Kultur

Volksmusikschiff auf dem Chiemsee

Das gab es auf der „Edeltraud“ bisher ganz selten, dass bei einer Fahrt des Volksmusikschiffs auf dem Chiemsee nicht ein einziges Blechblasinstrument zu hören war. Dem Musikgenuss für die kundigen Schiffspassagiere hat das aber keinen Abbruch getan. Im Gegenteil. Von der einfachen und handlichen Okarina über die wesentlich größere Bassokarina, die verschiedensten Spielarten von Fleitln und Flöten bis hin zu begleitenden Kontrabässen, einigen Harfen, mehreren Geigen, dem Akkordeon, einem Hackbrett , sowie Gitarren und Zithern war alles vertreten, was das Herz eines Volksmusikhörers höher schlagen lässt.

Erneut gelang es Marlene Anner im Auftrag der „Prien Marketing GmbH“ ein illustres und von den Interpreten her gesehen landschaftlich breitgefächertes Programm zusammen zu stellen. Dabei fand sie sogar auf die Schnelle noch adäquaten Ersatz für die Jungen Ramsauer Sänger, die am Veranstaltungstag selbst ihre Mitwirkung überraschend absagen mussten. Für sie agierten dann Karl Schabmair, Trachtenvereinsvorstand von Egmating und dessen Schwester Lisl Höß in gewohnt souveräner Weise als „Geschwister Schabmair“, musikalisch unterstützt von der Antonibergmusi aus dem Berchtesgadener Land. Mit ihren vorwiegend heiteren und quellfrischen Liedern, garniert mit spontan eingestreuten lustigen  Sprecheinlagen von Karl Schabmair zog man in allen Schiffsräumen verdienten Beifall auf sich. Die spontan erklärte Bereitschaft, innerhalb von Stunden für die Jungen Ramsauer Sänger einzuspringen tat dazu ein Übriges.

Ganz im Stil der legendären Berchtesgadener Saiten- und Fleitlmusi ließ sich die Antonibergmusi hören, die sich nach einem bewaldeten Bergrücken in der Gegend von Bischofswiesen nennt. Heiter bewegte , aber auch staad daherkommende Landler, Walzer, Boarische und Polkas wurden in den verschiedensten Besetzungen zum Besten gegeben. Bei so manchem, von feinem Saitenspiel umrahmten Flötenstückl wurde es deshalb auch „mucksmäuschenstill“ im Schiffsraum. Genuss pur. Siegi Götze stellte die einzelnen Gruppen und ihre Mitglieder mit launigen Worten vor, ließ aber auch die notwendigen Sachinformationen  nicht zu kurz kommen. So auch bei der Vorstellung des Feldmochinger Zwoagsangs der erst kürzlich sein 30 jähriges Sängerjubiläum im Münchner Norden groß gefeiert hatte. Helga Betz und Gerhard Holz verstanden es prächtig, die Zuhörer zu begeistern und in einige ihrer Altmünchner Couplets mit einzubeziehen. Da konnten dann auch so manche Männer nicht umhin, beim Refrain von: „Jessas san de Männer dumm“ kräftig mitzusingen oder ein anderes Mal singend und  dabei „leidend“ festzustellen: “da kaaf i ma liaba an Strick“. Diese Art miteinander  zu singen und das Publikum direkt „mit einzubeziehen“ ist in unseren Tagen selten geworden. Nach und nach bricht sie sich aber verdienter Maßen   wieder Bahn. Umso schöner, sie auf der Edeltraud diesmal zu Gehör bekommen zu haben. Ebenfalls aus der Landeshauptstadt München waren vier Vollblutmusikantinnen  an den Chiemsee gekommen, die sich „Münchner Cäcilienmusik“ nennen, frei nach der Patronin der Kirchen- aber auch der sonstigen Musik. Wahre Meisterinnen sind sie im Zusammenspiel sowohl mit zwei Okarinas, wie auch als virtuos daherkommende  Saitenbesetzung einmal mit und einmal ohne Akkordeon Unterstützung oder Kontrabassbegleitung. Daneben erwiesen sich die vier Frauen aus  München, Straubing und Starnberg  als versierte  Gesangsbegleiterinnen. Ein echter Gewinn für dieses Volksmusikschiff meinten auch die Passagiere, die sie ein ums andere mal mit anerkennendem Beifall bedachten.

Es gehört schon zum „Standardprogramm“, dass jedes Mal ein oder zwei Gesangs- bzw. Musikgruppen aus dem Salzburger Land auf der „Edeltraud” mit dabei sind, so auch diesmal. Der InHofer Dreigesang, also Simone Kiesenhofer, früher Lindmair , aus dem in der Gegend von Mondsee gelegenen „In Hof“ zusammen mit Magdalena und Ruapp Reindl aus Kuchl hatte einmal mehr „handverlesenes“ Liedgut im Gepäck. Ruhig bis pietätvoll und dann aber wieder kreuzlustig sprudelnd wie ein Schmelzwasserbach im Frühjahr, so  könnte man ihren fein aufeinander abgestimmten Liedvortrag beschreiben. Dass sie im Moment zu den meist gesuchtesten Gesangsformationen im gesamten deutschsprachigen Alpenraum gehören verwundert deshalb nicht. Hatten sie doch auch mit der Hellbrunner Geigenmusik eine Instrumentalgruppe an ihrer Seite, die jede Nuance einer versierten Gesangsbegleitung beherrscht. Da musizieren ganz große Könner miteinander, die trotz ihrer jugendlichen Frische bereits an die ganz großen Vorbilder vergangener Zeiten heranreichen. Die Zuhörer waren hellauf begeistert von diesem, bei uns leider noch zu selten gehörten Ensemble. Alles in Allem wieder ein volksmusikalischer Genuss, diese Fahrt mit der „Edeltraud“ auf den der Himmel über weite Strecken „Freudentränen“ regnen ließ.

Text: Siegi Götze
Fotos: Marlene Anner

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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