Leitartikel

Mit drei Pilotinnen in Uruguay unterwegs

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Im Fliegermagazin las ich, dass es möglich wäre mit Heike Schweigert in Uruguay fliegen zu können. „Das wäre was für mich!“ Im Oktober sprach ich darüber mit Sibylle bei den Alten Adlern und da einigten wir uns, es anzupacken. Sibylle nahm Kontakt zu Heike auf, die ihr schon mal Unterlagen zu Flugroute und Kosten zuschickte, alles hörte sich prima für mich an. Wir entschlossen uns schließlich Ende Februar nach Uruguay zu fliegen, denn ich hatte die Reise zu meinem 80. Geburtstag nach USA und in die Karibik bereits für Dezember/Januar schon gebucht.

Anfang Februar hörte ich  im Radio und im Fernsehen von dem Virus in China, blieb aber guter Dinge, nach Uruguay fliegen zu können. Am 27. Februar ging der Flug mit Iberia von Stuttgart über Madrid mit Zwischenstopp weiter nach Montevideo. Noch daheim, gab es ein kleines Hindernis: das Taxi ist bestellt, es schneit, wir fahren zum Flughafen, da fällt Sibylle ein, dass sie ihren Pass zu Hause vergessen hat, also wieder zurück. Aber dann war der Flug nicht nur lang, sondern auch angenehm. Bevor wir unser Gepäck abholen, besuchen wir die Toilette, Zähne putzen, das Gesicht frisch machen, wir werden abgeholt, alles gut. Sibylle geht zum Automaten um Geld zu ziehen und mir fällt siedend heiß ein, dass ich meine Brille im Waschraum vergessen hatte. Der Begleiter ging mit mir zur Information, die verwies mich zur Polizei im Keller, wir gehen dorthin und oh Freude, ich sehe meine Brille liegen – war ich glücklich. Fahren am wunderschönen Strand nach Montevideo City zum Hotel Balmoral Plaza. Zum  Abendessen  trinken wir erst mal ein Zillertal Landebier. Am 29. Februar (Schaltjahr)  ist ein Radrennen ist in vollem Gange, wir erkunden Stadt, Strand und Markthalle und am Abend treffen wir Heike.

Am Sonntag, 1. März  werden wir von Birgit, der deutschen Reiseleiterin zu einer Stadtführung abgeholt. Ab 14 Uhr ist die Innenstadt gesperrt, die Amtsübernahme des neuen Präsidenten Luis Alberto Lacalle Pou findet statt. Die Gaucho`s vom ganzen Land ziehen durch die Straßen, der Präsident fährt mit seiner Frau im offenen Wagen mit. Viele Menschen, hauptsächlich die Landbevölkerung verspricht sich viel von ihm. Menschenmassen mit Fahnen stehen am Straßenrand, wir mittendrin es gibt kein Drängen, kein Schimpfen, wir fanden einen guten und geschützten Platz.  Am 2. März fahren wir mit Heike  im Taxi zum Flugplatz nach Angel Adami –SUAA, dort erwartet uns ein Deutsch sprechender Fluglehrer, Marcel Hagemann , um mit uns für einen halben Tag die Theorie durchzumachen. Wir knobeln, Sibylle fängt mit dem Checkflug an, Landung auf dem Flughafen Montevideo Carrasco-SUMU und zurück, den gleichen Flug mache ich, eine große Maschine landet vor mir. Zurück am Platz treffen wir den Flugschulinhaber Fabian Scavone von dem Heike die C-172 gechartert hat und wir bezahlen zusammen 1.200.-$. Da Heike die uruguayische Lizenz hat, sitzt sie rechts und ist auch verantwortliche Pilotin. Am Abend haben wir mit ihr unser Landebier getrunken und dann die Reisetasche für die bevorstehende Flugreise über Uruguay   gepackt.

