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Nachbericht: Hochzeitsladertreffen in der Oberpfalz

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Einen humorvollen Tag in weiß/blau erlebte das oberpfälzische Berg am Sonntag beim 58. bayerischen Hochzeitsladertreffen. Hochzeitsladerin Christa Riel hatte heuer ihre Kollegen eingeladen. Bei berstendem Saal zeigten die Berger Kirwakinder und Kirwaleid und Hochzeitslader ihr Können und die Progoder tauschten sich während des Tages aus.

Viele Hochzeitsladerkollegen aus ganz Bayern konnte Ausrichterin Christa Riel an ihrem Wohnort – trotz Wetterkapriolen – begrüßen. Mit einem Weißwurstfrühstück startete der Tag. Die Gruppe „Nix für unguat“ sang zusammen mit der Hochzeitsladerin schon dort den Besuchern ein Ständchen. In humorvoller Art kommentierten sie die körperliche Entwicklung im Alter „ Früher words a Augenschmaus, doch jetzt geht eich die Luft scho aus, doch Silikon des dan ma eich ned a“. Auch die bayerischen Rundungen der Männer wurden gezielt aufs Korn genommen: „Auch mancher Mann hat das Problem, die Knie hod er scho lang nemma geseng“.

Wie es sich gehört stellten sich die Hochzeitslader zum Kirchenzug auf und zogen im Gleichschritt bei Musikbegleitung gesammelt in die Kirche ein. Die Pilsachtalersänger gestalteten die Feier mit der Waldlermesse in Dialekt gekonnt und sangen zum Ausgang zusammen mit der Ausrichterin ein Duett auf bayrisch. Kevin Litwitz aus Berg hatte die musikalische Gesamtleitung übernommen. Pfarrer Martin Fuchs gab in der Predigt eine Premiere, wie er sagte, und sprach zu der auf den letzten Platz besetzten Kirche in Dialekt kurzweilig und humorvoll über seine Erfahrungen mit einem Hochzeitslader auf einer Hochzeit die er in vollen Zügen beim Brautstehlen damals miterlebte. Während der Predigt stützte sich der Ortspfarrer ab. Er habe „wie ein Hochzeitslader auch einen Stecken – und zwar einen Bischofsstab“ mit dem er alle Schäflein zu sich ziehen könne. Im Anschluss an die würdige Feier wurde sich zum Gruppenfoto mit allen Anwesenden Hochzeitsladern und Beteiligten des Tages aufgestellt. Selbst dieser Tagesordnungspunkt war kurzweilig kommentiert von den Gästen.

Im voll besetzten Gasthaus Knör sprach Pfarrer Fuchs auch das Mittagsgebet und fügte im Anschluss spitzbübisch an „Lieber Gott hilf mir am Tisch, dass ich es größte Stück erwisch“. Nach dem Anwesenheitsabgleich der Mitglieder wurde gemeinsam das Mittagessen eingenommen.

Mit humorvollen Worten übergaben die Vorjahresausrichter Hans Hollerieth und Sepp Goldmann die Glocke an die diesjährige Ausrichterin. Christa Riel sprach in Reimform zu den Gästen und dankte dabei auch ihrem Paten:

„Meim Hoxatladerpaten Albert Donhauser sog i heid herzlich Dankschee,
mit eam durfte i damals zum Lerna bei mehrere Veranstaltungen mitgeh!

Am Anton Speer seim Treffn hoda gsagt, fralle mache i a ra Frau in Geht,
entscheidend is, das sie hinter dem wos sie macht sauwa steht.

So offen wia da Albert woll ma alle sei,
so kimma wos bewirkn, genga schiane Traditionen ned ei.“

Es beste Beispiel san doj unsare Berga Kirwaleid,
seit 15 Johr lebt die bayerische Kirwa hier wieda auf – aba gescheid!

Es beste Beispiel san doj unsare Berga Kirwaleid,
seit 15 Johr lebt die bayerische Kirwa hier wieda auf – aba gescheid!

Heind danzns a – dass es trainiert hob derm –  is ma a Ehr,
und a unsare klona sauwan Kiwakinda werds heind nu sehr.

Weil i moan es is bsundas wichtig die Junga feste Wurzeln zu gebm.
Dass ned umfalln in dem heindign oft rastlosen Lebm.

