Allgemein

Bezirk Obb.: Videotelefonie für Menschen mit Schwerhörigkeit

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Die Familie über Skype virtuell zu Kaffee und Kuchen treffen, mit den Kolleginnen und Kollegen ein Feierabendbier über Google Hangouts trinken oder gemeinsam mit den Freundinnen via Zoom an einem Mal-Event teilnehmen: Microsoft Teams, Zoom, GoToMeeting und andere Anwendungen für Online-Besprechungen gehören seit vergangenem Jahr zum Alltag. Mit Videotelefonie die sozialen Kontakte während der Corona-Pandemie aufrechterhalten, das ist eine Entwicklung, die schwerhörige Menschen vor Herausforderungen stellt.

Während sich der ein oder die andere bereits an die neue Kommunikationsform gewöhnt hat, sind besonders für Menschen mit Schwerhörigkeit die Webinare und Onlinekonferenzen eine Herausforderung. „Die große Hürde für die Schwerhörigen ist die psychosoziale Komponente”, erklärt Natascha Klenk. Die Sozialpädagogin berät in der Ingolstädter Servicestelle des Fachverbandes für Menschen mit Hör- und Sprach-behinderung e. V. (BLWG) Schwerhörige unter anderem zum Thema Videotelefonie. Viele Betroffene schließen von vorneherein aus, die Videotelefonie zu nutzen, weil sie fürchten, dass die Tonqualität nicht ausreicht, um etwas zu verstehen. „Da spielt die Angst, sich zu blamieren, eine große Rolle.”

Technische Lösungen für Videotelefonie

Natascha Klenk zeigt während des Einzelcoachings „Einführung in die Videotelefonie” verschiedene technische Lösungen. Zudem gibt sie Tipps zur Kommunikationstaktik für Schwerhörige. Die Beratung dauert etwa 30 Minuten bis eine Stunde, aber auch im Nachgang berät Klenk die Betroffenen bei Fragen. Neben der Sozialpädagogin gehören zwei gut hörende und zwei schwerhörige Kolleginnen sowie ein gehörloser Kollege zu dem Beratungsteam der Informations- und Servicestellen.

Der BLWG berät Menschen mit Hörbehinderungen in allen Altersgruppen, Angehörige oder Mitarbeitende aus Behörden oder medizinischen Einrichtungen. 2020 hat der Verband rund 2020 Beratungsgespräche geführt. Fast 800 Personen und Organisationen haben den Dienst genutzt. Gefördert wird der Verein vom Bezirk Oberbayern und dem Bayerischen Sozialministerium im Rahmen der Offenen Behindertenarbeit. „Uns als Bezirk ist es wichtig, dass wir allen die Chance bieten, an Veranstaltungen, Diskussionen und Versammlungen teilzunehmen. Deswegen ist ein Verband wie der BLWG wichtig, um Menschen ein barrierefreies Leben zu ermöglichen”, betont Bezirkstagspräsident Josef Mederer.

Mit Ängsten und Vorurteilen aufräumen

Seit November 2020 bietet Klenk das kostenlose Einzelcoaching, das bisher 13 Personen in Anspruch genommen haben. Während der Termine räumt sie mit Ängsten und Vorurteilen auf. „Es geht im Einzelcoaching darum, dass man es in einem geschützten Rahmen ausprobieren kann”, erklärt Klenk. Dabei zeigt sie technische Lösungen auf. Unter anderem erklärt sie, wie man das Zubehör von Hörgeräten koppeln kann, Untertitel nutzt oder Apps zur Spracherkennung verwendet.

Ein zentraler Inhalt ist aber auch die Kommunikationstaktik. „Einen offenen Umgang mit der Schwerhörigkeit kann man lernen. Dieser schafft Transparenz und beugt Missverständnissen vor. So ist es wichtig dem Gesprächspartner genau zu benennen, was man in der Kommunikationssituation braucht, eine gute Beleuchtung oder die Vermeidung von Störgeräuschen”, betont die Sozialpädagogin.

Mit ihrer Beratung hat Klenk zu Weihnachten sogar einer Familie geholfen: „Ich hatte mit einer Betroffenen ein Coaching, die mit Technik nichts am Hut hatte und auch nicht deren Familie.” Nach der Beratung hat die Frau ihre Familie mit einem Weihnachts-Meeting über Zoom überrascht. Mit solchen positiven Beispielen möchte Klenk Betroffenen helfen. „Es ist immer noch ein Tabuthema, das mit viel Scham besetzt ist. Viele Leute wissen nicht über das Thema Bescheid und die Schwerhörigen machen negative Erfahrungen und ziehen sich immer mehr zurück.”  (sam)

Kontakt: Natascha Klenk
Informations- und Servicestelle Ingolstadt
Telefon: 0841 99375460
E-Mail: iss-in@blwg.de

 Foto: Natascha Klenk berät seit November 2020 ­Menschen mit Schwerhörigkeit im Bereich Video­telefonie. Foto BLWG

Bericht: Bezirk Oberbayern

 

 

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Samerberger Nachrichten

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!