Corona-Krise

Post-Covid-Ambulanz am kbo-Isar-Amper-Klinikum Haar erhält großen Zulauf

Viele Menschen, die eine Covid-19-Erkrankung überwunden haben, stehen erst am Anfang eines Leidenswegs. „Genesen heißt nicht immer gesund“, erklärt Dr. Katharina Grobholz, die die Post-Covid-Ambulanz am kbo-Isar-Amper-Klinikum Haar leitet. Wir sprachen mit der Oberärztin über das neue Post-Covid-Syndrom, für das bereits mehr als 200 verschiedene Symptome beschrieben wurden.

Warum wurde eine Post-Covid-Ambulanz am kbo-Isar-Amper-Klinikum Haar eingerichtet?

Dr. Katharina Grobholz Bereits ab der zweiten Welle sind mir auf unserer Corona-­Station erste Long-Covid-Patienten begegnet, die nicht mehr infektiös waren, aber noch unter Restsymptomen litten, zum Beispiel Erschöpfungszuständen. Mit steigender Pandemiedauer kristallisiert sich nun zunehmend die Bedeutung dieses Krankheitsbildes heraus. Da wir dieses nicht heilen können, stehen neben einer symptomorientierten Behandlung Aspekte wie die Aufklärung über die Erkrankung, die Alltagsplanung und das Energiemanagement im Vordergrund.

Es geht also darum, mit den Einschränkungen leben zu lernen?

Grobholz Ja, hier sehe ich die Rolle psychiatrischer, psychosomatischer und psychotherapeutischer Behandlungsansätze im Rahmen einer multidisziplinären Behandlung.

Was leistet die Ambulanz?

Grobholz Die Ambulanz bietet Patientinnen und Patienten eine fachgerechte Diag­nostik an. Bisher wurden mehr als 200 verschiedene Symptome für das Post-Covid-Syndrom beschrieben. Es kann mitunter schwierig sein, zwischen einer Depression, einer Angststörung, anderweitigen psychischen Erkrankungen bei Long-Covid oder einem Post-Covid-Syndrom beziehungsweise einer Mischproblematik zu unterscheiden. Die Ambulanz soll Betroffenen Sicherheit bei der Diagnose bringen. Sie hilft dabei, ihre Krankheit zu akzeptieren und Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Sie zeigt Möglichkeiten auf, um Symptome zu lindern und den Alltag zu bewältigen.

Wie unterscheidet man eine Corona-Erkran­kung von Long-Covid und Post-Covid?

Grobholz Bis zu vier Wochen lang kann von einer akuten Corona-Erkrankung gesprochen werden. Alles, was ab diesem Zeitpunkt an Beschwerden bis zu zwölf Wochen anhält, bezeichnet man aus medizinischer Sicht derzeit als Long-Covid. Beschwerden, die über zwölf Wochen hinausgehen, werden als Post-Covid-Syndrom bezeichnet.

Ruft ein Post-Covid-Syndrom Depressionen hervor?

Grobholz Eine depressive Verstimmung sowie Angst und Schlafstörungen werden als Symptome des Post-Covid-Syndroms beschrieben. Grundsätzlich besteht wie bei jeder chronisch verlaufenden Erkrankung ein erhöhtes Risiko, an einer affektiven Störung zu erkranken.

Wie behandelt man Corona-positive Personen in seelischer Not?

Grobholz Wir haben Corona-positive Patientinnen und Patienten mit Erkrankungen aus dem gesamten psychiatrischen Spektrum. Eine besondere Herausforderung ist es, sowohl der Infektion mit strengen ­Hygienemaßgaben als auch dem psychiatrischen Behandlungsauftrag gerecht zu werden. Für die Betroffenen stellt die Infektion, die ja eine Isolation erfordert, in ihrer seelischen Not eine immense zusätzliche Belastung dar. Das stellt alle betei­ligten Personen vor große Herausforderungen.

An wen sollten sich Betroffene oder Angehörige wenden, um in ein passendes Angebot vermittelt zu werden?

Grobholz Die primäre Vorstellung sollte beim Hausarzt erfolgen. Je nachdem, welche Symptome im Vordergrund stehen, wird dann eine Vorstellung beim Facharzt oder in einer Spezialambulanz empfohlen.

Was möchten Sie Betroffenen und Angehörigen auf den Weg geben?

Grobholz Erfreulicherweise ist die Prognose für viele Symptome gut. Beispielsweise sind nach sechs Monaten die Riechstörungen bei bis zu 90 Prozent der Betroffenen wieder verschwunden. Aus unserer Sicht ist es deshalb von großer Bedeutung, die Hoffnung zu vermitteln, dass Besserung eintreten kann.

Dr. Katharina Grobholz ist Fachärztin für Neurologie und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Im März 2020 hat sie die oberärztliche Leitung des Corona-Bereiches für das kbo-Isar-Amper-Klinikum Haar übernommen.

Kontakt zur Post-Covid-Ambulanz

Interview und Foto: Bezirk Oberbayern

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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