Brauchtum

Vereinsporträt: GTEV „Daxenwinkler“ Atzing

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

In der Marktgemeinde Prien gibt es zwei Trachtenvereine, einer davon ist der GTEV „Daxenwinkler“ Atzing, der 1897 gegründet wurde und im Zuge der Gebietsreform 1978 von der damaligen Gemeinde Wildenwart nach Prien „überwechselte“. Derzeit 320 Mitglieder, 27 Kinder, 12 Jugendliche, 22 Aktive, 37 Röckefrauen und rund 60 Mannerleute gehören dem Verein an, der das ganze Jahr über Aktivitäten entwickelt.

Eigentlich hätten die ersten regelmäßigen Aktivitäten jetzt nach Ostern begonnen, die Plattler- und Tanz-Proben für die Dirndl und Buam müssen jedoch wegen der Corona-Krise derzeit ausfallen. „Das Zusammenkommen und gemeinsame Proben fehlt unseren Leuten derzeit schon, was möglich ist, ist der Austausch von Informationen auf dem elektronischen Weg“, so Jugendleiter Florian Röger und Vorplattler Manuel Baumert. Die Proben finden seit 2007 im Vereinshaus von Atzing statt, das in enormer Eigenleistung der Trachtler und der örtlichen Feuerwehr sowie mit starker Unterstützung der Gemeinde und eines eigens gegründete Fördervereins eingeweiht werden konnte. Mit diesem Vereinshaus sind ganzjährige Zusammenkünfte und auch kleinere Veranstaltungen möglich. „Wichtig ist uns dabei, dass unsere Dirndl und Buam das erlernte Können in den Proben auch durch öffentliche Auftritte zeigen können“ –  dies ist Vorstand Michael Schlosser sehr wichtig und er fügt hinzu: „Die Zeiten, an denen die Atzinger Trachtler zusammen mit dem Priener Trachtenverein und mit der Priener Blaskapelle im König-Ludwig-Saal über zwanzig Heimatabende in der Saison gestalten konnte, sind vorbei, Heimatabende sind leider nicht mehr gefragt“. Die besten und schönsten eigenen Auftrittsmöglichkeiten für die Trachtengruppen des Vereins, aber auch für die vereinseigene, vor 40 Jahren gegründete Goaßlschnalzergruppe sind die Waldfeste im Buchenwald von Munzing. Die Atzinger Waldfeste gehören zu den traditionellsten im Chiemgau, bestehen sie bereits seit fast 60 Jahren, das erste Waldfest mit Erlaubnis der Munzinger-Familie war im Jahr 1961. Auch heuer sind wieder Buchenwaldfeste geplant, vorgesehen sind diese am Donnerstag, 9. Juli und am Mittwoch, 22. Juli. Inwieweit sich bei diesen Terminplanungen noch Änderungen aufgrund der aktuellen Corona-Krise ergeben, kann derzeit noch nicht mit Sicherheit gesagt werden. Vorstand Michael Schlosser beschreibt die momentane Planungssituation wie folgt: „Gemeinsame Vorstandschaftssitzungen können und wollen wir auf Rücksicht der Gesundheit unserer Leute nicht durchführen, außerdem können wir auch nichts Konkretes planen, das heißt wir warten ab und halten mit Hilfe von Telefon, email und whatsapp Kontakt“.

„Vom Streit 1903 zu dauerhafter Harmonie“

Wichtig für Vorstand Schlosser sind gerade in diesen Zeiten harmonische Entscheidungen. Ganz harmonisch war das Vereinsleben bei den Atzinger Trachtlern in ihrer inzwischen 123-jährigen Geschichte nicht, im Gegenteil: als 1903 der Verein das 13. Gaufest des Gauverbandes I mit 44 Gastvereinen in Wildenwart ausrichtete, war das der Beginn einer Spaltung. Das Gaufest selbst, zu dem Seine Königliche Hoheit, der Prinzregent allerhöchsten Dank entbieten ließ, ging noch gut vorüber, doch in der Niederschrift von der Generalversammlung am 20. August desselben Jahres heißt es wörtlich: „Hierher datiert auch die Entstehung des Trutzvereins Die Lustigen Wildenwarter, der sich aus Abtrünnigen bildete“. Das war der Zeitpunkt der Gründung des Wildenwarter Trachtenvereins. Vorgeschichte für die Trennung zwischen den beiden Vereinen war, dass Brauereibesitzer Josef Freund von Prutdorf plötzlich Miete für das Vereinslokal verlangen wollte, weshalb spontan der Vereinssitz zu Brauereibesitzer Johann Baptist Bauer nach Atzing verlegt wurde, da dieser keine Miete verlangte. Die Zeit des Streits ist natürlich längst vorbei, seit Jahrzehnten ist es zwischen Wildenwart und Atzing guter Brauch, gemeinsam die Jahrestermine abzustimmen, sich gegenseitig zu besuchen und den 1950, also vor 70 Jahren beschlossenen gemeinsamen Jahrtag für die gefallenen, vermissten und verstorbenen Kameraden am Friedensdenkmal von Prutdorf zu begehen.

Aufgrund ihrer Vereinsjubiläen waren die Wildenwarter Trachtler 2013 und die Atzinger Trachtler 2017 Gastgeber für das Gaufest des Chiemgau-Alpenverbandes, dem sich der GTEV Atzing 1958 angeschlossen hat (zuvor Gauverband I der Oberbayerischer Gebirgstrachten-Erhaltungs-Vereine). Gerade das Gaufest 2017 in Atzing war ein wichtiger Impuls – wie Vorstand Michael Schlosser erklärt: „Das Fest mit über 3.000 Trachtlern und noch viel mehr Besuchern war eine gewaltige Herausforderung, mit Hilfe von vielen Seiten haben wir es geschafft. Am wichtigsten aber war, dass wir uns nach Innen gestärkt haben, bis heute hält der Zusammengehörigkeits-Wille an, das hat sich bei den letzten Neuwahlen gezeigt, als wir über zwei Dutzend ehrenamtliche Posten einvernehmlich besetzen konnten“. Der Wille, nach den derzeitigen Einschränkungen wieder persönlich und miteinander zu proben, anzupacken und zu feiern, ist groß. Jetzt gilt es einfach und geduldig abzuwarten.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke  vom Trachtenverein „Daxenwinkler“ Atzing – u.a. Waldfest-Auftritte und Vereinshaus Atzing

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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