Am 3. März beginne ich mit dem ersten Flug, fliege der Küste nach Osten entlang an Montevideo-San Luis-Solis-Punta del Este-Jose` Igncaci – bis La Paloma, es ist ein unglaublich langer schöner Strand, ich kehre um, lande in Punta del Esta -SUPE, ein einsamer Flugplatz, wir sind das einzige Flugzeug. Unser Quartier bekommen wir im kleinen Hotel del Faro, das Zimmer ist so lala, die Besitzerin ist sehr freundlich. Mit Birgit  machen wir   eine Stadtrundfahrt inklusive Besuch des Casapueblo Museums  des Künstlers Carlos Paez Vilaro, ein Architekt, der in liebevoller Arbeit ein wunderschönes Werk vollbracht hat. Die Stadt hat 120.000 Einwohner, im Sommer viele Touristen, jetzt im März sind viele Hotels und Restaurants geschlossen. Bereits um 6:30 Uhr am 4. März mache ich einen Spaziergang durch die noch schlafende Stadt zum Atlantik.  Der heutige Flug führt uns von Punta del Este Nordkurs über Minas- Valentines, Santa Clara del Olimar nach Treinta Y Tres-SUTR. Bis dahin ein unendlich flaches, wenig hügeliges Land, vorwiegend Landwirtschaft mit vielen Rindern. In Minas befindet sich die Abfüllstelle für das Trinkwasser der Firma Salus. Unterwegs dorthin umkreisen wir eine  riesige Ranch, sie gehört einem Belgier der sie für 5 Millionen US Dollar verkaufen möchte. Heike macht viele Fotos, sie kennt diesen Besitzer. Danach überfliegen wir die Grasbahn, um nach Tieren und  dem Windsack Ausschau zu halten, landen  um 12 Uhr, ein recht gepflegter Platz. Heike ist mit ihrem Handy sehr beschäftigt, da sie alles organisieren muss. Sie liest gerade, dass alle Vorträge wegen des Corona Virus auf der AERO abgesagt wurden, sie wollte sich dort wegen der Fliegerei in Uruguay präsentieren.  Die beiden lästern ziemlich über das Virus, sie nehmen es nicht ernst, lachen darüber. Früher seien die Menschen an einer Grippe gestorben, warum macht man jetzt so ein Theater, die sind sich der Tragweite nicht bewusst. Ich nehme es ernst, hatte auch schon Masken von daheim mitgenommen. Nach der Landung verzurren wir die Maschine, ein Rancher namens Ivan holt uns ab, fahren eine Stunde über schlechte Straßen, nicht asphaltiert zum Nationalpark Quebrada del los Cuervos. Dort unternehmen wir mit Ivan eine Wanderung durch das Naturschutzgebiet. Es geht bei 30° steil bergab  über Stock und Stein zu einem Fluss Rio Olmar Grande, verweilen eine Zeit auf Steinen, beobachten die Adler wie sie im Aufwind ihr Kreise ziehen und trinken klares Wasser aus dem Fluss. Zurück geht es über einen anderen, ebenfalls steilen und steinigen Weg, danach fahren wir eine Stunde zu unserer Unterkunft, mitten im nirgendwo, zu einer Estancia Pinos de la Quebrada, einer Ranch. Wow, ich bin überrascht, ein super schön von Raphael gepflegtes Areal. Wir setzen uns an den Pool, Laura die gute Seele serviert uns Kaffee und Kuchen, aber vorher müssen wir unbedingt ein Landebier trinken. Für den 12 jährigen Sohn Luka habe ich noch eine Packung Haribo, der Vater freut sich, dass sie aus Deutschland kommen. Wir dürfen uns sogar auf die Pferde setzen, kurz reiten, Ivan hat immer seine Mate Tee Flasche unterm Arm, das ist deren Nationalgetränk, das allerdings aus Brasilien stammt. Beim Abendessen lernen wir Gäste aus der Schweiz kennen.