Kontinuität brauchts – drum feia ma a heia 100 Jahre Freistaat Bayern,
auf des, d Gsundheit und unsa Treffen woll ma es Glas heb und a bisl Feian!“

Selbst aus Kiefersfelden und dem Ammergau wurde mit Bussen zum Treffen angereist. Auf Initiative von Christa Riel erschienen auch viele Oberpfälzer Hochzeitslader wie Tom Swing aus Miltach, Weber Bene aus Sattelpeilstein, Christian Bräu aus Roding, Sepp Grünbeck aus Dietfurt, Hubert Stettmeier aus Plattling. Sie wurden allesamt mit noch weiteren Hochzeitsladern, die Riel eingeladen hatte, in die Zunft aufgenommen. „So viele Neuaufnahmen waren es schon lange nicht mehr“, stellte Chronist Christian Glas aus Eggstätt erfreut fest.

Spritzig war der Auftritt der Kirwakinder. Hochzeitsladerin Christa Riel hatte die Kindergruppe für die Kirwa trainiert in Kooperation mit der Mittagsbetreuung der Schule. Die 3-11jährigen bestachen mit ihrem Tanz „Hans bleib da“ und ihren süß-frechem Charme sowie Schlachtrufen: „Wer hod die schianst Kirwamamas? Mir hobm die schianstn Kirwawamamas! Wos san unsare Papas? Ganz schiane Manna!“ Die begleitenden Eltern der jungen Künstler konnten wahrlich stolz auf ihre Kinder sein.

Viel Schwung brachte der gekonnte Auftritt der Kirwaleute Berg in den regelrecht brodelnden Saal. Im Verlauf des Tages sprach Bürgermeister Helmut Himmler auch in seiner Funktion als stellvertretender Landrat ein Grußwort. „Es ist einfach großartig mit den Hochzeitsladern aus ganz Bayern“, meinte Bürgermeister Helmut Himmler bei seiner Ansprache im Gasthof Knör und dankte Hochzeitsladerin Christa Riel für die Organisation des Treffens an ihrem Wohnort. Berg sei es eine Ehre Gastgeber zu sein. Unter den illustren Gästen war neben Bürgermeistern, Altbürgermeistern, Bezirksräten auch Landrat Anton Speer aus Garmisch-Partenkirchen – zugleich langjähriger Hochzeitslader in seinem Landkreis. Allesamt seien die Lader „einmalige Zeitgenossen mit ausgeprägtem Humor. Wir in Bayern leben mehr als andere Regionen im Bewusstsein unserer großen Geschichte und in unseren Traditionen und das sollte auch so bleiben!“, betonte Helmut Himmler. Der Bürgermeister sprach auch in Vertretung von Landrat Willi Gailler – und wünschte den Ladern viel Freude und Humor bei der Arbeit im neuen Jahr 2019.

Selbstverständlich durfte im Festjahr „100 Jahre Bayern“ Riels kleine musikalische Ehrerweisung „Bayern do bin i dahoam“ und die Bayernhymne auf dieser Veranstaltung nicht fehlen. Ein Höhepunkt der Veranstaltung war der Beitrag von Gründungsmitglied Bertl Heigl aus Heufeld. Gekonnt, tiefsinnig und launig reimte er über die Ausrichterin und ihr berufliches und gesellschaftliches Engagement. Der zum Bersten gefüllte Saal – die Zuschauer aus Berg standen teils um an dem Ereignis teilhaben zu können – dankte es ihm zusammen mit allen Hochzeitslader mit stehenden Ovationen. Im Anschluss begann das Gstanzlsingen. Ein Brauchtum, das nicht in allen Regionen Bayerns beim Hochzeitsladen üblich ist, aber insbesondere in der Oberpfalz gerne gepflegt wird. Josef „Bäff“ Piendl lief zusammen mit Tom Swing und Weber Bene in Begleitung von den Sparifankerln zu Höchstformen auf und sang vor allem im Wettstreit mit Hans Hollerrieth aus Kiefersfelden – und anderen Hochzeitsladern- zünftig aus.

„Ein sehr schönes Treffen war das heute bei der Christa Riel “, resümierten die Teilnehmer. Bis tief in den Abend verblieb die Gruppe der Hochzeitslader um Anton Speer in der Oberpfalz. In 2019 treffen sich die Ehrvoda und Progoder dann in Traunstein. Alois Rieß wird das 59. Hochzeitsladertreffen ausrichten.

Bilder und Videos von der Veranstaltung sind zu finden unter www.die-laderin.de/hochzeitsladertreffen.html.

Text und Foto: Christa Riel

Anhang: Dank der Ausrichterin

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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