Brauchtum

Rupertigaupreisschnalzen auf 2022 verschoben

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Das 68. Rupertigaupreisschnalzen am 6. und 7. Februar 2021 in Waging wird aufgrund der aktuellen Corona-Situation um ein Jahr verschoben. Das teilte die Vorstandschaft der Schnalzervereinigung am Sonntag im Gasthaus Steinbrünning im Rahmen eines Pressegesprächs nach einem einstimmigen Vorstandsbeschluss mit. Als Ersatz steht für den Schnalzersonntag die Idee eines „Sternschnalzens” im Raum.

Gemäß den Vorgaben der aktuellen 7. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung waren beim Pressegespräch inklusive Medienvertreter fünf Personen anwesend. 1. Vorstand Rudi Roider aus Kirchanschörning, 2. Vorstand Toni Langwallner aus Viehhausen, Schriftführerin Marianne Hauser aus Steinbrünning und Ausrichter Michi Mühlbacher aus Waging überbrachten die Nachricht über die Absage sichtlich schweren Herzens. Aufgrund der hohen Zahlen im Berchtesgadener Land und im benachbarten Salzburg musste sogar die Ausschusssitzung einige Tage darauf abgesagt werden, weil die rund 30 Gebietsvertreter momentan rein rechtlich gar nicht zusammenkommen dürfen.

Das Rupertigaupreisschnalzen am Ende der Schnalzersaison ist jedes Jahr der Höhepunkt der Schnalzersaison. Veranstalter ist die Schnalzervereinigung, jährlich wechselnd gibt es einen anderen Ausrichter. Im kommenden Jahr wäre nach 1976 wieder einmal Waging an der Reihe und zwar die Schnalzer im Trachtenverein D‘Mühlberger. „Wir hätten uns narrisch gefreut, die Leute zu uns einzuladen”, sagt deren Obmann und Festleiter Michi Mühlbacher. Für das Jahr darauf wollte sich Viehhausen aus dem benachbarten Österreich bewerben, so deren Vorsitzender Toni Langwallner. Die Vorstandschaft ist sich einig, dass die coronabedingten Vorgaben und ein Hygienekonzept beim Rupertigaupreisschnalzen mit insgesamt circa 220 Passen an beiden Tagen und erfahrungsgemäß vielen Zuschauern im kommenden Februar nicht durchführbar ist.

Derzeit sei davon auszugehen ist, dass sich die Coronalage nicht maßgeblich verbessert. Deshalb drängte Michi Mühlbacher auf eine frühe Absage. Immerhin ist mit der Durchführung einer so großen Veranstaltung sehr viel Organisation und ein finanzieller Aufwand verbunden. Alleine die Krüge kosten schon an die 15.000 Euro. „Wir wären startklar gewesen, die Eckpunkte waren fixiert”, sagt Mühlbacher bedauernd. Seit Juni vergangenen Jahres laufen die ersten Vorbereitungen. Er hofft nun, dass alle Helfer auch ein Jahr später bereitstehen. Insgesamt sind etwa 300 bis 350 Leute für die Durchführung des Rupertigaupreisschnalzens notwendig. Die Marktgemeinde Waging mit Schirmherrn und 1. Bürgermeister Matthias Baderhuber habe jedenfalls auch für 2022 die Unterstützung zugesagt. „Waging steht hinter den Trachtlern und den Schnalzern.”

Was die einzelnen Gebietspreisschnalzen in den fünf bayerischen und den zwei salzburgischen Gemeinden angeht, gibt es eine Empfehlung der Vorstandschaft, wie Rudi Roider und Toni Langwallner betonen. Sie wollen die Schnalzervereine auf die Situation sensibilisieren. „Jedes Gemeindegebiet ist anders, die Zahl der Passen schwankt von 20 bis 50. Es muss vor Ort entschieden werden, ob ein Gebietspreisschnalzen unter den derzeitigen Vorgaben möglich ist. Jeder sollte sich aber über mögliche Konsequenzen im Klaren sein”, so Roider. Veranstalter bei den Gebietspreisschnalzen ist nicht die Schnalzervereinigung, sondern der jeweilige Verein.

Die Jahreshauptversammlung der Schnalzervereinigung im November in der Mehrzweckhalle in Saaldorf hängt ebenfalls am seidenen Faden. Schlimmstenfalls müsse auch sie entfallen, erklärt Schriftführerin Marianne Hauser. Die Rechenschaftsberichte und Beschlüsse müssten dann bei der nächsten Versammlung ein Jahr später nachgeholt werden. Was die weiteren Aussichten für den kommenden Winter betrifft, so soll nach dem Wunsch der Vorstandschaft der Schnalzervereinigung die Saison nicht komplett ausfallen. Sie wünscht sich, dass am Stefani-Tag unter Einhaltung der Hygiene- und Gesundheitsschutzvorgaben die Schnalzer wieder auf die Wiese gehen. Da das Brauchtum naturgemäß mit Abstand und unter freiem Himmel stattfindet, dürfte dies kein Problem sein. Lediglich das gemütliche Beisammensein hinterher muss entfallen in größeren Gruppen. Besonders die Jugend solle bei Laune gehalten und zum Training geholt werden, wünschen sich Roider und Langwallner. „Schaut‘s auf die Dirndl und die Buam, die Passen sollen halt einzeln zum Training kommen.”

Ähnlich wie das Sternschießen steht die Idee eines Sternschnalzens am Schnalzersonntag, 7. Februar 2021, im Raum. Jede Pass würde in ihrer Heimatgemeinde ab 11 Uhr bei sich daheim schnalzen, gebietsmäßig eventuell nach einem vereinbarten Zeitplan von außen nach innen, Zentrum ist Saaldorf, wo der Sitz der Schnalzervereinigung ist. Um 12 Uhr würden alle zusammen gleichzeitig einen Generalpasch schnalzen – freilich alles ohne Zuschauer, aber die Leute würden dies daheim in ihren Wohnungen hören. Die Vorstandschaft sieht eine Ähnlichkeit zum Ursprung des Brauchtums in der Pestzeit. Auch damals verständigten sich laut Überlieferung die Gemeinden durch das Schnalzen.

„Das Leben und das Schnalzen gehen weiter”, sagt Rudi Roider. „Wir sind geschickt für die Zeit nach Corona.” Die Vorstandschaft appelliert an den Zusammenhalt und die Vernunft jedes einzelnen. „Bleibt‘s gesund und haltet euch an die Vorgaben.” tw

Foto: Tanja Weichold –  Schnalzervorstand – Vertreter der Vorstandschaft der Schnalzervereinigung (von links): Festleiter Michi Mühlbacher, Schriftführerin Marianne Hauser, 1. Vorstand Rudi Roider und 2. Vorstand Toni Langwallner.

Das Foto der Waginger Schnalzer entstand beim Rupertigaupreisschnalzen in Roth 2020 und wurde von Inge Erb gemacht.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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