Bevor wir am 6. März starten, fliegt Heike mit Ivan eine kurze Runde auf ihre Kosten. Diesmal fliege ich 311° – 85.5nm nach San Gregorio de Polanco, zum größten Stausee den wir überfliegen, sehr beeindruckend, um in Tacuarembó – SUTB zu landen. Wir werden freudig empfangen, müssen etwas Platz lassen, da noch etliche Flugzeuge wegen des Gaucho Festes hier landen werden. Das ist wohl ein highlight unserer Flugreise. Fahren mit dem Taxi zum Busbahnhof, werden  von Juan, dem Besitzer einer Rinderfarm im Pickup abgeholt, nach ca. 1 ½ Std auf der Asphaltstraße, wir unterhalten uns prächtig biegt Juan rechts ab auf eine Schotterstraße und sagt so nebenbei: „noch 10km“ – ich glaube es nicht. Juan erzählt viel, er kennt Heike, ein sehr sympathischer Mann, muss viel gereist sein, er fragt mich nach meinen Abenteuern, die ich ihm gerne in Kurzform erzähle. Wir erreichen die etwas einfache aber idyllische Ranch Panagea, treffen etliche junge Menschen aus Finnland, Schottland, Deutschland, Frankreich, Spanien, Heike erzählte schon vorweg, dass wir mit Pferden ausreiten können, was  vier Stunden dauern soll.  Wir beziehen wirklich ein einfaches Zimmer, die Toiletten haben keine Spülungen, sollen aber aus Wasserspargründen nur in Ausnahmefällen genutzt werden. die Anweisung lautet: „Nehmt aus dem Eimer wenig Wasser und spült nach, elektrisches Licht gibt es nur von 20 Uhr bis 22 Uhr, behelft euch mit Kerzen und Taschenlampe, Frühstück müsst ihr selbst machen.“ Er sagt, „das ist der Plan“. Irgendwo liegen Reiterhosen und Reiterstiefel,  probiere einfach welche die passen und komme zur Pferdekoppel. Mir wird ein weiß-graues Pferd zugeteilt, Juan erklärt mir wie das Pferd mit dem Halfter zu lenken ist und siehe da, es reagiert sofort. Heike ich und ca. 16 Reiter und Pferde treiben mit Hilfe von Gauchos und Juan eine Herde Kühe in eine andere Koppel, es geht über Stock und Stein, sogar durch einen Bach rauf und runter, ich bin anfangs recht angespannt, mein Pferd geht in den Trab – wir haben Spaß und Freude auf dem Rücken der Pferde. Nach 2 ½  Stunden Rast treiben wir  eine andere Herde in einen Zwinger. Es gibt an dem Ort eine Vorrichtung, wo die Gauchos mit Juan die Kühe von den Kälbern trennen, Juan impft die Kühe, danach müssen sie durch eine Desinfektionslösung schwimmen, treffen auf der anderen Seite wieder ihre Kälber. Eine Kuh hat einen stark geblähten Bauch, Juan zeichnet auf einem Stein mit Kreide auf wie diese Blähung zustande kommt. Normalerweise wird das Methan aus dem Magen gerülpst, wenn dies nicht der Fall ist, kommt es zu einer Blähung. Juan ist Veterinär, er sticht einen recht dicken Trokar neben der Wirbelsäule in den linken Wanst und man hört ganz laut, wie das Methan entweicht, das dauert ungefähr 10 Minuten, dann wird die Kuh entlassen, war sehr spannend.

An den Hauswänden sind Fahnen aller Nationalitäten aufgemalt. Am frühen Abend gegen 18 Uhr sitze ich mit Juan auf einer Bank im Freien, ein junger Mann (mit Liebeskummer) grillt  Würstl und Fleisch und es gibt wieder unser Landebier mit Asado und Gemüse. Schon früh am 6. März gibt es Aktivitäten, jeder macht sein Frühstück selbst, es soll wieder ausgeritten werden, aber diesmal ohne mich. Ich streife durch das Gelände, mittags bringt uns Juan, zur Privatunterkunft  Anna Laura. Wir beziehen ein Zimmer im 1. Stock mit kleinem Balkon, dazu haben wir eine Terrasse mit gepflegtem Swimmingpool. Tochter Anna bekommt von mir eine Rittersport- Schokolade.

Wir besuchen den Flugplatz von Santos Servicios Aereos, der Besitzer dieser Agrarfliegerei ist William Santos, ein riesiger Hangar in dem seine Agrarflieger untergebracht sind. Gerade landet ein Flugzeug, William steigt ein und fliegt eine Runde für uns. Nebenbei steht eine Piper J3C und eine Cessna Baujahr 140, alle in bestem Zustand, unterhalten uns noch in seinem Büro, seine Frau Graciela kommt hinzu. Heike erzählt uns, dass es ein großes Gaucho Festival  in dieser Stadt gibt. Nachts hörten wir die Patria Gaucha, das Fest hat begonnen. Für den nächsten Tag hat uns William zu sich eingeladen, Stühle wurden an den Straßenrand gestellt und so konnten wir die Parade der Guachos mit 4.500 Pferden und Reitern beobachten. Die Reiter hatten wunderschöne selbstgestickte Gürtel, einen Dolch rückwärts im Gürtel stecken. Diesen Dolch benötigen sie um das Fell des Tieres abzuziehen. Sogar kleine und große Kinder, junge Mädchen in schönen Trachten waren dabei, alles lief fröhlich und sittsam ab.  Sogar der neugewählte Präsident ist mit dem Volk mit geritten.  Anschließend wurden wir zum Asado Essen in Williams Haus eingeladen, auch die 92 jährige Mutter war anwesend. Sein Sohn William ist Agrar Pilot . Ein sehr schönes Haus mit großem Garten und einer überdachten Terrasse, wo William das Fleisch auf dem Rost gebraten hat.

