Kultur

Museumsverein Torfbahnhof Rottau e.V. – 100 Jahre Torfbahnhof Rottau

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Vor einhundert Jahren wurde 1920 bei km 33,6 an der Eisenbahnlinie Rosenheim – Salzburg auf Betreiben der privaten und kommunalen Torfwirtschaft eine sogenannte Privatladestelle errichtet. Hier sollte der nach dem verlorenen 1. Weltkrieg enorm gestiegene Bedarf an Torf als Brennstoff und damit Kohleersatz aus den Kendlmühlfilzen auf Waggons der Bayerischen Staatsbahn verladen und versendet werden. 1927 wurde dann an dieser Stelle zusätzlich eine Torfstreufabrik errichtet, um Aufarbeitung und Verladung des Torfes an einer Stelle zu bündeln. Dieses erste Fabrikgebäude brannte im Dezember 1931 vollständig ab und wurde kurze Zeit später 1932 größer wieder aufgebaut.

Die damalige Gefangenenanstalt Bernau übernahm 1940 den Betrieb der Anlage von den staatlichen Landestorfwerken und erweiterte die vorhandenen Gebäude. Mit einer Unterbrechung von Juli 1945 bis April 1949 war die heutige Justizvollzugsanstalt bis ins Jahr 1971 der alleinige Betreiber der Torfstreufabrik und damit des Torfbahnhofs Rottau. Unzählige Gefangene mussten hier in den Kendlmühlfilzen schwerste körperliche Arbeit beim Abbau des Torfes im Moor verrichten. Anfang der Siebzigerjahre ging die Nachfrage nach Brenn- und Streutorf in Bayern stark zurück und führte aus wirtschaftlichen Gründen zur Einstellung des Betriebs durch die JVA Bernau im Jahr 1971. 1976 übernahm die niederbayerische Firma Samen-Maier durch Pacht die Anlagen und Abbaugebiete im Moor von der JVA und mechanisierte den Torfabbau durch sogenannte Torffräsmaschinen zur Herstellung von in Kunststoffsäcken verpackten Torfgartenerden. 1988 endete der Torfabbau durch dieses Unternehmen auch durch zunehmenden Druck aus der Bevölkerung hinsichtlich des Naturschutzes in den Kendlmühlfilzen.

Es stand der Rückbau der gesamten Anlage und der Gebäude durch die JVA an. Hier schlug nun die Stunde von Claus Dieter Hotz aus Grassau und seiner damaligen Mitstreiter. Mit großem persönlichen Einsatz konnte im August 1988 eine Aufnahme des Ensembles Torfbahnhof mit den Gleisanlagen der Feldbahn in die Landesdenkmalliste erreicht werden. Nun galt es den weiterhin drohenden Abbruch der historischen Gebäude zu verhindern und diese einer künftigen Nutzung als Industriedenkmal und Museum zuzuführen. Dazu wurde am 6.Juli 1989 unter Claus Dieter Hotz als erstem Vorsitzenden der „Verein für Industrie- und Technikgeschichte im südlichen Chiemgau e.V.“ in Grassau gegründet. Gegen damals teils erhebliche Widerstände aus den Rathäusern in Grassau und Übersee gelang es den Abbruch zu verhindern und mit der Deutschen Bahn einen Pachtvertrag abzuschließen für die auf deren Gelände liegenden Gebäude des heutigen Museums und des Torfbahnhofs mit der einzigartigen Torfballenpresse. Der Verein schaffte es 1991 erhebliche Zuschüsse für Notsicherungsmaßnahmen für den Erhalt der Gebäude vom Landkreis Traunstein und später auch von anderen staatlichen Stellen zu erhalten. 1997 konnte dann das „Bayerische Moor- und Torfmuseum“ eröffnet werden. Später gelang es endlich auch das südlich des Torfbahnhofs gelegene Gelände mit drei Gebäuden und weiteren Gleisen dauerhaft von der JVA zu pachten. Somit war der Erhalt und der Betrieb des gesamten unter Denkmalschutz stehenden Ensembles durch den Verein gesichert.

Die immer zahlreicher werdenden Mitglieder des Vereins leisteten in ihrer Freizeit unzählige unbezahlte Stunden ehrenamtlicher Arbeit zum Erhalt und Ausbau des Museums und der Feldbahn. Großzügige private Spender und öffentliche Zuschüsse unterstützten all die Jahre den Verein. Im Dezember 2010 wurde der heutige Museumsverein Torfbahnhof Rottau e.V. Nachfolger des VITG und Träger des Bayerischen Moor- und Torfmuseums, heute Museum Torfbahnhof genannt. Claus Dieter Hotz gab 2012 den Vereinsvorsitz ab und beendete seine aktive Zeit im Museum Torfbahnhof. Angestoßen vom damaligen Vereinsvorsitzenden Ekkehard Barchewitz , konnte im letzten Jahr eine weitere umfangreiche Restaurierung der denkmalgeschützten Gebäude unter Einsatz beträchtlicher Geldmittel von kommunalen und staatlichen Geldgebern erfolgreich abgeschlossen werden.

Der Verein hat mittlerweile 125 Mitglieder. 15 besonders aktive Mitglieder widmen sich in ihrer Freizeit dem Erhalt, der Pflege und Weiterentwicklung der Gesamtanlage Torfbahnhof und natürlich dem Betrieb des bei Besuchern äußerst beliebten Museums. Dabei kommt es schon mal vor, dass bei der Landschaftspflege sich ein vermeintlicher Ast als Kreuzotter oder eher harmlose Schlingnatter entpuppt.

Die für uns alle einschneidenden Beschränkungen durch das Auftreten des Corona – Virus haben auch vor dem Museum Torfbahnhof nicht halt gemacht. Die für Juli geplante Feier zum 100-jährigen Jubiläum musste auf 2021 verschoben werden. Momentan ruht der Museumsbetrieb. Es ist ein eingeschränkter Neustart entsprechend den geltenden Hygieneregeln evtl. für August geplant. Es muss hierbei aber auch auf die Gesundheit der den Risikogruppen angehörenden und im Museum tätigen Mitglieder Rücksicht genommen werden. In der Zwischenzeit nutzen die Aktiven die Zeit für eine Erweiterung und Ertüchtigung der Feldbahngleise und eine behutsame Neugestaltung der Ausstellung im Museum.

Bericht und Fotos: Museumsverein Torfbahnhof Rottau e.V.  – Erik Baugut, 1. Vorsitzender

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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