Brauchtum

Waldgau-Trachtler im Zeichen des Rosenkranzes

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Ein wichtiger Bestandteil in der Jugendarbeit des Bayerischen Waldgaues ist die jährliche Mitarbeiterbildung der Trachtenvereine. Zu diesem Pflichttermin der Jugendleiter, bei dem relevante Themen angesprochen werden, die dann in die einzelnen Vereine weitergetragen werden sollen,  traf man sich auf dem 432 Meter hohen Bogenberg. Dieser ist auch als „Heiliger Berg Niederbayerns“ bekannt und gilt als einer der bekanntesten Marien-Wallfahrtsorte Bayerns. Bekannt ist er durch die seit über 500 Jahren durchgeführte Holzkirchener Kerzenwallfahrt, bei der ein 13 Meter hoher und 50 Kilo schwerer von Wachs umwickelter Fichtenstamm mit 430 Meter Wachsschnur, auf den Bogenberg getragen wird. Die Entstehung verdankt der Bittgang einem Gelübde aus dem Jahr 1475 wegen einer Borkenkäferplage. Gaujugendreferent Marco Peschl konnte dazu 42 Jugendleiter/-innen aus 22 Vereinen im Pfarrsaal (ehemals Schule) begrüßen.       Nach einer kurzen Vorstellungsrunde machte man sich (aufgeteilt in zwei Gruppen) auf zur Kirchen- und Museumsführung und tauchte damit tief in die Geschichte ein. In diesen zwei Stunden erfuhren die Trachtler viel Interessantes über den Bogenberg. Herbert Schedlbauer, ein versierter Führer, informierte nicht nur geologisch, sondern auch über die religiöse Entstehung des legendären Wallfahrtsortes. Demnach kam im Jahr 1104 das Gnadenbild auf der Donau aufwärts geschwommen und wurde von Graf Aswin von Bogen in seiner Schlosskapelle aufgestellt. 1295 wurde eine Kirche errichtet und daneben ein Kloster, das 700 Jahre lang vom Benediktinerkloster Oberalteich betreut wurde. Eine Besonderheit ist mit Sicherheit die gotische Hallenkirche (Einweihung 1463) mit dem sechseckigen Kirchturm. In der Kirche befinden sich zwei Gnadenbilder. Auf dem 1960 geschaffenen Gnadenaltar steht eine bekleidete steinerne Figur, eine seltene Darstellung der schwangeren Maria („Maria gravida“). Rechts neben dem Hochaltar befindet sich zudem eine steinerne Madonnenstatue aus dem 13. Jahrhundert, die wohl ursprünglich als Gnadenbild diente.

Museumsleiterin Barbara Michal erzählte viel Wissenswertes über die einzelnen Ausstellungen im Museum, so zum Beispiel über die Entstehung der Bayerischen Rauten, von ihren Anfängen bei den Grafen von Windberg-Bogen über ihre Verwendung bei den Wittelsbachern und im Bayerischen Staatswappen bis hin zu den „freien Rauten“ als modernes Bildzeichen für den Freistaat Bayern heute. Weiter wurde der Bogenberg mit der Holzkirchener Pfingstwallfahrt, katholische Volksfrömmigkeit und sakrale Kunst vorgestellt. Besonderes Interesse herrschte über die dargestellte bayerische bzw. Gäubodentracht. In der Sonderausstellung „Reiz der alten Dinge“ sah man so manche Rarität. Brillen, Telefone, Küchengeräte, Kleidung u. v. m. brachten mache zum Schmunzeln.  Zum Abschluss dankte Marco Peschl den beiden für die informative Führung und überreichte ihnen eine „kleine Süßigkeit“.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen widmete man sich der Praxis. Unter fachkundiger Anweisung von Werner Fischer, 2. Vorsitzender der „Gmüatlichen Perlbachtaler“ Hunderdorf, und seiner Partnerin Maria, fertigten die Trachtler einen Rosenkranz aus Monstranzbohnen. Die Bohne bekam ihren Namen einer Legende nach. Mit Zange, Draht und Perlen machten sich die jungen Trachtler frisch ans Werk und zeigten dabei viel Fingergeschicklichkeit, so dass nach einiger Zeit so manches individuelle Kunstwerk entstand. Fischer gab auch noch einige Tipps zum eigenen Anbau der Pflanze. Der Gaujugendreferent bedankte sich mit einem „Pschoadsackal“. Auch Gauvorsitzender Andreas Tax hatte sich Zeit genommen, um zur Jugend zu stoßen. Er lobte die Aktion und dankte für die Unterstützung. An Claudia Heigl und Kerstin Bindl vom Heimatverein Kollnburg und an Kerstin Bindl vom Trachtenverein St. Englmar ging ein herzlicher Dank für die Organisation und die Bewirtung der Teilnehmer.

