Tourismus

Hohenaschauer Festhalle wird saniert

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Die Arbeiten zur Sanierung der Aschauer Festhalle liegen gut im Zeitplan und können hoffentlich bis Ende März / Anfang April fertig gestellt werden“, berichtete der zweite Bürgermeister Michael Andrelang bei der letzten Gemeinderatssitzung dem Gremium. Nach 125 Jahren ist das eiserne Tragwerk der Halle in die Jahre gekommen, die Säulenträger und Stützen der Konstruktion müssen überprüft und soweit notwendig saniert werden. Nach den Gutachten des Statik-Büros Köppel aus Rosenheim müssen dringend Ertüchtigungsarbeiten am gesamten Tragwerk der alten Cramer-Klettschen Reithalle durchgeführt werden. Die Kosten für die Sanierung übernimmt die Gemeinde Aschau, sie ist als Pächterin für den baulichen Unterhalt zuständig.

Umfangreiche Vorarbeiten waren notwendig, um für die Sanierungs- und Renovierungsarbeiten an die schadhaften, tragenden Bauteile der Eisenkonstruktion heranzukommen. Zunächst musste die Festhalle komplett ausgeräumt werden, die Beschallungs- und Lichttechnik, die Bühnenvorhänge sowie die Beschattungsvorhänge wurden abgebaut. Die hölzerne Reitbande rund um die frühere Reitbahn wurde demontiert, der Boden wurde zum Schutz vor groben Verunreinigungen großflächig abgedeckt. Diese vorbereitenden Arbeiten wurden vom Aschauer Bauhof durchgeführt.

Jede der einzelnen Baustellen an den Säulen im Halleninneren erhielt dazu ein hölzernes Häuschen zum Schutz der Umgebung vor Baustaub, Schleifmaterial und Sand. Die tragenden Teile der Halle, Säulen aus Stahl, wurden aus dem umgebenden Mauerwerk freigelegt. Jetzt konnte erst der genaue Zustand der Säulen festgestellt werden und danach wurden die Notwendigkeit und die Möglichkeiten der Restaurierung festgelegt. Als erster Arbeitsgang wurden die alten Stahlteile mit dem Sandstrahler behandelt und von allen Mörtelteilen und vom Rost der vergangenen 125 Jahre befreit. „Die erste Hälfte der Säulen wurde mittlerweile gestrahlt, grundiert und beschichtet“, so Michael Andrelang. „Die zweite Hälfte kann erst angegangen werden, wenn die ersten Säulen wieder eingemauert sind“. Das ist aus statischen Gründen notwendig. In der Zwischenzeit werden die Knotenpunkte im Firstbereich mechanisch abgeschliffen und dann ebenfalls grundiert und beschichtet.

Der Aschauer Schlossherr, Theodor Freiherr von Cramer-Klett, ließ 1895 auf der Nordseite des Burgberges von Schloss Hohenaschau auf einem Areal von 18000 Quadratmetern eine großräumige Reitanlage mit modernen Stallungen, Wohnräumen für die Bediensteten und ein Ökonomiegebäude errichten. Die Reithalle wurde als Eisenkonstruktion aufgebaut und mit allen notwendigen Einrichtungen der damaligen Zeit versehen. Während des ersten Weltkriegs diente sie als Lazarett.

Wegen des stark zunehmenden Tourismus im Priental stellte Freiherr von Cramer-Klett die Reithalle und ihre Räumlichkeiten 1935 dem Aschauer Verschönerungsverein für Großveranstaltungen zur Verfügung. Die Hohenaschauer Festhalle entwickelte sich schnell zum Zentrum der Brauchtums- und Volksmusikpflege in der Region. Nach dem zweiten Weltkrieg blieb es bei dieser Nutzung; die Gemeinde Aschau pachtete langfristig den Komplex und ließ die Halle und einen Teil der Stallungen und Wohngebäude 1999/2002 behutsam restaurieren und modernisieren. Sie entspricht seither einem Veranstaltungszentrum nach zeitgemäßen Ansprüchen, ohne dabei den noblen historischen Charakter verloren zu haben. Die Festhalle bietet 100 bis 600 Personen Platz, der geräumige Hallenvorplatz bis zu 2000. Die Gesamtfläche der Halle beträgt rund 600 Quadratmeter, die Bühne umfasst 150 Quadratmeter. Zahllose Veranstaltungen haben schon in der Festhalle stattgefunden. Ein herausragendes Ereignis war dabei sicher die Eröffnung der bayerischen Landesausstellung 2008, immer wiederkehrend sind die Heimatabende der Trachtenvereine, die Konzerte der Musikkapelle Aschau, die Faschingsbälle aller Vereine, Veranstaltungen von Theatergruppen aus nah und fern, die alljährliche Versammlung der Jäger des Hegerings und die Jahresversammlungen aller Blaulichtorganisationen, dazu kommen die vielen Privatveranstaltungen wie Hochzeiten und große Geburtstagsfeiern. Bei Großereignissen wie der Kampenwandhistoric für alte Motorräder und den Orientierungsfahrten des ADAC wird auch die Fläche vor der Halle und die Parkplätze miteinbezogen.

Bericht und Bilder: Heinrich Rehberg

Die Aschauer Festhalle wird im Innenbereich saniert, nach 125 Jahren ist das eiserne Tragwerk der Halle in die Jahre gekommen.

Gemeinsame Veranstaltung der Feuerwehr und der Musikkapelle Aschau im Vorjahr vor der Halle

Jedes Jahr treffen sich die Jäger der Hegeringe III bis VI aus dem Landkreis in der Aschauer Festhalle zur Hegeschau

Die Aschauer Festhalle – eine Faschingshochburg im Landkreis

Bei der Eröffnung der Landesausstellung 2008 „Adel in Bayern“ in der Festhalle

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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