Brauchtum

Volkstanztreffen beim Bayer. Waldgau

Tanzen ist ein Urbedürfnis des Menschen. Die ältesten erhaltenen Dokumentationen des Tanzens sind indische Höhlenmalereien, die im Zeitraum zwischen 5000 und 2000 v. Chr. entstanden sind. Rund 500 Tanzbegeisterte trafen sich am Samstag in der ArberLandHalle in Bayerisch Eisenstein. Der Bayerische Waldgau hatte eingeladen zu seinem alljährlichen Volkstanztreffen, das zum 53. Mal in Folge stattfand. Der Beweggrund dafür ist die Weitergabe des bodenständigen Brauchtums, das Gauvortänzer Eugen Sterl und seiner Frau Lisbeth sehr am Herzen liegt. Erfreulich war auch die Tatsache, dass sich viele jugendliche Tänzer und Tänzerinnen unter den 21 Tanzgruppen (übrigens vier mehr als letztes Jahr) befanden. Das musikalische Intro kam von der tonangebenden Musikkapelle „Tittlinger Tanzbodn-Musi“ unter der bewährten Leitung von Anton Mayer, die den „Waidlermarsch“ aufspielten.

Günther Schwarz, Vorsitzender der „Arberbuam“ Bayerisch Eisenstein entbot seine Willkommensgrüße und dankte gleichzeitig seinen Helfern, die für die Bewirtung der Gäste an diesem Abend sorgten. Er bekannte jedoch auch, dass er seit geraumer Zeit darum kämpfe, eine Tanzgruppe präsentieren zu können. Er werde jedoch nicht nachgeben, denn dies sei ihm „eine Herzensangelegenheit“. „Danke, dassds do sads“, sagte Bürgermeister Charly Bauer. Er sei jedoch ein wenig in Trauer, denn der Maibaum sei ihnen gestohlen worden, bekannte er humorvoll. Ein ganz herzliches Grüß Gott entbot auch Gauvorsitzender Andreas Tax allen Volkstanzfreunden im Saal. Er ermunterte dazu, bei Nachwuchsproblemen, Schwierigkeiten oder „Durststrecken“ im Verein nicht aufzugeben. „Kleine Schritte gehen, dann geht es vorwärts und nicht zurück“, meinte er zuversichtlich. Sein Dank ging an die Vortänzer in den Vereinen, die viel Arbeit leisten und immer wieder Kraft und Elan finden, um die Volkstänze zu erlernen und weiterzugeben.

„Heute sieht man, dass der Volkstanz im Bayerischen Waldgau gerne getanzt und von der Jugend gut angenommen wird“, sagte Gauvolkstanzreferent Eugen Sterl, der den Abend in gewohnt kurzweiliger Art moderierte. Das Geschehen auf der Tanzfläche nahm seinen Anfang mit dem Gautanz, dem „Ochsntreiber“ und einer Runde Walzer „zum Warmwerden“. Als Pflichttänze für die 22 gemeldeten Gruppen waren in diesem Jahr das „Friederikerl“, „Holzhäuser“, „Jager-Polka“, „Bärnhöhle“ und die „Bayerische Polka“. Als Tanz zu dritt war der „Triangl“ und als Zwiefacher „s’Luada“ ausgesucht worden. Als besonders begehrt hatte sich der „Holzhäuser“ herausgestellt, für den Sterl in Kürze Notenmaterial für Steirische in Aussicht stellte. In rascher Abfolge von gleichzeitigem Aus- und Einmarsch der Gruppen wurden diese Tänze auf dem großzügig ausgesparten Parkett mit sichtbarer Freude gezeigt. Dazwischen lockerten allgemeine Volkstanzrunden das Geschehen auf und riefen Jung und Alt auf die Tanzfläche. Besonders den Nachwuchstrachtlern war die Freude am Tanzen schier an den frohen und erhitzten Gesichtern abzulesen. Besonders auffallend war die Präsenz der zahlenmäßig stark formierten Tanzgruppen der Vereine.

Das Geheimnis um die Anwesenheit von Landesjugendvertreter Armin Schmid und dem Beisitzer der Bayerischen Trachtenjugend, Peter Huber wurde gelüftet, als sich nach ihrer Tanzdarbietung die Gaujugendtanzgruppe im Halbrund auf der Tanzfläche aufstellte, Gaujugendreferent Marco Peschl das Wort ergriff und die Zuhörer erst einmal raten ließ, um wen es sich bei der folgenden Ehrung handelt. Schnell wurde deutlich, dass Gauvorstand Andreas Tax gemeint war. Angefangen als kleiner Bub und geprägt von seinem Umfeld trat dieser in die Fußstapfen seines Vaters und wurde Jugendleiter. „Nach oben“ habe er sich gearbeitet, wie man so schön sagt, habe Verantwortung im Verein, im Gau und schließlich im Trachtenverband übernommen, meinte Peschl. Wenn es um die Jugend gehe, finde man immer ein offenes Ohr bei ihm. „Andreas, du schaffst den Spagat, den Erwachsenen-Verband zu leiten und dazu die Belange, Neuerungen und oft etwas ungewöhnliche Methoden der Jugend zu unterstützen“, so Peschl in seiner Laudatio. Tax vermittle zwischen den Generationen, lasse der Jugend aber trotzdem den Freiraum, um Erfahrungen zu sammeln und Dinge auszuprobieren. Mit motivierenden, aber auch manchmal respektvoll-kritischen Worten bringe er in den Sitzungen der Jugend unschätzbare Wertschätzung gegenüber. Die Jugend schätze es, mit ihm auch kontrovers diskutieren zu können, ohne dass der Respekt voreinander verloren gehe. „Du verteidigst uns gegenüber Kritikern und stehst vor uns wie ein Baum“, meinte Peschl. Man könne ihn als „Brückenbauer zwischen den Generationen“ bezeichnen oder einfach einen „Glücksfall für die Jugend im Bayerischen Waldgau“ nennen, dessen Ratschläge man sehr schätze. Ein herzliches Vergelt’s Gott sei schier zu wenig und deshalb möchte man die Wertschätzung mit der Goldenen Ehrennadel der Bayerischen Trachtenjugend zum Ausdruck bringen. Umringt von der Gaujugendtanzgruppe wurde diese hohe Auszeichnung von Armin Schmid und Peter Huber überreicht. Sichtlich ergriffen dankte Tax für die Ehre und Auszeichnung und bat weiterhin um einen guten Zusammenhalt und ein gutes Miteinander. Im Anschluss durfte er noch viele Glückwünsche entgegennehmen. Am Ende der Veranstaltung stand die Verteilung der Teilnahmeurkunden und die Tittlinger Tanzbodenmusi spielt noch geraume Zeit zum Tanzen auf.

Bericht und Fotos: Bayerischer Waldgau

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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