Corona-Krise

Corona-Tagebuch: Schlussbilanz unter Vorbehalt

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Ein ebenso schlimmes wie wichtiges Stück Zeit- und Stadtgeschichte – genauer: Gesundheitsgeschichte – nähert sich schneller als gedacht seinem Ende. Sang- und klanglos gewissermaßen, wie vor genau hundert Jahren die dritte Welle der Spanischen Grippe mit ihren 50 Millionen Totesopfern. Momentan überschlagen sich jedenfalls die amtlich verfügten Lockerungen des Lockdown, bis hin zur Aufhebung von Maskenpflicht und Alkoholverbot in der Münchner City. Die „neue Normalität“ scheint angebrochen.

Ende Juni soll auch die Bundes-Notbremse gelöst werden. Da also vorerst nicht mehr viel Neues vom dramatischen Abwehrkampf gegen den Großangriff der neuen Viren zu reflektieren ist, wäre es für mich wohl an der Zeit, mein Corona-Tagebuch nach bald anderthalbjähriger Laufzeit einzustellen. Dies natürlich nur unter VORBEHALT – das Wort sei ganz groß geschrieben. Denn es gibt ja Experten, die zum Herbst, sollten die Sommerferien alle noch unbedingt nötige Hygiene wegschwemmen, eine vierte Welle wie gehabt für dur chaus möglich ahalten. Immerhin „überwintern“ Viren bekanntlich in Wirtstieren.

Wie bei zwei von drei Infektionen – etwa bei Pest, Pocken und Aids – handelt es sich bei Covid-19 um eine Zoonose, eine von Tieren auf Mensch übertragbare Krankheit. Damit befasste Wissenschaftler sagen deren Zunahme voraus. Denn der – großenteils illegale – Handel mit wilden, auch mit exotischen Tieren blüht weltweit. Zunehmen dürften auch neuartige Erreger, denen der „Spill-over“, der Sprung auf die andere Art, gelungen ist. Wuhan, wo alles begann, lässt grüßen.

Bevor ich das Tagebuch zuschlage, will ich aber noch einmal versuchen, aus meiner Münchner Sicht heraus Bilanz zu ziehen: Was hat „Corona“ verändert in meinem unmittelbaren Umfeld? „Alles,“ lautet ein Gemeinplatz. Konkreter wäre zu fragen: Was hat sich durch das „Herunterfahren unseres gesamten öffentlichen Lebens“ (Markus Söder) tatsächlich verschlechtert? Was hat sich ins Gedächtnis eingegraben? Was hat sich unter Umständen vielleicht sogar verbessert? Welche Folgerungen ergeben sich aus alledem?

Bei einer solch rückblickenden Wertung werde ich auf persönliche Erfahrungenm auf Zufälle und auf Spekulationen angewiesen sein. Auch soll unterschieden werden zwischen verschiedenen Lebensbereichen? Im Fokus stehen zum Beispiel – hier bunt gemischt – das öffentliche Gesundheitswesen, Gastronomie einschlieplich Ernährung, Stadt und Verkehr, Kulturbetrieg, Kino, Reisen, Shopping, soziale Ordnung, Kinderbetreuung, Schule und Beruf, Medien.

In den nächsten Folgen möchte ich den Versuch unternehmen, einige dieser Problemfelder nach Soll und Haben zu bilanzieren. Anschließend könnte dieses Tagebuch eines Lebens mi der Seuche enden oder erst mal nur unterbrochen werden – je nach dem vom Bundesgesundheitsminister dann wieder verkündeten „Stand heute“.

Bericht aus dem Corona-Tagebuch von Karl Stankiewitz – Foto: Thomas Stankiewiecz

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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