Brauchtum

Ein Alphorn aus Bernau für den Papst – Erinnerungen an 1987

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Wenn der ehemalige Papst Johannes Paul II. in diesem Mai (geboren am 18. Mai in Polen) seinen 100. Geburtstag hätte feiern können, dann erinnern sich viele Bayern und Chiemgauer an eine Begegnung im Jahr 1987. Damals waren insgesamt 440 Personen anlässlich des 60. Geburtstages vom damaligen Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre Joseph Cardinal Ratzinger zu Feierlichkeiten mit Papst Johannes Paul II. aufgebrochen. Mit dabei war auch der Bernauer Alphornbläser Peter Wörndl, der auch Zweiter Gauvorstand des Chiemgau-Alpenverbandes war.

Er sorgte dabei für eine Überraschung, die in der Katholischen Kirche bis dahin und seither nicht mehr vorkam – er übergab dem Papst ein persönlich gefertigtes kleines Alphorn, ein geschnitztes und bemaltes Hirthorn. Zur noch größeren Überraschung nahm Papst Johannes Paul II das Alphorn nicht nur an, er wollte es auch gleich selbst ausprobieren. Damit aber hatte der Bernauer Alphornbauer allerdings nicht gerechnet: sein Geschenk war ohne Mundstück, deshalb brachte der Papst trotz seines Willens und seiner Mühen keinen Ton heraus. Doch die Freude über das einmalige Geschenk aus Bayern überwog zumal sich die versammelte Festgemeinde auch noch an den Alphornklängen der Bernauer Alphornbläser  in der Besetzung von Peter Wörndl mit Hans Schmid aus Rimsting und mit Peter Weingartner aus Bernau erfreuen konnten.

Wie es dazu kam, dass Peter Wörndl und die Bernauer Alphornbläser zur Papst-Audienz kamen, war darin begründet, dass der gebürtige Bernauer und damalige Regierungspräsident von Oberbayern Raimund Eberle die musikalische Mitgestaltung durch eine der ersten Alphornbläsergruppen in Bayern empfahl. Im übrigen war die offizielle Delegation aus Bayern hochkarätig besetzt. An der Spitze waren Seine Königliche Hoheit Herzog Max in Bayern, Bayerns Ministerpräsident Franz-Josef Strauß, mit dabei war auch der erste oberbayerische Volksmusikpfleger Wastl Fanderl aus Frasdorf sowie eine einmalige musikalische Besetzung. Diese bestand in großer Besetzung aus der Musikkapelle Unterwössen mit Dirigent Andreas Bichler und aus dem Kirchenchor Unterwössen unter der Leitung von Jochen Langer, sie wurden begleitet von Volksmusikpfarrer Franz Niegel, einem Studienkollegen von Cardinal Ratzinger und von  Unterwössens Bürgermeister Josef Kurz-Hörterer. Feine Volksmusik mit Gesang beim Fest in der Cardinals-Titelkirche  S. Maria Consolatrice Via Casalbertone von Rom gab es vom Ensemble Tobias Reiser aus Salzburg, von den Fischbachauer Sängerinnen, vom Duo Winkler/Rehle, von Traunsteiner Bläsern und vom Traunsteiner Dreigesang. Mit dabei war auch die Große Ehrenkompanie der Bayerischen Gebirgsschützen (mit 220 Mann und 40 Kompanie-Fahnen) unter der Leitung von Landeshauptmann Andreas Stadler und von Josef Wengermayer, dem geschäftsführenden Offizier der Bayer. Gebirgsschützenkompanie mitsamt der Musikkapelle der Gebirgsschützenkompanie Gaißach (die GSK Prien war im übrigen vertreten durch Oberleutnant Paul Panzer, den Leutnants Hans Schuderer und Rudi Holthausen und mit Fähnrich Gerd Drexler). Alle kulturellen Gruppen beteiligten sich beim Festakt mit einer Reise durch den bis dahin bekannten Lebensweg von Joseph Kardinal Ratzinger, offizielle Gratulanten waren dann Pfarrer Franz Niegel, Wastl Fanderl, Weihbischof Franz Schwarzenböck, Regierungspräsident Raimund Eberle, Ministerpräsident Franz Josef Strauß und Erzbischof A. Bovone, der Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre.

Papst-Alphorn war Herzensangelegenheit und Höhepunkt zugleich

Für den Bernauer Alphornbauer Peter Wörndl, der auch ein zweites selbstgefertigtes Hirthorn mit persönlicher Widmung auf dem Instrument an Jubilar Ratzinger übergab, war dies natürlich zusammen mit seinen Mit-Bläsern ein besonderes Erlebnis. Marianne Wörndl, Frau des bereits 1993 verstorbenen Peter Wörndl weiß noch: „Die Rom-Reise und Papst-Begegnung waren für ihn eine Herzensangelegenheit und ein Höhepunkt zugleich“. Marianne Wörndl, die mit ihrer Schwester Heidi Kerner jahrzehntelang als Obern-Dirndl mit ihren Liedern erfreute, kann sich auch noch gut an eine Begegnung mit ihrem Mann Peter und mit dem Kardinal in Bayern und in Tracht erinnern. „Joseph Ratzinger war höchst erfreut über unsere Weisen, wir verspürten seine sichtliche Freude als wir das bekannte Dank-Lied sangen“.

Der Berichterstatter und Fotograf dieses Berichts erinnert sich noch ganz gut an diese besondere Reise der Bayern nach Rom zumal ihm bei der Heimfahrt sein Zimmerkollege Peter Wörndl sagte: „Hund sama scho, schenken wir dem Papst ein Alphorn und vergessen das Mundstück!“. Ebenso in guter Erinnerung blieben zum Abschied in Rom die Worte des Kardinals: „Hoit ma fesst zamm – Gott schütze Bayern!“.

Fotos: Hötzelsperger –   Peter Wörndl schenkte anlässlich der Feier zum 60. Geburtstag von Joseph Kardinal Ratzinger dem Papst Johannes Paul II. ein Alphorn. Johannes Paul II wäre im Mai diesen Jahres 100 Jahre geworden – sowie weitere Eindrücke von dieser Fahrt.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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