Leitartikel

Besuch bei Orgelbaumeister Willi Osterhammer

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Seit drei Jahren sind Orgelbau und Orgelmusik Immaterialles Welt-Kulturerbe, einer der Orgelbaumeister in rund 400 deutschen und handwerklichen Orgelbaubetrieben ist Willi Osterhammer aus Prien-Prutdorf. Seit Beginn der Ausbildung 1980 sind es gut 40 Jahre, dass er den Beruf des Orgelbauers ausübt, seit 25 Jahren als Selbstständiger. Bei einem Besuch in seinem Haus, seiner Werkstatt, seinem Musikraum und seinem Büro gewährt er einen Einblick in das umfassende und komplexe Berufsbild eines Orgelbaumeisters.

„Wie wird man Orgelbauer oder gar Orgelbaumeister?“ – auf diese Frage gibt Osterhammer eine klare Antwort: „Während meiner Schulzeit in Frasdorf wurde in der Frasdorfer Kirche eine neue Orgel eingebaut, beim Aufbau schaute ich des öfteren zu und nach dem Orgelunterricht mit Christl Diwischek wurde es mir immer klarer, dass Orgelbau mein Berufswunsch ist. Und so folgten nach der Mittleren Reife auf der Realschule in Rosenheim eine dreieinhalbjährige Lehre und fünf Jahre Gesellenzeit beim Handwerksbetrieb und Orgelbauer Guido Nenninger in München sowie anschließend die Meisterprüfung einhergehend mit der Eröffnung eines eigenständigen Betriebes in Prien-Prutdorf“. Die erste selbst gebaute Orgel war sein Meisterstück mit über 700 Arbeitsstunden, sie befindet sich in seinem Musikzimmer. Und die erste größere von ihm gebaute Orgel in Greimharting in der dortigen Kirche St. Petrus und St. Leonhard erklang erstmals vor gut 20 Jahren. „Eigentlich war im Vorjahr ein Festkonzert mit dem Organisten Johannes Berger vorgesehen, wegen Corona fiel es aber aus und so wird es auf unbestimmte Zeit verschoben“. Die nächsten größeren Klangwerke waren für die Kirchen in Rottau und in Traunwalchen. Als in Traunwalchen am 13. April 2009 die Orgelweihe war schreibt Alois Glück in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Orgelbaufördervereins: „Mit dieser Qualitätsorgel haben wir gemeinsam nicht nur für uns und unsere Zeit etwas Gutes geschaffen, damit können wir vor den Anstrengungen der Vorfahren und Nachkommen bestehen“.

Über ein Jahr Bauzeit und über 170.000 Euro – Ein Jahr bis eineinhalb Jahre dauert es, bis eine Orgel gebaut ist. Vorausgehend ist oft ein mehrjähriger Diskussions- und Entscheidungsprozess bei den Pfarrgemeinden, die in der Regel die Auftragsgeber für den Orgelbauer sind. „Der Prozess einer Orgelentstehung ist fast immer gleich: zuerst werden Örtlichkeiten und bisherige Orgel begutachtet, dann erfolgt die Genehmigung zur Neuanschaffung, wichtig ist dann ein Finanzierungsplan, denn Kirchenorgeln können von 170.000 Euro bis 250.000 Euro bis viel weiter aufwärts kosten und dann beginnt meine Arbeit mit einer ersten Zeichnung, die inzwischen auf dem PC mit einem eigenen Programm erfolgt“. Der Bau selbst ist dann sehr komplex, zum Gesamtwerk gehört eine technische Anlage.  Eine Windanlage regelt den Luftstrom (Orgelwind) und dieser bringt die Pfeifen zum Erklingen. Die Windladen verteilen den Orgelwind zu den Pfeifen, der   Spieltisch steuert die Windladen.  Im Orgelgehäuse sind alle Teile der Orgel   untergebracht, von den Pfeifen einer Orgel sind lediglich die Prospektpfeifen sichtbar, in Greimharting 29 Pfeifen von 870. Jedes Orgel-Bauwerk ist natürlich ein Unikat aus verschiedenen Materialien von excellenten Spezialisten.

