Tourismus

Rosenheimer Veteranen fuhren mit Sonderzug nach Triest

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Wir stehen hier in Redipuglia nachdenklich an den Soldaten- und Kriegergräbern, wir haben die Kraft auch noch nach 100 Jahren an diesen Gräbern für diese vielen Toten zu beten“, so Prälat Günther Lipok bei der Gedenkstunde der Interessengemeinschaft der Krieger- und Veteranenvereine und Soldatenkameradschaften im Landkreis Rosenheim auf der größten Gedenkstätte Italiens am Monte Sei Busi in Redipuglia nahe der alten Hafenstadt Triest. „Die Toten mahnen auch noch nach 100 Jahren. Wir dürfen und wollen Terror, Gewalt und Unrecht in der Welt nicht einfach so hinnehmen, wir wollen uns weiter für Frieden in der Welt einsetzen“.

„Wir heißen alle Gäste aus Bayern hier bei uns ganz herzlich willkommen“, so der Leiter der Gedenkstätte „Wir freuen uns, dass sie die Toten aus dem ersten großen Kriege, die nach dem Kriegsende zwanzig Jahre lang von allen Schlachtfeldern der Region und von allen umliegenden Bergen herunter hierher überführt wurden, bei uns besuchen; gemeinsam wollen wir dieser Toten in Eintracht und Frieden gedenken. Was uns allen bleibt ist die Trauer und das Gedenken an die vielen Opfer des großen Krieges, der hier vor fast 100 Jahren zu Ende ging, gedenken wollen wir aber auch der Opfer aller nachfolgenden Kriege“.

Die Blaskapelle Niklasreuth und die Fahnenabordnungen einiger Vereine der IG Rosenheim gaben der Gedenkstunde eine ganz besondere Note. Zahlreiche italienische Schulklassen besuchten an diesem Tag die Gedenkstätte und wunderten sich über die bayerischen Gäste in Redipuglia.

Die Militärische Gedenkstätte von Redipuglia ist der größte Soldatenfriedhof Italiens, der alleine den italienischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs gewidmet ist. Das auf den Hängen des Monte Sei Busi nach den Plänen des Architekten Giovanni Greppi und des Bildhauers Giannino Castiglioni realisierte Bauvorhaben wurde in den 30er Jahren verwirklicht und 1938 nach zehn Jahren Arbeit eingeweiht. Die Anlage enthält die sterblichen Überreste von 100187 Soldaten aller italienischen Waffengattungen, die in der umliegenden Region zwischen 1915 und 1917 im Rahmen der zwölf Isonzo-Schlachten gefallen sind.

Das Ehrenmal ist eine Riesentreppe mit 22 Stufen, in diese Stufen sind die Gräber integriert. Diese Anordnung soll nach den Vorstellungen des Architekten Greppi einen großen Appellplatz andeuten, auf dem die Gefallenen symbolisch angetreten sind. Auf den unteren Stufen befinden sich die Grabstätten der 39857 identifizierten italienischen Gefallenen in alphabetischer Reihenfolge von unten nach oben. Jede Grabstelle ist durch eine Bronzetafel mit Name und Dienstgrad gekennzeichnet.

In der Mitte der ersten Stufe ist als einzige Frau auf der gesamten Anlage die Rotkreuzschwester Margherita Kaiser Parodi Orlando begraben, auf der 22. Stufe ruhen 72 Marinesoldaten und 56 Männer der „Guardia di Finanza“, alle anderen über 100000 Männer sind Soldaten des Heeres. Am Ende der Treppe und der Riesenstufen liegen zwei mit Bronzeplatten gedeckte große Gräber, die die sterblichen Reste von 60000 unbekannten Soldaten enthalten. Der Oberbefehlshaber der italienischen dritten Armee Emanuel Herzog von Aosta und fünf in der Schlacht gefallene Generäle sind in großen Sarkophagen auf der Gedenkstätte bei ihren Soldaten bestattet. Ganz oben erinnern drei Kreuze an das Bild des Berges Golgotha und die Kreuzigung Christi.

Pius Graf, der Obmann der Interessengemeinschaft der Krieger- und Veteranenvereine und Soldatenkameradschaften im Landkreis Rosenheim mahnte: „Wenn die Generation der Kriegsteilnehmer und aller die unmittelbar betroffen waren in den nächsten Jahren abtritt, dann ist es die Aufgabe unseres Verbandes das Gedenken zu bewahren“. Zu den Klängen des Liedes vom Guten Kameraden und der beiden Nationalhymnen legten der italienische Leiter der Gedenkstätte sowie Obmann Pius Graf einen Kranz an der Gedenkstätte nieder. Tief beeindruckt sammelten die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung spontan für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, 2500 Euro kamen so zusammen, die Pius Graf an den Bezirksvorsitzenden des Volksbundes Heinrich Rehberg weiterreichte.

Mit einem Sonderzug fuhren die Veteranen aus dem ganzen Landkreis Rosenheim an die Adria, weit über 90 Jahre war die Älteste, knapp 22 der Jüngste. Bestens versorgt in zwölf Waggons einer nostalgischen Zuggarnitur ging die Reise von Rosenheim bis nach Ljubljana. Mit einer Flotte von 14 Bussen ging es von dort durch das frühlingshaft geschmückte Slowenien und Kroatien weiter ins Quartier: ein großes Hotel in Umag direkt am Meer gelegen, das bei keinem der Teilnehmer einen Wunsch offen ließ. Der Besuch der Kriegsgräberstätte in Redipuglia war, wie bei jeder Fahrt der IG Rosenheim, der Höhepunkt der Sonderzugreise. Spaziergänge in Umag am Meer, eine Stadtbesichtigung von Triest und eine Fahrt entlang der istrischen Küste von Porec nach Rovinji gab den Teilnehmern der Fahrt einen Eindruck von der Schönheit Istriens und den dortigen Beginn des Frühlings.

Bericht und Fotos: Heinrich Rehberg

Pius Graf der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Krieger- und Veteranenvereine und Soldatenkameradschaften im Landkreis Rosenheim legt zusammen mit dem Leiter der Gedenkstätte Redipuglia einen Kranz zum Gedenken an die Opfer der Kriege nieder.

Ein kleines Stück rostigen Stacheldraht irgendwo aus den Stellungen am Isonzo überreichte der Leiter der Gedenkstätte Redipuglia als Andenken an den Besuch der IG Rosenheim

Prälat Günther Lipok bei der Gedenkansprache

Die Fahnenabordnungen der IG am Ehrenmal bei der Kranzniederlegung

Der Sarkophag des Herzogs von Aosta im Ehrenmal von Redipuglia

Endlose Namen am Ehrenmal in Redipuglia: hier ruhen 100187 Soldaten aller italienischen Waffengattungen, die in der umliegenden Region zwischen 1915 und 1917 im Rahmen der zwölf Isonzo-Schlachten gefallen sind.

550 Männer und Frauen aus dem Kreis Rosenheim fuhren im Sonderzug mit der Interessengemeinschaft der Krieger- und Veteranenvereine und Soldatenkameradschaften im Landkreis Rosenheim nach Redipuglia.

550 Männer und Frauen aus dem Kreis Rosenheim fuhren im Sonderzug mit der Interessengemeinschaft der Krieger- und Veteranenvereine und Soldatenkameradschaften im Landkreis Rosenheim an die Adriaküste, nach Triest und zur Gedenkstätte Redipuglia

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist und Leiter der Gäste-Information Samerberg bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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