Das traditionsreiche Schützenhaus von Prien im idyllischen Eichental ist ab sofort ohne Wirtshaus-Betrieb. Seit zehn Jahren war die Familie Möbius gerne und guter Pächter der Gaststätte, auch die corona-bedingten Beschränkungen konnten die Wirtsleute mit einem Außer-Haus-Service meistern, doch gesundheitliche Einschränkungen machten es notwendig, den Gastronomiebetrieb ab sofort zu schließen. Wie Erster Schützenmeister Florian Wunderle vom Eigentümer des Schützenhauses, der Königlich Privilegierten Feuerschützengesellschaft (FSG) 1617 mitteilte, hat die Suche nach einem Pächter-Nachfolger bereits begonnen.

Weiters teilt Wunderle mit, dass der Schießbetrieb auch während der Schließzeiten aufrecht erhalten werden kann. Voraussichtlich im Herbst ist mit einer Wiedereröffnung zu rechnen, aktuell gilt es für die Vorstandschaft der FSG Prien, Pächter- und Brauerei-Gespräche zu führen. „Von Vorteil ist, dass unser Haus keine Brauerei-Bindung hat, so dass auf individuelle Wünsche und Vorschläge seitens eines neuen Pächters und seitens der FSG besser eingegangen werden kann“ – so Florian Wunderle, der zum Schützenhaus viel Geschichte zu erzählen weiß. Dieses war bereits das dritte Haus der FSG mit Lokal und Biergarten. In der Festschrift, die anlässlich der 400-Jahr-Feier im Jahr 2017 von der FSG herausgegeben wurde, heißt es unter anderem: „Viele Feuerschützengesellschaften erhielten in früheren Jahrhunderten eine Konzession zum Führen einer Gaststätte. Die Priener Schützen erhielten 1870 die Konzessionsurkunde vom Königlichen Bezirksamt Rosenheim und somit die Erlaubnis, Speisen und Getränke im ersten Schützenhaus an der Bernauer Straße ausgeben zu dürfen.  1879 zogen die Feuerschützen in das neuerrichtete Schützenhaus in der heutigen Schützenstraße um, dabei bewarb sich auch Katharina Thoma, die Mutter Ludwig Thomas als Wirtin (sie hatte 1875 das nahegelegene Hotel Kampenwand, dem heutigen Ludwig-Thoma-Gymnasium übernommen)“.

Eichental-Schützenhaus wurde 1936 erbaut

Nach einem weiteren Umzug wurde im Eichental 1936 das dritte Schützenhaus mit Lokal und Biergarten eingeweiht. Dazu heißt es in der Festschrift: „Von 1966 bis 1980 führten den Gasthof Schützenhaus Walter Gerlmayer, der zugleich als Fähnrich fungierte und seine Frau Maria. Eine Attraktion für Einheimische und Kurgäste waren in dieser Zeit die Kerzl-Abende, bei denen der Wirt als über Prien hinaus bekannter Sänger höchstpersönlich die Besucher erfreute. An die stimmungsvollen Faschingskranzl erinnern sich die Priener gleichfalls noch gerne. Eine gehobene Küche mit stets gleichbleibender Qualität bot Familie Graf, die das Schützenhaus anschließend 25 Jahre lang bewirtschaftete. Nach mehreren Pächterwechseln übernahm Familie Möbius Ende 2010 das inzwischen in Schützenwirt im Eichental umbenannte Lokal und machte es wieder zu einer beliebten Gaststätte und zu einem Versammlungslokal für Priener Traditionsvereine. Zum 400. Jubiläum wurde die Gaststätte umfassend renoviert“.

Zu den Priener Traditionsvereinen, die sich bei der Wirtsfamilie Möbius und beim Schützenwirt wohlfühlten, gehörten unter anderem die Priener Gebirgsschützenkompanie und die Rosserer von Prien und Umgebung. Ehrenoberleutnant Paul Panzer von den Gebirgsschützen war einer der Stammgäste, er bedauert das Pacht-Ende außerordentlich mit den Worten: „Ob drinnen in den Gasträumen oder draußen im Biergarten: die Wirtin Monika und ihre Mutter Traudl, die wir alle Oma nennen durften und auch der stets freundliche Ober Mario waren tüchtige Leute, mit denen wir inzwischen eine schöne Freundschaft haben“. Die Wirtsleute selbst sind natürlich auch traurig, dass die zehnjährige Tätigkeit zu Ende geht, sie haben die Bitte, ihren Abschied aufgrund der außerordentlichen Kündigung und Vereinbarung mit der FSG Prien mit folgenden Worten bekannt zu geben: „Wir sagen Vergelt´s Gott für die unheimlich gute Treue der Bewohner und Gäste aus Prien und Umgebung. Ganz besonders wollen wir dem Bayerischen Roten Kreuz für deren Besuche Danke sagen“.

Die FSG Prien wird sich wieder an die Öffentlichkeit wenden, sobald die Gespräche mit einem neuen Pächter in einer erfolgreichen Vereinbarung erfolgt sind.

Fotos: Hötzelsperger –  Gaststätte Schützenhaus der FSG Prien im Eichental

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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