Leitartikel

Ausstellung „Über die Schwelle“ in der Fachberatung Heimatpflege

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Ab 17.Juli: Mit der Ausstellung „Über die Schwelle“ nimmt die Fachberatung Heimatpflege in Benediktbeuern eine oberbayerische Familie in den Blick: die Haushofers, die sowohl im 19. als auch im 20. Jahrhundert maßgeblich am gesellschaftlichen Leben in Bayern beteiligt waren und sich als Maler, Schriftsteller, Politiker oder Wissenschaftler hervortaten. Der Bezirk Oberbayern  sprach mit Kurator Gerd Holzheimer.

Die Familie Haushofer war über fünf Generationen gesellschaftlich präsent. Warum ist das für das heutige Publikum interessant?

Gerd Holzheimer: Entscheidend ist bei den verschiedenen Mitgliedern der Familie Haushofer nicht so sehr die mehr oder weniger herausragende Position und die damit verbundene starke Bekanntheit. Vielmehr ist es die Tatsache, dass jedes Familienmitglied immer auf seine Weise den Mut finden musste, Schwellen zu überschreiten und neue Möglichkeiten zu erkunden.

Ist das auch die Erklärung für den Ausstellungstitel „Über die Schwelle“?

Holzheimer: Genau, „Über die Schwelle“ ist gewissermaßen eine Metapher, die sich auf alle Generati­onen der Familie anwenden lässt. Sowohl die Schwelle als auch die Ausstellung nehmen ihren Ausgang bei dem Maler Max Haushofer. Der Sohn eines Hauslehrers am Hof des Bayernkönigs Maximilian I. Joseph und Begründer der Künstlerkolonie auf der Fraueninsel im Chiemsee fand mit der Wirtstochter Anna Dumbser sein privates Glück. Die beiden kamen aus völlig unterschiedlichen Lebenswelten – mit ihrer Hochzeit und dem Gang über die Schwelle des Münsters von Frauenchiemsee wagten sie einen mutigen Schritt.

Mit dem Maler Max Haushofer beginnt auch die besondere gesellschaftliche Stellung der Haushofers…

Holzheimer: Nachdem auf der Kunstakademie die von ihm erwünschte Ausbildung als Landschaftsmaler nicht möglich war, suchte er sich seine Lehrmeisterin in der Natur selbst. Kunsthistorisch kann man ihn in die frühe Freilichtmalerei einordnen.

Albrecht Haushofer hinterlässt eine literarische Kostbarkeit: die berühmten Moabiter Sonette …

Holzheimer: Sie zählen zu den besonders bewegenden Dokumenten des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Albrecht Haushofer schuf sie  während seines Aufenthalts im Moabiter Gefängnis. Sie zeigen seine absolute Abgrenzung vom Nationalsozialismus. Gleichzeitig wird die Vorbereitung auf den bevorstehenden Tod spürbar. Er weiß, dass er vor der Schwelle seines Todes steht.

Welche Rolle spielten die Frauen der Haushofers?

Holzheimer: Gleich mehrere Frauen der Familie übten, neben ihrer künstlerischen Betätigung, in der aufkommenden Frauenbewegung leitende Funktionen aus: Marie Haushofer, Emma Haushofer-Merk, Martha Haushofer. In der Jetztzeit wahrt Renate Haushofer, geborene Gräfin von Lüttichau, das geistige Erbe dieser Familie mit einem unglaublichen Überblick über das Familien­archiv. (Interview: ks)

Über die Schwelle: Familie Haushofer – fünf Generationen in Kunst, Wissenschaft und Politik

Ausstellung in der Fachberatung Heimatpflege des Bezirks Oberbayern, Michael-Ötschmann-Weg 4, 83671 Benediktbeuern

17. Juli bis 15. August 2021

Samstag                         13 bis 17 Uhr,

Sonn- und Feiertag        11 bis 17 Uhr

Aktuelle Informationen zu Öffnung, Anmeldung und Hygienevorschriften:

www.fachberatung-heimatpflege.de

Foto: Das Familiendomizil der Haushofers: der Hartschimmelhof in Pähl im Landkreis Weilheim-Schongau

Gedenkstätte Albrecht Haushofer in Berlin-Heiligensee  – Foto: OTFW, Berlin – CC BY-SA 3.0

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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