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Kino-Geschichte im Bauernhausmuseum Amerang

Kino in der Schule – das gab es bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts! Das Bauernhausmuseum Amerang des Bezirks Oberbayern zeigt vom 12. Mai bis zum 3. November 2019 unter dem Titel „Als das Kino in die Schule kam…“ eine Ausstellung über Schulfilmvorführungen im ländlichen Oberbayern von 1926 bis 1929. In der Weimarer Republik erlebte das neue Medium Film eine seiner größten Blütezeiten. Das Wanderkino war sesshaft geworden, und in Stadt und Land entstanden Lichtspielhäuser. Parallel kamen Bestrebungen auf, bewegte Bilder auch im Unterricht und an den Schulen als Lehrmittel einzusetzen.

Die Ausstellungsstation im Bauernhausmuseum Amerang spürt dem Unternehmer Max von Allweyer nach, der mit seinen Vorführungen Volksschulen in Oberbayern besuchte. Im Rahmen seiner Tourneen brachte er Schüler erstmals mit „lebenden Bildern“ in Kontakt. Zu sehen ist unter anderem ein handschriftlicher Programmzettel. Im ersten Teil „Erdkunde“ kam „Die Partnachklamm bei Garmisch im Winterkleide“ zur Vorführung, danach unter dem Titel „Ausland – Europa“ ein Blick in die Schweiz mit „Die Besteigung des Gabelhorns“. Es folgte der zweite Teil „Naturkunde“, der Säugetiere, Reptilien und Vögel präsentierte.

Max von Allweyer beschloss seine Programme in der Regel mit einer Humoreske oder einem Märchen, hier waren es  „Puppenspiele für unsere Kleinsten“.

An einer Medienstation können sich die Besucher vergleichbare historische Stummfilme zur Geschichte des Unterrichtsfilms anschauen. „An der Silberküste“ wurde von der Kritik als ein „schöner Naturfilm“ gelobt, dessen „herrliches Wellenspiel das Auge des Beschauers fesselt.“ „Im Zoologischen Garten“, ein früher handkolorierter Film, zeigt eine Aneinanderreihung von Tieraufnahmen, darunter ein Zebra, eine Giraffe und ein „Elentier“, also einen Elch. Das „Mahl der Robben beschließt diesen Streifen. Die „Eisenbahnfahrt von Kandy nach Colombo“ illustriert die exotische Vegetation mit Dschungel und Reisfeldern auf der Insel Sri Lanka im Indischen Ozean.

Ein besonderes Exponat ist der 35mm-Filmprojektor „Optica“ der Firma Bing, hergestellt Mitte der 1920er Jahre. Er war relativ preiswert, leicht zu transportieren und eignete sich deshalb gut für Wander- und Schulkinovorführungen. Lediglich die Lampe benötigte einen Stromanschluss. Angetrieben wurde er von Hand mit Hilfe einer Kurbel. Auch Filmkameras wurden bis zum Ende der 1920er Jahre vorwiegend manuell in Bewegung gesetzt, daher die Redewendung einen „Film kurbeln“. Die Ausstellungsstation im Bauernhausmuseum Amerang gehört zur Sonderausstellung „Eine neue Zeit. Die Goldenen „Zwanziger“ in Oberbayern“, die bis zum 1. Dezember 2019 im Freilichtmuseum Glentleiten des Bezirks Oberbayern zu sehen ist.

Bericht und Fotos: Bauernhausmuseum Amerang

Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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