Leitartikel

Der letzte bayerische Biergarten-Eiskeller

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Hurra, der Eiswagen kommt“! So jubelten wir  in den sechziger Jahren, als die Bierfässer noch mit Natureis gekühlt wurden. Der Filmemacher  Klaus Bichlmeier  erinnert sich an  seine Kindertage.

„Ich bin aufgewachsen in einem uralten Wirtshaus inmitten der Stadt Freising. Am Stadtrand war unser Biergarten ein beliebtes Ausflugsziel. Er stand auf einer leichten Anhöhe. Unter der Wirtschaft war ein riesiger Gewölbekeller, voll mit Bierfässern. Und immer im Winter kamen die Fuhrwerke, um Eis in den Keller zu schütten. Für uns Kinder war dies das Höchste, denn wir durften an den ausgesägten Eisblöcken lecken.

2021 erzählt mir Albert Grillhiesl, dass eine Brauerei auch heute noch diesen Brauch des Kühlens pflegt. Es ist anscheinend die einzige Brauerei in Bayern, die diese Technik noch ausübt,  die Erhartinger Brauerei in der Nähe von Mühldorf. Sofort konnte ich mit der freundlichen Brauereichefin  Amelie Röhrl einen Termin zur Besichtigung  mit der Filmkamera vereinbaren.

Ich war sehr angenehm  überrascht als wir vor den Toren standen. Das Wirtshaus sieht aus wie eine umgebaute Burg auf einem steilen Berg. Und so ist es auch. Das Bauwerk war bis ca 1750 eine Burg , von wo aus man   die Umgebung herrlich überblicken konnte. Die Burg wurde nicht mehr benötigt und dann als Wirtshaus umgebaut. Aber eine Besonderheit hat dieses Gebäude. Es gibt eine  große Küche, aber keinen  Gastraum. Und so kann man auch verstehen, warum dieses Haus sich „Sommerkeller“ nennt. Es ist nur im Sommer geöffnet bei schönem Wetter. Dann sitzen die Leute zahlreich im Biergarten und warten auf die kühle Maß aus dem Eiskeller. Und in diesen Eiskeller kommt man nur von der Küche aus. Die große Holzklappe öffnet uns die Wirtin und führt uns 25 Treppen tiefer in das vermutlich ehemalige Burgverließ, in den Eiskeller. Es hat dort konstant nur ein paar Grad über Null. Eine gespenstige Atmosphäre, wo das Bier noch in Holzfässern  lagert.

Wir waren glücklich,  als wir anschließend bei über 30 Grad  im Biergarten die kühle Maß genießen konnten. Ein aussergewöhnlicher Filmausflug in die alte Zeit, als es noch keine Kühlschränke gab.

Text aus Zeitreise Bayern:  Klaus Bichlmeier

Fotos:  Albert Grillhiesel

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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