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Das Pestkreuz bei Baierbach

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Steinerner Zeuge eines dunklen Kapitels der Geschichte in der Gemeinde Stephanskirchen – ein Beitrag von Karin Wunsam (www.wendelstein-anzeiger.de).

Ein Steinkreuz erinnert im Kielinger Wald an ein finsteres Stück Zeitgeschichte: 1632 brach die Pest in der Gemeinde Stephanskirchen aus und löschte ganze Ortschafen aus. In Kieling soll der Überlieferung zufolge nur ein kleines Mädchen das Massensterben überlebt haben. Autorin Nicole Steyer inspirierte der Besuch bei diesem Kreuz zu ihrem Historien-Roman „Das Pestkind“. Im Gespräch mit dem Wendelstein-Anzeiger erzählt die 43-jährige, was sie bei ihren Recherchen über das Kreuz herausgefunden hat und warum sich dadurch für sie in der Corona-Krise einiges relativiert.

Nicole Steyer lebt in der hessischen Stadt Idstein. Geboren wurde die 43-jährige in Bad Aibling. Das Schreiben hat ihr schon immer großen Spaß gemacht. „In der dritten Klasse habe ich ein Büchlein über einen Frosch geschrieben und für je 50 Pfennig vermarktet“, erzählt sie. Als Mutter von zwei Töchtern hat sie vor einigen Jahren ein Kinderbuch auf den Markt gebracht. Ihre große schriftstellerische Leidenschaft gilt aber historischen Romanen. Wer ihr genau den Tipp gegeben hat, einmal das Pestkreuz in der Nähe des kleinen Weilers Kieling bei Baierbach zu besuchen, weiß sie nicht mehr genau. Dafür erinnert sie sich noch gut an die Gefühle, die dieser Ort bei ihr ausgelöst hat. „Als ich vor dem Kreuz stand, hat mich das unglaublich mitgenommen. Die Geschichte dahinter empfand ich sofort als tief bewegend.“

Das schlichte Steinkreuz selbst soll aus dem Jahr 1632 stammen. Der Stein mit Gedenktafel daneben stammt aber aus jüngerer Zeit. Darauf zu lesen ist, dass während des dreißigjährigen Krieges Pestopfer an diesem stillen Ort bestattet wurden. Auch das kleine Mädchen wird erwähnt. Geschichtlich überliefert ist ihr Überleben durch die schriftlichen Aufzeichnungen des damaligen Stephanskirchener Pfarrers Angerer. Nicole Steyer wollte mehr erfahren über diese Zeit und insbesondere über das Schicksal des Kindes. Sie recherchierte in alten Büchern und Aufzeichnungen.  „Das Leben der Menschen war zu dieser Zeit katastrophal“, meint sie. Vor 700 Jahren erschütterte die „kleine Eiszeit“ Europa. Hunger, Kriege, Revolutionen und Krankheiten waren die Folge. Auch die Region Rosenheim blieb von den Auswirkungen nicht verschont. „Ich glaube, dass es feindliche Soldaten waren, die die Pest nach Stephanskirchen brachten“, so Nicole Steyer. Diesem neuen Feind konnte die Bevölkerung nichts entgegensetzen: „Die Menschen waren dem schwarzen Tod komplett ausgeliefert“.

In ihrem Denken hat sich durch die Beschäftigung mit der Geschichte vieles verändert. „Ich empfinde heute große Dankbarkeit für das Leben, das wir heute führen“, sagt sie. Auch wenn die aktuelle Corona-Pandemie den Menschen viel abverlange, sei die Situation nicht mit der Zeit damals zu vergleichen. „Wir können uns gegen diese Krankheit schützen. Die Menschen damals hatten keine Chance.“ Zu gerne hätte Nicole Steyer bei ihren Recherchen mehr über das Schicksal der einzigen kleinen Pest-Überlebenden aus dem Weiler Kieling erfahren. „Es wäre schön zu wissen, dass es das Schicksal noch gut gemeint hat mit der Kleinen“, so Nicole Steyer. Aber ihre Spurensuche blieb ergebnislos. In dem Roman „Das Pestkind“ hat das Mädchen aber zumindest fiktiv dann doch einen Namen, eine Geschichte und ein Happy-End bekommen.

Wer das Kielinger Pestkreuz besuchen will, folgt von der Baierbacher Kirche aus den mit Schildern ausgewiesenen Rundwegen Eins und Zwei. Hölzerne Wegweiser im Wald weisen dann auf das Pestkreuz hin.

Bericht und Fotos: Karin Wunsam – Bericht in Kooperation mit dem Wendelstein Anzeiger (www.wendelstein-anzeiger.de)

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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