Natur & Umwelt

Priener Bauern informierten sich über EU-Programm NATURA 2000

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Europas Naturerbe sichern und Bayerns Heimat bewahren“ – dieses Ziel hat das Programm NATURA 2000, das Uwe Holst vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim im Rahmen einer Bauernversammlung im Gasthaus Alpenblick in Prien vorstellte. Die Bauern aus den Ortsverbänden Prien und aus Wildenwart ließen sich dabei vom NATURA-Gebietsbetreuer über das FFH-Gebiet „Chiemsee“ und das Europäische Vogelschutzgebiet (SPA) „Chiemsee und Alz“ informieren und darüber, welche Auswirkungen die angekündigte Managementplanung für sie haben wird.

 Eingangs erklärte Uwe Holst die Historie – NATURA 2000 ist derzeit das größte Naturschutzprojekt der Welt – und die Rahmenbedingungen des Projekts und warum mit FFH (Fauna-Flora-Habitat) sowie mit SPA (Vogelschutzgebiete) zweigleisig gefahren wird. Er erklärte: „Beide Projekte betreffen die Chiemsee-Region, beim FFH-Projekt laufen die Kartierungen über die Regierung von Oberbayern und über das Kartierteam der Forstverwaltung. Für das SPA-Projekt sind ebenfalls die Regierung von Oberbayern und die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising zuständig und aktiv. Die Ergebnisse der beiden von verschiedenen Planungsbüros bzw. Kartierteams betreuten Systeme werden am Ende (voraussichtlich erst 2023) an einem „Runden Tisch“ zusammengeführt, vorgestellt und diskutiert.“ Aufgrund der hohen Anzahl von Eigentümern, Nutzern, betroffenen Verbänden und Behörden in diesem Gebiet wird die Einladung dazu voraussichtlich nicht durch persönliche Ansprache, sondern durch öffentliche Bekanntmachung erfolgen.

Eine der Grundlagen der Arbeiten ist die 2016 beschlossene NATURA-2000-Verordnung. Dazu erklärte Holst: „Mit dieser Verordnung wurden die Grenzen NATURA-Gebiete, die Standarddatenbögen (d.h. welche Schutzgüter sind in einem Gebiet an die EU gemeldet) und die konkretisierten Erhaltungsziele überprüft, angepasst und festgesetzt. Änderungen sind nur noch in besonderen Ausnahmefällen möglich“. Die Ergebnisse der Kartierungen und die Bewertung ihrer Grundstücke hinsichtlich des Vorkommens von geschützten Lebensräumen und/oder Arten ist für die Bauern von hoher Bedeutung. Dadurch entsteht Klarheit, wo geschützte Lebensräume und Arten zu finden sind und inwieweit ggf. das gesetzlich verankerte „Verschlechterungsverbot“ greift, ob z. B. eine Intensivierung der Bewirtschaftung von bisher extensiv bewirtschaftetem Grünland gegen naturschutzrechtliche Vorgaben verstoßen würde.

„Wegen Corona konnte leider keine Chiemsee-Auftaktveranstaltung zur allgemeinen Vorstellung des NATURA 2000-Projekts durchgeführt werden, seit kurzem laufen aber die Kartierarbeiten zur Bewertung von Gewässern, Feldern, Wäldern und Mooren und Arten.

Bewertung von verschiedenen Lebensraumtypen und Arten

Bewertet werden nur jene Lebensraumtypen und Arten, die an die EU gemeldet worden sind. Dazu gehören Lebensräume wie z. B. nährstoffarme bis mäßig nährstoffreiche Stillgewässer, Pfeifengraswiesen, kalkreiche Niedermoore, Moorwälder oder Auwälder mit Erle und Esche und zahlreiche Pflanzen-, Fisch- oder Vogelarten.

Auf Nachfrage der Bauern zu Auswirkungen von NATURA 2000 z. B. im Eschen-Erlen-Auwald erklärte Holst, dass es im Hinblick auf das Eschentriebsterben im Rahmen des „Verschlechterungsverbots“ durchaus Einschränkungen z. B. bei der Baumartenwahl bei Pflanzungen geben könnte. Ein großflächiger Ersatz absterbender Eschen durch z. B. Fichtenpflanzung sei aus NATURA-Sicht problematisch. Die Bauern wurden gebeten, sich im Zweifelsfall an den zuständigen Förster oder an das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten oder die untere Naturschutzbehörde zu wenden, um der Verordnung gerecht und über eventuelle Fördermöglichkeiten unterrichtet zu werden. Anhand einer eigens zusammengestellten Broschüre erläuterte der Referent verschiedene Lebensraumtypen und Arten, deren Schutz im Visier von NATURA 2000 ist und fügte hinzu: „Bayern versucht in diesem europäischen Projekt einen liberalen Weg zu gehen. In anderen Bundesländern wurden die NATURA 2000-Gebiete als Naturschutzgebiete mit all ihren Ge- und Verboten ausgewiesen. Geht mit Euren Anliegen, Erfahrungen und Empfehlungen auf Eure Politiker zu, damit diese von der Basis und von den Betroffenen informiert werden“.

Letztlich hielt Holst fest: „Der Management-Plan, der das Ergebnis der Kartierungen wider gibt, den Zustand der Schutzgüter bewertet und Maßnahmen vorschlägt/plant, was besser gemacht werden kann, ist nur behördenverbindlich. Für die Grundstücks-Eigentümer und Nutzer hat er lediglich Hinweischarakter, nur das Verschlechterungsverbot ist zu beachten. Die Durchführung von Maßnahmen erfolgt auf freiwilliger Basis. Mit dem Ende der Kartierungsarbeiten und der Fertigstellung des Managementplanentwurfs ist voraussichtlich im Jahr 2023 zu rechnen “.

Peter Fischer, der ebenso wie seine beiden Gemeinderatskollegen Martin Kollmannsberger und Hans Wallner an der Versammlung teilnahm, bedankte sich namens der Bauernverbands-Ortsverbände Prien und Wildenwart bei NATURA-2000-Gebietsbetreuer Uwe Holst für dessen Erläuterungen. Dieser stellt für Interessierte die Informationsbroschüre gerne kostenlos zur Verfügung, angefordert werden kann diese über das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Rosenheim, Telefon 08031-3004-2021 oder per email über poststelle@aelf-ro.bayern.de.

Fotos: Hötzelsperger – Referent Uwe Holst im Gasthaus Alpenblick

Foto: Titel der Broschüre Natura 2000

Ansprechpartner: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim, Gebietsbetreuer NATURA 2000 Wald, Uwe Holst, Tel. 08031-3004-2021

Weitere Informationen:  www.bmu.de/themen/natur-biologische-vielfalt-arten/naturschutz-biologische-vielfalt/gebietsschutz-und-vernetzung/natura-2000

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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