Land- & Forstwirtschaft

Wie Almen ohne Weg zu ihrem Sach kommen

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Helden der Lüfteein Gast-Beitrag vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern (AVO): Langjährige Almbauern-Leser (der Zeitschrift vom AVO) wissen sofort, dass sich unter diesem Titel weder ein Bericht zum majestätischen Adler oder imposanten Bartgeier findet, sondern dass es sich um die alljährlichen Hubschrauber-Versorgungsflüge unserer nicht erschlossenen Almen handelt. Die Vorgehensweise ist stets die gleiche: die Almbauern melden die geschätzte Anzahl der Flüge unter der Vorgabe, dass die Packerl im Regelfall ein Gewicht bis zu 750 kg haben sollten. Schwerere Lasten bis zu 950 kg wie beispielsweise große Wassertröge, können auch transportiert werden, müssen aber im Vorfeld benannt werden. Dann muss beim Tanken aufgepasst werden, dass nicht zu viel Sprit an Bord ist, um Gewicht zu sparen.

Routine und Abenteuer

Das Fachzentrum Almwirtschaft erstellt aus den gemeldeten Angaben die Reihung, erstellt Karten, informiert die Teilnehmer über die zeitliche Einteilung und legt mit der jeweiligen Firma den Flugtag fest. Und ab hier beginnen dann die Unwägbarkeiten: Passt das Wetter zum festgesetzten Termin? Leider war das heuer nicht der Fall, so dass der Flugtag sehr kurzfristig um einen Tag nach hinten auf den 27.Mai verlegt werden musste-dennoch so früh wie noch nie. Erst am Nachmittag des Vortages konnten wir die Landwirte hierüber informieren. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön, dass keiner übermäßig gemurrt hat, auch wenn der Aufwand im Einzelfall sehr hoch ist. Wer in nicht erschlossenem Gelände sechs Helfer braucht, die rechtzeitig an Ort und Stelle sein müssen und hierfür ihren Urlaub opfern, muss hoffen, dass diese Mainzelmännchen auch einen Tag später noch zur Verfügung stehen. Das war scheinbar bei allen Teilnehmern der Fall, wie der Blick zurück zeigt. Und wenn wirklich unverschiebbare Termine kollidieren, dann freut man sich über den hilfreichen Nachbarn oder Kollegen.

Eine weitere Unwägbarkeit ist der Zeitplan. Ein Gipfel in Wolken, mehr Flüge als gemeldet, schon ist man im Verzug. Oder aber das Gegenteil, weniger Flüge, eine kurzfristige Absage und es geht flotter als berechnet. Im schlimmsten Fall sind die Teilnehmer dann noch gar nicht vor Ort und der Heli muss warten. Das hat es alles schon gegeben, aber nicht heuer. Beide Runden verliefen exakt nach Plan, die Westrunde sogar minutiös, bei der Ostrunde musste der letzte Teilnehmer eine halbe Stunde warten, aber nach 12 Stationen im Vorfeld ist auch das zu vernachlässigen.

Wie seit vielen Jahren, kam auch heuer wieder die Firma Heli-Tirol zum Einsatz. Das ist hilfreich, weil dort der Großteil unserer Abflug- und Zielorte schon registriert ist und der Einsatzleiter in Imst auf unsere Wünsche eingehen kann. Durch wechselnde Piloten bleibt aber doch stets eine gewisse Restanspannung. Umso größer die Freude, dass heuer die Piloten des Vorjahres wieder zum Einsatz kamen: Andre und seine Crew übernahmen die Ostroute mit 13 Teilnehmern, Gabriel und seine Leute die Westroute mit 16 Teilnehmern.

Und weil der Tag sowohl vom Wetter als auch von den Routiniers hinter dem Steuerknüppel so optimal verlief, gibt es nichts Außergewöhnliches darüber zu berichten. Für Leser und Presse ist ja immer nur spannend, was nicht rund läuft.

Harter Job mit schönem Blick

Deshalb soll an dieser Stelle einmal die Arbeit der Piloten samt Crew gewürdigt werden. Unser Almversorgungstag ist streng getaktet; stetig wechselnde Ziele mit unterschiedlichen Lasten und Absetzpunkten lassen keine Routine aufkommen. Während des ganzen Einsatzes ist höchste Konzentration gefordert, während man im lauten und warmen Cockpit seiner Maschine sitzt. Und ganz nebenbei muss man den Himmel nach Gleitschirm-, Segelfliegern oder Drohnen absuchen und Abstand von den gefiederten Herrschern der Lüfte halten. Als i-Tüpfelchen ist dann noch der Faktor Zeit zu nennen, der auch keine Entspannung zulässt. Bei jedem Kunden soll immer alles flott von statten gehen, denn hier ist der Spruch „Zeit ist Geld“ wörtlich zu nehmen. Kommt es dann an warmen Tagen noch zu thermischen Turbulenzen, die ab der Mittagszeit das punktgenaue Absetzen weiter erschweren, sehnt man das Ende eines solchen Arbeitstages zu Recht herbei. Wohlgemerkt, diese Ausführungen sind lediglich Interpretationen eines Büromenschen, der bisher scheinbar verklärte Vorstellungen von dem Beruf eines Hubschrauberpiloten hatte. Nichtsdestotrotz kommen die beiden Crews für diesen einen Tag gerne zu uns, wissen wir ihre Arbeit doch zu schätzen.

Beflogen wurden in diesem Jahr 24 Almen in den Landkreisen TS, RO, MB und Tölz. Neben Utensilien für Almpersonal und Vieh wurde überwiegend Zaunmaterial auf die Almen geflogen sowie zahlreiche große Wassertröge mit 500- 2000 l Fassungsvermögen. Die Erfahrungen der letzten Sommer haben allerorten gezeigt, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht.

Insgesamt wurden 606 Flugminuten unter Last absolviert wobei der Schwerpunkt im Landkreis MB lliegt. Nicht verwunderlich, da hier oberbayernweit noch die meisten nicht erschlossenen Almen zu finden sind.

Weg ist das Ziel

So lange die Almen noch nicht über Fahrwege erschlossen sind, ist die Versorgung aus der Luft zu Beginn des Almsommers unumgänglich. Dennoch gibt es alljährlich Diskussionen über deren Notwendigkeit, da sie in naturschutzfach wertvollen Gebieten ausgerechnet zur Vogelsetz- und Brutzeit stattfindet. Dieses Dilemma lässt sich nicht lösen, ist aber allen Beteiligten bewusst. Der Erhalt und die Weiterbewirtschaftung der Almen haben naturschutzfachlich eine hohe Priorität, sind sie doch Garant für den Erhalt von Lebensräumen vieler gefährdeter Arten. Durch eine Anfrage bei der Vogelwarte Garmisch Partenkirchen und Mitteilung unserer Flugroute an die unteren Naturschutzbehörden wird unsererseits versucht, deren Rückmeldungen so weit als möglich, beispielsweise durch veränderte Anflugwinkel, umzusetzen. Eine grundsätzliche Diskussion über die zukünftige Durchführung darf es allerdings nicht geben und würde seitens des Verbandes strikt abgelehnt. Abschließend noch ein Herzliches Dankeschön an das bayerisches Landwirtschaftsministerium, das ab 2020 die Fördersumme für Oberbayern auf 10 000 € angehoben hat, so dass eine 50%ige Bezuschussung aller Landwirte voraussichtlich leichter umsetzbar ist.

Bericht und Foto: Susanne Krapfl, Almwirtschaftlicher Verein Oberbayern

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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