Landesamt für Umwelt erarbeitet. Die Grundlagen kamen von der Arbeitsgruppe „Wildtiermanagement/Große Beutegreifer“.

Bericht: LRA Rosenheim

Fotos: Informationstafel Landwirtschaftsweg Samerberg

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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