Brauchtum

Gauwallfahrt des Oberen Lechgau-Verbandes in die Wieskirche

Am 1. Juni 2020 wäre die 30. Wallfahrt der Trachtlerinnen und Trachtler des Oberen Lechgau-Verbandes in die Wies gewesen. Doch aufgrund der Situation um das Corona-Virus mit den Beschränkungen sollte sie an diesem sonnigen Pfingstmontag nicht sein. Dass die Wallfahrt trotzdem Fuß gefasst hat in den vergangenen drei Jahrzehnten zeigt, dass sich aus den Gauvereinen auch heuer wieder einzelne Wallfahrer zu Fuß auf den Weg zum Gegeißelten Heiland auf der Wies machten wie es im Wieslied heißt „nun so will ich alles lassen, auf die Wies zu Jesus geh’n“. Glaube gibt Kraft und stärkt die Menschen. In der Messe an diesem Tag wurde von Wiespfarrer Gottfried Fellner der verstorbenen Mitglieder des Oberen Lechgau-Verbandes gedacht.

Die Gauwallfahrt zur Wieskirche ist ein Beispiel für einen Brauch, der erst in unseren Tagen entstanden ist. Der Obere Lechgau-Verband hatte, im Gegensatz zu anderen Gauen, keine eigene Wallfahrt. 1991 schlug Max Bertl, der damalige Gauvorstand, angeregt von der Wiedereröffnung der Wieskirche nach der langjährigen Renovierung, eine Wallfahrt von der Landvolkshochschule über Schwarzbach zur Wies vor, mit einem feierlichen Wallfahrtsgottesdienst und anschließenden Gartenfest im Garten des Wiesbauern. Fast einstimmig sprachen sich die Vereine dafür aus, jedes Jahr eine solche Wallfahrt am Pfingstmontag abzuhalten. Das Kreuz, die Gaustandarte und die Vereinsfahnen führen den Wallfahrtszug an, es folgt der Kurat der Wieskirche, danach der Gauausschuss und die Vereine. Die Messe wird gestaltet durch Sänger und Musikanten des Gaues.

Seit 1997 besitzt der Obere Lechgau-Verband eine eigene Wallfahrtsstange. Sie zeigt auf der einen Seite den Wiesheiland, zu dem die Prozession führt, auf der anderen den Hl. Magnus, den Patron von Füssen, dem Sitz des Oberen Lechgau-Verbandes. Umgeben sind diese geschnitzten Bilder von 24 kleinen gemalten Medaillons mit den Altarbildern der Kirchenpatrone der Heimatorte der Gauvereine.

Der Vorstand des Vereins, der das diesjährige Gaufest ausrichtet, trägt die Wallfahrtsstange und 2008 errichtete der Obere Lechgau-Verband am Wallfahrtsweg ein großes Feldkreuz, das Bischof Walter Mixa feierlich weihte. Die Christus-Figur wurde vom Holzbildhauer Georg Meßmer aus Unterammergau geschnitzt, das Holzkreuz vom damaligen 1.Gauvorstand Max Bertl angefertigt und steht auf einem großen Findling aus der Gemeinde Schwangau.

Diese Wallfahrt zeugt jedes Jahr auf`s Neue vom Glauben der Trachtler. Steht doch das Kreuz in der Wies auf einem wunderschönen Platz, der sicher vielen Menschen als Wegbegleiter und Wegweiser in unserer Zeit Kraft schenken wird.

Bericht und Foto: Marlene Köpf – Archivbild Gauwallfahrt

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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