Abends gehen wir zu Fuß ca. zwei km über eine Brücke zum eigentlichen Gaucho Fest, nehmen an einem Rodeo auf der Tribüne bei 30° teil und  machen noch einen Rundgang zu den vielen Verkaufsständen.  An einem alten Steinhaus lassen wir uns erklären, wie es früher erbaut wurde und zwar nur mit Steinen, ohne Mörtel. Dieser Mann möchte nicht, dass die Tradition des Hausbaues verschwindet, er ist der Einzige der dieses Handwerk noch beherrscht.  Mir schmerzt seit zwei Tagen die linke Schulter strahlt  bis in den Oberarm und kleinen Finger. Ibuprofen 500 hat nicht geholfen. Heike hat eine Lösung, sie kennt in Salto einen Physiotherapeuten mit dem sie Kontakt aufnimmt. Ich kann am Samstag um 8 Uhr in seiner Praxis erscheinen. Am 7. März fliegen wir in nördlicher Richtung nach Rivera – SURV um dort zu tanken, denn nicht an jedem Flugplatz gibt es Sprit, das organisiert  Heike alles schon am Vortag. Es ist drückend heiß und die Controllerin sagt uns, dass die Aircondition auf dem Tower nicht funktioniert. Der Flugplan nach Salto – SUSO ist aufgegeben. Von Rivera fliegen wir nach Westen knapp an der Brasilianischen Grenze entlang, der Flug bis Salto hat keine Auffanglinien ,1-2 Straßen erkennt man aber mit Hilfe von Air Nav Pro finden wir den Platz anstandslos. Bei Salto fließt der Riesige Rio Uruguay, der Grenzfluss zu Argentinien.

Schon wieder eine Überraschung, ein nettes, deutsches Ehepaar Bogi und Marikka holt uns ab.  Sie fahren uns an einen Fluss , die Gastwirtschaft hat gerade noch geöffnet. Ein Landebier muss sein! Anschließend werden wir zu deren Art Hotel Deko in Salto gefahren, das auch mit viel Liebe eingerichtet ist. Außerhalb der Stadt wohnt das Ehepaar in einem tollen Haus mit riesigen Garten und zwei Hunden. Bogi, eigentlich heißt er Bovislav von Zitzewitz erzählte aus seinem interessanten Leben, er war Banker in Guatemala, in Brasilien und Chile, handelte mit Kaffee und Weizen, er und seine Frau sind übrigens auch Piloten, sie besitzen eine Mooney und eine Maule. Bogi fährt mich  am 8. März um 8:30 Uhr zu Herrn Hermann dem Masseur, ich zeige ihm wo es weh tut, er fasst sofort auf den richtigen Punkt, die Spina Scapulae. Die Behandlung fängt  mit Strom Stimulation an und ich freue mich über eine prima Massage. Nach einem feudalen Frühstück fährt uns Bovi zum Flugplatz. Ich fliege von Salto Richtung Norden nach Artigas – SUAS nur 1 ½  Stunden Flugzeit am Rio Uruguay entlang und der Argentinischen Grenze Heike „give me fife“ es ist einfach nur schön, fliege in 4.500 ft es ist ziemlich dunstig, sehr flaches Land. Heike sieht im Wetterradar, dass von Argentinien kommend sich schlechtes Wetter ankündigt, eine  gewaltige Gewitterzelle zieht nach Montevideo. Pünktlich um 12 Uhr lande ich in Artigas, die Männer staunen nicht schlecht, als drei Pilotinnen aus dem Flugzeug aussteigen, wir sind in bester Laune. Transfer zum Hotel San Eugenio del Cuareim. Es folgt Abholung zu einer Amethysten Tour, wir bekommen eine Schutzkleidung mit Helm auf, dann geht es mit einem Führer in eine Mine.  Von Privatbesitzern wird Amethyst gewonnen, wie schön, wir sind die einzigen Touristen. Außerdem werden hier sogar Veranstaltungen durchgeführt und das im Nirgendwo. Weiterfahrt zur Manufaktur, da werden die riesigen Amethysten bearbeitet und in alle Welt verschickt.

