Brauchtum

Trachtler pflegen Palmbusch-Binden

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Mit großen Schritten geht es auf Ostern zu. In Bayern eine Zeit mit vielen alten Bräuchen. Dazu zählt auch das Binden der Palmbuschen. Diese werden am kommenden Palmsonntag geweiht und sollen dann ein Jahr lang vor allerlei Unheil schützen. Der Rosenheimer Trachtenverein „Alt Rosenheim“ bietet seit 20 Jahren für Kinder und Jugendliche das traditionelle Palmbuschbinden an, um diesen Brauch so am Leben zu erhalten. Innpuls.me war mit dabei.

Der Palmsonntag ist der sechste und letzte Sonntag der Fastenzeit. Er erinnert an den Einzug von Jesus in Jerusalem. Laut Neuem Testament soll er auf einen Esel in die Heilige Stadt eingeritten sein. Die Menschen sollen ihn bejubelt und mit Palmzweigen begrüßt haben, denn Palmen galten damals als heilige Bäume und standen als Symbol für Königswürde, Sieg und Leben.
An dieses Ereignis erinnert bis heute der Palmsonntag mit seinen Gottesdiensten und Prozessionen. Echte Palmzweige sind aber in Bayern Mangelware. Deshalb werden andere Zweige verwendet – um genau zu sein sieben Pflanzen und jede hat eine Bedeutung:
1. Buxbaum: steht für das Leben
2. Efeu: Zeichen für Ewigkeit und Treue
3. Hasel: Symbol für Fruchtbarkeit und Weisheit
4.Wacholder: steht für die Wiederaufstehen und dem Leben nach dem Tod
5. Lärche: Symbol für Schutz
6. dürres Eichenlaub: Zeichen für Vergänglichkeit
7. Palmkätzchen: Zeichen für Auferstehung und Neubeginn.

Nägel oder Draht haben in einem Palmbuschen nichts verloren. Mit einer im Wasser eingeweichten Weidenrute, die abgeschält und in der Mitte gespalten wird, soll der Palmbuschen zusammengebunden werden. Dafür braucht es aber ganz schön viel Geschick. Darum verwenden heute dann doch viele lieber ein Bändchen aus natürlichen Materialien.
Auch bei den Pflanzen sind Variationen mittlerweile zulässig – gleich gar wenn Ostern so spät stattfindet wie in in diesem Jahr. „Die Palmkätzchen sind da dann natürlich schon meistens ausgeblüht und eignen sich nicht mehr“,  weiß auch Ulli Berchtold vom Trachtenverein Alt Rosenheim.  Für das traditionelle Palmbuschbinden im Saal des Stadtjugendrings hatte sie aber Glück. Im Landkreis fanden sich bei einem Anbieter dann tatsächlich noch Palmzweige, die sich verwenden ließen.
Naturschützer sehen die Verwendung der geschützten Palmkätzchen aber sowieso nicht mehr gerne, das sie wichtige Nahrungsquelle für die Bienen sind. „Das ist der teils schwierige Spagat zwischen Naturschutz und Brauchtum“, meint eine Teilnehmerin des Palmbuschbindens.
Palmbuschen gibt es in vielen Varianten. Auf lange Äste gebunden oder nur als kleine segensreiche Sträußchen für das Kruzifix. Verziert mit bunten Bändern, Blumen oder sogar bunten Eiern.
Auf dem Land durchaus noch heute üblich ist, dass Kindern den Palmbusch ihren Paten oder Großeltern schenken und dafür ein kleines Entgelt erhalten. „Bei uns in der Stadt ist dieser Brauch aber kaum noch bekannt“, meint“, weiß Ulli Berchtold.
Laut Überlieferung soll ein Palmbusch für allerlei Unheil, wie Unwetter oder Krankheit schützen – aber nur wenn er auch am Palmsonntag geweiht wurde. Und ganz wichtig:  Er muss im nächsten Jahr an Ostern verbrannt werden. Wenn nicht, könnte das Unheil bringen.

Text und Fotos: Karin Wunsam  –  Auf Innpuls.me gibt es dazu auch noch ein Video

 

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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