Allgemein

Die Ruine Auerburg in der Gemeinde Oberaudorf

Den idyllischen Ort Oberaudorf im bayerischen Inntal überragt ein markanter Felskegel, dessen Gipfel eine von Bäumen teilweise verdecke Burgruine trägt. Diese Ruine Auerberg ist zu Fuß vom Burgtor-Museum in nur wenigen Minuten nach kurzem Aufstieg leicht zu erreichen. Ein Besuch der Burgruine lohnt sich nicht nur wegen des großartigen Blickes über das Inntal sowie auf das Kaisergebirge, sondern auch wegen der behutsamen Sanierung und anschaulichen Erschließung dieser Burgreste. Diese sind jederzeit kostenfrei begehbar.

Die Auerburg ist natürlich ein Schwerpunkt im ortsgeschichtlichen Burgtor-Museum, welches von Mai bis Oktober jeden Dienstag und Sonntag von 14 Uhr bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung (Telefon 08033/30120) geöffnet ist. Vom Burgtor-Museum am Südende des Ortes führt ein ausgeschilderter Weg in wenigen Gehminuten auf die Auerburg. Wie man an den tiefen Wagenspuren im Felsboden erkennen kann, handelt es sich um den alten Burgweg. Er endet am äußeren Rand des mächtigen Halsgrabens. In historisch angenäherter Form überbrückte ab 1994 eine neu errichtete Holzbrücke den komplett aus dem Kalkfels herausgehauenen Halsgraben und mündet in das Tor-Vorwerk, die sogenannte „Barbakane“ (inzwischen musste die Holzbrücke durch eine metallene Konstruktion ersetzt werden). Das Tor-Vorwerk wurde 1492 bis 1495 zum besseren Schutz des Haupttores errichtet.

Geschichtliches zur Burgruine Auerburg

Das Haus der Bayerischen Geschichte (www.hdbg.eu/burgen) fasst in einem Beitrag von Joachim Zeune die Geschichte der Auerburg wie folgt zusammen: „In den Jahren 1164-70 erscheint ein Propst Willehalm de Ourdorf in Diensten der Grafen von Falkenstein. 1247 gelangen die bayerischen Herzöge in Besitz der Burg, die erst 1329 explizit erwähnt wird. Kurz zuvor erhob man sie zum Pflegersitz bzw. zum Mittelpunkt eines eigenen Landgerichts. 1505 widerstand die Burg einer Belagerung während des Wittelsbacher Erbfolgekriegs. 1620 befand sich die Burg in verwahrlostem Zustand, 1704 wurde sie von österreichischen Truppen niedergebrannt, 1743 von pandurischen Söldnern. Zwei Jahre später wurde die Burg gesprengt. Von 1992 bis 1998 erfolgten Instandsetzungsarbeiten, die in eine aufwändige Erschließung mündeten.“

Grabungsfunde 1992 bis 1998

Während der Grabungen in den Jahren von 1992 bis 1998 wurden Tausende von Funden geborgen, zumeist keramischer Art. Sie gestatten – wie es im Auerburg-Führer heißt – einen ausschnitthaften Einblick in das Leben auf der Auerburg zwischen dem 12. und dem 18. Jahrhundert. Und sie berichten gleichermaßen vom damaligen Alltag wie auch von außergewöhnlichen Ereignissen – bis hin zur ungereinigten Bratpfanne, die die Panduren 1743 bei ihrem Abzug zurückließen und zu Splittern jener kugelförmigen Sprengminen, die damals zum Untergang der Burg  führten. Die Funde reichen zurück bis in die Vorgeschichte und römische Kaiserzeit. Die älteste mittelalterliche Keramik (12. Jahrhundert) besteht aus handgeformten, reduziert gebrannten, oft großvolumigen Töpfen mit Trichterrändern. Spätere Epochen zeigen dagegen eine breite Vielfalt keramischer Formen und Waren, die oft auch von entfernten Orten stammen. Zahlreiche anspruchsvoll gestaltete Ofenkacheln verweisen auf mehrere, sehr schön gestaltete Kachelöfen und somit eine gehobene Wohnkultur, zumindest seit dem 16. Jahrhundert. Rüstungsteile, Sporen, Armbrustbolzen, und Steinkugeln unterschiedlicher Formate erinnern an das kriegerische Element. Dem höfischen Leben zuzuordnen sind Musikinstrumente. Besonders interessant sind Funde, die handwerkliche Tätigkeiten belegen. Künstlich bearbeitete Geweihteile verweisen auf Geweihverarbeitung, ein gläserner Destillierhelm auf Destillation, Schmelztiegel, Bronze- und Zinngusszapfen auf Metallverarbeitung. Zum üblichen Fundgut auf Burgen gehören Speiseabfälle, Kleidungsbestandteile, Tischgeschirr und Münzen.

Fotos: Tourist-Information Oberaudorf  – Eindrücke von der Auerburg bei Oberaudorf

Repros: Historischer Verein Audorf e.V.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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