Sibylle und ich wandern zu einer mächtigen und von der Polizei bewachten Brücke, die Uruguay mit Brasilien verbindet.  Am 10. März fliegen wir von Artigas nach Paso de los Toros – SUPT. Mit 243° und 98.1nm, Ausweichflugplatz geben wir Paysandu ein, 200°- 42 NM wir fliegen an der brasilianischen Grenze   landeinwärts, Way Point ist Valle Eden der Ort wo Carlos Gardet der Musiker geboren wurde und aufgewachsen ist. Verlassen das hügelige Land mit 128° – 89.2 NM, unterwegs ziehen Wolken auf es gibt kaum Auffanglinien, Flüsse, vereinzelt Straßen, eine Eisenbahnlinie erspähen wir. Es macht Spaß terrestrisch zu navigieren und wir überfliegen die Estancia de la Turistica, in der wir übernachten werden. Nachdem wir uns versichert haben, dass keine Tiere auf der Bahn sind, in welche Richtung der Windsack zeigt, landet Sibylle butterweich auf der Grasbahn 11, rollt zum Hangar. Dort wartet bereits ein Mann, den Heike schon vorher telefonisch kontaktiert hatte. Diesmal dürfen wir unsere Cessna im Hangar einstellen, aber vorher sollte sie noch aufgetankt werden. Also ziehen wir sie zur Tankstelle, Heike steht auf der Leiter den Benzinstutzen in der Hand, Benzin marsch, oh je, es rührt sich nichts, kein Strom. So ziehen wir die Maschine mit Hilfe von mittlerweile drei Männern in die Halle.

Nun kommt auch schon Cecilia mit ihrem 17 Jahre alten Renault angeprescht, eine herzliche Begrüßung, wir verstauen unser Gepäck, sie führt auch noch einen Gasbehälter mit sich, die Fahrt geht über Stock und Stein, es klappert an allen Ecken und Enden, ohne Aircondition, die offenen Fenster genügen. Der erste Weg führt uns zu einer Tankstelle mit Gastwirtschaft und Wlan, trinken natürlich unser Landebier. Nach 30 Minuten Fahrt erreichen wir ihr uraltes Landhaus, sie erzählt, dass sie mit fünf Geschwistern hier auf der Ranch aufgewachsen ist. Jetzt wohnt sie mit ihrem Mann, der Anwalt ist, in Montevideo. In diesem alten, schönen Herrschaftshaus , bewirtet Cecilia uns reichlich, sie erzählt von früheren Zeiten. Sie fährt mich zu einem Teich wo sie als Kinder geschwommen sind, das ist ein Ort der Stille, fragt mich,  ob ich mit ihr meditieren wolle, ich verneinte. Ich treffe die Flugvorbereitung: nach einem Tankstopp auf dem Militärplatz in Durazno  wollten wir in Camelo   auf dem  Weingut Campotinto übernachten – doch daraus wird leider nichts.

Das Wetter am 11. März  ist wunderschön, es hat abgekühlt. Nach einem reichhaltigen Frühstück fährt Cäcilia uns zum Platz. Heike sieht auf dem Wetterradar, dass das Gewitter noch vor Colonia und Montevideo steht, sie meinte wir könnten gerade noch dorthin fliegen, ist sich aber nicht sicher. Ich mache ihr den Vorschlag doch noch eine Nacht bei Cäcilia zu verbringen, da wir gut in der Zeit sind, ich glaube es ist für alle eine Erleichterung, warum sollten wir uns in Gefahr begeben. So fahren wir mit Cäcilia eine Stunde in ihrer Knatterkiste zurück. Im Ort zieht Sibylle Geld aus dem Automaten, Heike holt für mich auch 5.000 Pesos, damit ich etwas Geld in der Tasche habe.  Heute besuchen wir den größten Staudamm Uruguays,“ Rincon del Bonete“.  Zufluss ist unter anderem der Rio Negro, bekommen eine Führung, 1937 wurde der Damm von Deutschen angefangen zu bauen, 1942 mussten die deutschen Arbeiter in den Krieg, Stillstand, 1947 wurde durch Männer aus Uruguay und Argentinien weiter und fertig gebaut. Abends sitzen wir bei Linseneintopf, Reis, Wein und Wasser, so wie bei gutem Palmenschnaps mit weiteren Gästen aus Hamburg nett zusammen. Vorher mache ich aber die Flugvorbereitung für den Flug nach Colonia.