Die letzten Orgeln, die Osterhammer baute waren für Surheim bei Freilassing, für Parsberg bei Miesbach und zuletzt für die Kirche von Pfaffing bei Edling. Derzeit im Bau befindlich ist die Orgel für die Kirche „St. Johann Baptist“ in Schonstett. Für diese Orgel hat er schon das Eichenholz auf Lager, überhaupt ist das Material von hoher Bedeutung. So lobt der Orgelbauer in höchsten Tönen das Zusammenwirken mit den Handwerkern, die die Pfeifen erstellen, diese entstehen von Metallplatten mit Zinn-Blei-Legierung in Handarbeit beim Gießen, Glätten und Runden. „Das ist ein eigenes Handwerk, meinerseits liefere ich die Maße, Bauart und weiteren Vorgaben“, so Willi Osterhammer, der auch Restaurierungen, Reparaturen und Wartungen von Orgeln vornimmt. In dieser Eigenschaft war er unter anderem in Grabenstätt, Rabenden und Gollenshausen tätig und er weiß dazu: „Bei diesen Arbeiten ergeben sich Dokumentationen mit buchähnlichem Umfang“. Zum Arbeitsfeld gehören auch  Harmonien und   Truhen-Orgeln für kleinere Kirchen und Altarräume. Eine Truhen-Orgel entstand zuletzt für Bad Endorf und derzeit entsteht eine mobile Truhen-Orgel  in Osterhammers Werkstatt, dabei kommt unter anderem Birnbaum-Holz zum Einsatz. „Die möglichst heimische Holz- und Materialauswahl ist mir sehr wichtig, auch wenn die Preisunterschiede bei Holzarten oft gewaltig sind, die kleinen Holzpfeifen sollen aus feinporigem Hartholz (Birnbaum, Ahorn, Nussbaum u.a.) bestehen, beim Eichenholz für die größeren Bestandteile geht es um die Dauerhaftigkeit“. Und er fügt abschließend hinzu: „Wenn auch die Anerkennung von Orgelbau und Orgelmusik als Weltkulturerbe keine direkten finanziellen Vorteile bringt, so habe ich doch das entsprechende Hinweisschild an meinem Haus angebracht, irgendwie ist dies eine wohltuende Anerkennung und es freut mich und meine Familie“. Unterstützt wird Osterhammer im Büro und auch in der Werkstatt durch seine Frau Christa, sein Sohn Florian als gelernter Schreiner sowie weitere Leute packen zu bestimmten Zeiten, insbesondere beim Aufbau einer Orgel mit an. Unter Corona leidet der Betrieb nicht, auch wenn wegen weniger Orgelnutzungen und ausfallender Konzerte die Kirchenmusik auf Sparflamme ist. „Orgelmusik wird auch in Zukunft erklingen“, da ist sich Willi Osterhammer, der selbst schon in den Kirchen von Wildenwart und Greimharting als Organist ausgeholfen hat, sicher.

Erinnerung: Als am 9. April 2000 die erste größere von Willi Osterhammer erbaute Kirchenorgel in Greimharting eingeweiht wurde, da war Klaus Franzl als Pfarradministrator und Nachfolger in der Priener Seelsorge von Pfarrer Josef Preis angetan, der heutige Monsignore und Dompfarrer von München schrieb damals zur Einweihungsfeier: „Die Orgel ist die Königin der Instrumente. Wir stellen sie in unser Gotteshaus, um das zu tun, was uns Menschen zukommt: Gott zu loben und zu preisen. Ob sie allein erklingt oder Chor und Volk begleitet: immer ist alles an ihr auch Dienst vor Gott“.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke vom Besuch bei Orgelbaumeister Willi Osterhammer in Prien-Prutdorf und Beispiele seines bisherigen Schaffens in Greimharting, Traunwalchen und Pfaffing.

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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