Der Ritterbund Falkenstein – im Jahre 2001 als e.V. mit Vereinssitz in Flintsbach gegründet mit dem Zweck unsere Heimat- und Zeitgeschichte vor 800 Jahren lebendig darzustellen und zu vermitteln“, heißt es auf der Website des Vereins.

Die Männer und Frauen vom Ritterbund Falkenstein e.V. kommen verstreut aus ganz Bayern. In den Darstellungen des Ritterbunds und seiner „Kreuzzüge“ gehen sie verschiedenen Neigungen nach und eignen sich dabei unterschiedliche Fertigkeiten an. Das heißt, nicht jede/r möchte unbedingt ein Ritter sein oder den Grafen darstellen. Es gibt viele andere Möglichkeiten, das Mittelalter für sich zu entdecken, ob als Schmied, Gerber, Färber, sogar als Schuster oder aber als Magd der Frau Gräfin.

Im 11. Jahrhundert nach Christus lebten Graf Siboto IV. sowie sein Sohn Siboto V. in der Region Rosenheim. Das damalige Leben spielte sich vor allem tagsüber ab, es gab weder Strom noch sanitäre Einrichtungen. Man kann sich wohl schwerlich vorstellen, wie Menschen damals gelebt haben.

Franz Weinhart hat vor 20 Jahren den „Ritterbund Falkenstein e.V.“ gegründet, einen Verein, der sich der Pflege der Tradition und vor allem der geschichtlichen Aufbereitung verschrieben hat.

Wie er mir erzählt, stammt das Wissen über diese Zeit vor allem aus Schriftstücken, die für etwaige Nachkommen angefertigt wurden.

Im Falle von Siboto IV. wurde vor Abreise in die Schlacht um Jerusalem der „Codex Falkensteiniensis“, ein Schriftstück, das Auskunft über seine „Lehen“ gab, angefertigt. Ein Schriftstück, über seine Güter, Besitztümer und Ländereien in der Region rund um Herrenchiemsee.

Es ist heute im Museum für bayerische Geschichte in Regensburg aufbewahrt.
Kurz nach Abfassung des „Codex Falkensteiniensis“ musste besagter Siboto IV. nämlich in die Schlacht um Jerusalem ziehen und gegen die feindlichen Truppen des Kaiser Barbarossa kämpfen.

Mit ungewissem Ausgang…

Da die Sprache in hochmittelalterlichen Schriftzeichen verfasst ist, fiel es den Entdeckern nicht leicht, alles zu entziffern. Erstaunlicherweise existierten jedoch Wörter, die heutigen bayrischen Ausdrücken lautmalerisch ähneln. Zur damaligen Zeit wurde Latein oder mittelhochdeutsch verwendet, um sich mitzuteilen. Dies war wohl vor allem den damaligen Adeligen vorbehalten.

Aus dem Leben der einfachen Bauern und Lehensgebern ist tatsächlich sehr wenig erhalten. So kann man unter anderem verschiedene Illustrationen betrachten, die sich mit den damaligen Lebenssituationen der Grafschaftsbewohner befassen.

Andere Abbildungen zeigen wie Graf Siboto IV. auf dem Schlachtfeld kämpft.

Aber worauf ist beim Ritterbund Falkenstein e.V. am meisten zu achten, wird man zu einem der erlesenen Abende eingeladen?

Es gilt, die Regeln zu befolgen, die aus einem pergamentenen Schriftstück, einer Art Rolle aus dem 10. Jahrhundert, vom Rangältesten vorgetragen werden – was allen Anwesenden immer offensichtlich ein recht spannendes Vergnügen bereitet.

Überraschenderweise trägt die Frau Gräfin während unseres Gesprächs – wie aus dem Nichts – eine Flasche Bier auf. Wir probieren es aus den Steinkrügen.

Unser einhelliges Urteil: Erfrischend mild und dennoch mit einer schönen Hopfennote versehen – empfehlenswert.

Wie es beim Ritterbund weitergeht, ist unter dem „Calendarium“ auf der Website zu erfahren.

Text: cl – Fotos: re

Beitrag entstand in Kooperation mit dem Wendelstein Anzeiger – www.wendelstein-anzeiger.de

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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