Am Donnerstag, 12. März müssen wir früh aufstehen, haben einen langen Flug vor uns. Von Paso de los Toros entlang von vier Stausee n.  Kurs 280° es gibt wieder sehr wenige Auffanglinien, das Land ist flach wir sehen eine Straße, überqueren zwei kleine Flüsse bis nach Mercedes mit einem Flugplatz, erreichen wieder den Rio Negro der in den Rio Uruguay fließt, zwei mächtige Ströme. Von dem kleinen Ort Villa Soriano steuere ich auf Kurs 180°, ich fliege östlich des Flusses, westlich des Flusses weit vor uns liegt Buenos Aires , Bodennebel ist voraus, nicht dicht. Ich fliege in 1.000 ft, das Land wird grün, überfliege die Bodega mit dem Weinanbaugebiet in Carmelo, wo wir eigentlich übernachten sollten, weiter bis nach Colonia  del Sacramento – SUCA, das sind 368 NM. Zwischen Camelo und Colonia liegt ein besonderer Flugplatz natürlich mit Sperrgebiet, es ist der Privatflugplatz des Präsidenten, ich fliege knapp am Flugplatz und lande in Colonia auf der Piste 31 nach 1:55 Min . das ist Heikes Heimatflugplatz wo ihre C-182 steht. Ein Helikopter Robinson landet, um zu tanken, ansonsten ist nichts los. Aber es kam ein Anruf von der Luftwaffe, es sei ein Flugzeug über den Flugplatz geflogen. Der Mitarbeiter im Briefing Büro beschwichtigte die Luftwaffe und meinte, dass unser GPS leider nicht genau anzeigte, das war es, das hätte uns teuer zu stehen kommen können. Glück gehabt.

Nach Angel-Adami – SUAA nähe Montevideo fliegt Sibylle, wir überfliegen Heikes Grundstück, das sie mit Freunden im November käuflich erworben hat. Kurs 146°-40.2 NM, entlang am Rio de la Plata der in den Atlantischen Ozean mündet. Man kann genau die Trennlinie zwischen Fluss und Ozean  erkennen. Leider geht somit eine wunderschöne Flugreise viel zu rasch zu Ende.  Nun wird noch die Restschuld verrechnet, das bezahlte Benzin wird  abgezogen. Unsere Reiseleiterin Birgit hatte schon die Tickets für die 2 ½  stündige Fahrt in einem öffentlichen Bus für den Fernverkehr mit Aircondition und Toilette nach Colonia reservieren lassen. Welch eine Überraschung, wir sind in Heikes Domizil zum Pizza Essen eingeladen, ich muss gestehen, so viele Pizzen habe ich in meinem Leben in so kurzer Zeit noch nie gegessen. Ein Hund stibitzt furchtbar gerne Essen vom Tisch – selbst gesehen. Heike fährt uns später ins Hotel, von nun an sind wir auf uns alleine gestellt.

Heute ist der 11. März: Colonia del Sacramento die Altstadt zählt zum Weltkulturerbe , wir erkunden die Altstadt mit ihrer besonderen Atmosphäre und der reichhaltigen Geschichte. Abends versammeln sich die Leute am Wasser um den Sonnenuntergang mitzuerleben. Wir unterhalten uns mit zwei Damen, die mit der Schnellfähre in 1:15 von Buenos Aires nach Colonia fahren, genießen den Tag hier. Wir machen einen Stadtrundgang, zum Hafen, Segelmuseum, alle Straßen sind mit Pflastersteinen ausgelegt, man darf nur mit 30km/h fahren, die Menschen halten sich daran, die Strafen sind sehr hoch. Abends setzen wir uns auf die Terrasse im Hotel, unterhalten uns angeregt, trinken ein Glas Wein, es ist ein wunderschöner lauer Abend. Wir lesen im Internet, dass sich das Corona-Virus in Italien und Spanien ausbreitet, die österreichische Botschaft warnt die Menschen, es sei gefährlicher als gedacht. Nun machten wir uns auch Sorgen, ob wir nach Deutschland fliegen können. Die Türe zum Zimmer stand offen, vielleicht  wollte Sibylle frische Luft haben. Ein Käfer krabbelte auf Sibylles Kopfkissen, sie erwischte ihn nicht. Um 2:45 werde ich wach, ein unangenehmes Zirpen, ich sehe doch tatsächlich diesen Käfer  mit langen Fühlern auf ihrem Kopfkissen sitzen, will ihn fangen, gelingt mir nicht, lege mich hin, da ging das Zirpen wieder los. Endlich habe ich das Biest mit einem Badetuch erwischt  mitsamt dem laut zirpenden Ungeheuer  zum offenen Fenster rausgeworfen, jetzt herrschte Ruhe, Sibylle hat von all dem nichts mitbekommen, sie hat einen gesegneten Schlaf.

