Corona-Krise

Corona-Tagebuch: Schutzschild für Menschen

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Neben der Bildungsnot von Schulkindern ist es vielleicht die schlimmste Folge der Corona-Krise: die Flucht in Alkohol, Medikamente und Drogen. Diese hat in jüngster Zeit “eindeutig zugenommen” – so eine Langfrist-Bilanz beim Blauen Kreuz in München. Der Sprecher dieser Suchthilfe-Organisation, Norbert Gerstlacher, nennt mir auf Anfrage am Telefon die wahrscheinlichen Ursachen. Sie lassen sich in Stichworten etwa so zusammenfassen und schlussfolgernd ergänzen:

Angst vor der unheimlichen Krankheit und allgemein vor der absolut ungewissen Zukunft.

Schon erlebter oder befürchteter Verlust des Arbeitsplatzes oder der finanziellen Existenzgrundlage, wenn Kurzarbeitergeld und Staatshilfen nicht mehr ausreichen.  Kontaktverlust wegen Heimarbeit oder geschlossener Kneipen (sogar die vom Blauen Kreuz betreuten Selbsthilfegruppen mussten teilweise zumachen). Schließlich können familiäre Isolierung und häusliche Enge zur Belastung werden, zumal bei erzwungener Anwesenheit von Schulkindern, was immer häufiger zu  Konflikten, ja Gewaltausbrüchen führt.

Insgesamt eine fatale Entwicklung. Diese psychosozialen Folgen der Krise sind der breiten Öffentlichkeit noch wenig bewusst. Sie treffen besonders die ohnedies schon unterversorgten Bevölkerungsgruppen, etwa Migranten. Sie verschont, aber bei anhaltender Dauer auch nicht die Mittelklasse, etwa selbständige Gewerbetreibende und Kulturschaffende, denen die Einnahmen weggebrochen sind. In solcher Bedrängnis werden immer mehr Betroffene zur Flucht in den Alkohol getrieben.

Ohne soziale Dienste und Einrichtungen würde unsere Gesellschaft nicht mehr funktionieren, meint der bayerische Caritasdirektor Prälat Bernhard Piendl, “Unsere Mitarbeitenden arbeiten seit Monaten am Limit, um die Auswirkungen der Coronakrise abzufedern”. Als Sprecher der Freien Wohlfahrtspflege, deren Mitglieder 75 Prozent aller sozialen Dienst im Land abdecken, fügt Piendl mahnend hinzu: “So wie im letzten Jahr Schutzschirme für die Wirtschaft gespannt wurden, braucht es Schutzschirme für Menschen, die besonders unter den Folgen der Pandemie leiden.”

Bericht: Karl Stankiewitz  – Fotos: Thomas Stankiewitz

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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