Am Ende des Tages ging Marco Peschl noch auf einige Termine ein.  So wies er auf den derzeit laufenden Malwettbewerb der Trachtenjugend hin. Alle Grund- und Förderschulen der Landkreise Regen, FRG, SR-Bogen, Cham und Passau sowie die Trachtenvereine des Bayerischen Waldgaues sind hierzu eingeladen worden. Auch auf die nächste Jugendleitergrundschulung ging er ein. Er erläuterte, dass der Kurs nicht nur für Jugendleiter, sondern auch für Vorstände, Vortänzer und Mitarbeiter der Jugendleiter geeignet ist.  Im Januar 2020 fährt der Bayerische Waldgau wieder zur „Grünen Woche“ nach Berlin, wo die Gaujugend einige Auftritte hat.

Die Resonanz und das Resümee der diesjährigen MAB waren durchwegs positiv. Die Jugendleiter haben viel über den Bogenberg, die Geschichte und auch über den Wallfahrtsorf erfahren. Ebenso war das Basteln des Rosenkranzes eine schöne Erfahrung. Die MAB 2020 findet im Bezirk Regen statt.

Legende der Monstranzbohnen:

Es war im Krieg 1918, als eines Abends in der Kirche die Monstranz gestohlen wurde. Niemand hatte eine Ahnung, wohin sie verschwunden war. Ein Bauer hatte dann nach dem Krieg auf seinem Feld Stangenbohnen angebaut. Als der das abgeerntete Feld mit seinen Pferden umpflügte, wollten die Tiere an einer bestimmten Stelle nicht weitergehen. Der Bauer hatte keine Ahnung, warum das so war. So blieben bis zum Herbst noch etliche Bohnen hängen, deren Schalen ganz dürr wurden. Der Bauer öffnete sie, um das Saatgut zu prüfen, und was er entdeckte, war für ihn ein großes Wunder: auf jeder Bohne war eine Monstranz zu sehen. Aufgeregt zeigte er es im Dorf und alle haben sie dann an dieser Stelle gesucht und gegraben. Schließlich fanden sie die Monstranz tief in der Erde, dort wo die Pferde den Gehorsam verweigert hatten.

Bildunterschrift zu MAB Waldgau Bogenberg 2019-1:                                                                                                                    Die Teilnehmer der Mitarbeiterbildung, zusammen mit Werner Fischer und Maria Länger (rechts).

Bildunterschrift zu MAB Waldgau Bogenberg 2019-2:                                                                                                                    Die Ergebnisse des Rosenkranz-Basteln konnten sich durchaus sehen lassen.

Bildunterschrift zu MAB Waldgau Bogenberg 2019-3:                                                                                                                    Museumsleiterin Barbara Michael informierte über die Entstehung des Bayerischen Rautenwappens.

Bildunterschrift zu MAB Waldgau Bogenberg 2019-4-5:                                                                                                                    Führer Herbert Schedlbauer wusste viel über die geologische und historische Entstehung des markanten Bogenbergs zu erzählen.

Bildunterschrift zu MAB Waldgau Bogenberg 2019-6:                                                                                                                    Ein Meister seines Faches: Werner Fischer (Mitte) erklärte das Rosenkranz-Basteln. Im zur Seite standen Partnerin Maria Länger und Gaujugendreferent Marco Peschl.

Bericht und Fotos: Regina Pfeffer, Bayer. Waldgau

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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