Morgens am 14. März herrscht starkes Gewitter mit heftigem Regen. Um 17  Uhr wollen wir zum Busbahnhof laufen, um unsere Rückfahrkarte mit  Sitzplätzen nach Montevideo zu bekommen. Spazieren nochmals zum Hafen, etwas weiter weg steht ein VW Bus  mit zwei jungen Damen aus Mexico die eine Tour durchs Land machen, ich winke ihnen zu, zeige, dass ich sie bewundere, sie lachen zurück. Gleich daneben steht noch ein VW Bus, ein junges Ehepaar auf Reisen verkauft kleine selbstgemachte Armbänder, bemalte Holzbrettchen mit einem Spruch darauf, sie verdienen sich etwas Zubrot. Ein paar Schritte weiter ein junges Paar mit neu gekauften  Mountain Bikes, vollbeladen, von Argentinien kommend wollen sie Uruguay und Brasilien bereisen, Corona Virus hat ihnen sicherlich einen Strich durch das Vorhaben gemacht. Danach setzen wir uns in ein nettes kleines Restaurant im Garten mit Blick zum Rio de la Plata.

Am 15. März machen wir nochmals einen Altstadtbesuch, um 14 Uhr fahren wir mit dem tollen Bus nach Montevideo, um im Hotel Balmoral Plaza die letzte Nacht vor dem Rückflug zu verbringen. Am 16. März schaut Sibylle immer wieder auf ihr Handy ob der Flug am Dienstag nach Madrid stattfindet, bisher ist alles im grünen Bereich. Heike hat ihren Flug umgebucht und ist zwei Tage vor uns heimgeflogen. Am 17. März klappt Alles klappt super, das Taxi ist pünktlich am Hotel, wir genießen nochmals die schöne Fahrt am langen Strand entlang. Einchecken ist problemlos, der Flug Richtung Heimat kann losgehen. In Madrid angekommen, kaum eine Menschenseele, auf der Anzeigetafel sehen wir, dass unser Flug nach Stuttgart gecancelt ist, oh je! Flug nach München ist ausgebucht, aber es gibt noch einen Flug nach Frankfurt, den wir natürlich wahrnehmen. Uns ist jetzt erst bewusst, wie schlimm es mit dem Virus ist. Unser Gepäck bleibt auf der Strecke.

Wir nehmen den ersten ICE Zug nach München, Sibylle steigt in Stuttgart aus, ich fahre gleich weiter nach München und Bad Endorf. Nachdem ich kein Handy hatte, bat ich eine Zugbegleiterin, ob ich kurz ihr Handy benutzen dürfte da meines in Uruguay abhandengekommen ist. Sie schaute mich schräg an und meinte, „ausnahmsweise“ – das fand ich wieder nicht so nett. Meine Nachbarin und ihr Mann holten mich vom Bahnhof ab. Nachdem ich mehr als 20 Stunden nichts getrunken hatte (wir mussten unser gekauftes Wasser in Madrid wegwerfen), hat mir Marianne noch einen großen Teller Hühnersuppe gebracht, die ich mit Genuss verspeiste und dazu mein letztes Landebier.

Zu den Bildern:

Hagemann

Casapueblo

die Patria Gaucha

Der Sohn ist auch Agrarpilot

Bei Salto fließt der riesige Rio Uruguay, der Grenzfluss zu Argentinien

Das war der Rio Uruguay

Der Flug ging durch das Landesinnere

Die beiden wohnen in einer Wohnung

Entlang von vier Stauseen

Buenos Aires ist zu dem Zeitpunkt noch recht weit weg

Colonia del Sacramento

Die Trennlinie ist etwa 300 Kilometer weiter, bei Punta del Este. Es waren unterschiedliche Strömungen, die wir sahen.

Die Altstadt zählt zum Weltkulturerbe

Bericht und Bilder: Ingrid Hopman – ingrid.hopman@t-online.de

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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