Brauchtum

Rottauer Festzeichenherstellung für Chiemgauer Gaufest 2018

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Wohl dem, der solche Rentner als Mitglieder in seinen Reihen hat. So dachte sich die Vorstandschaft des Trachtenvereins „D`Gederer“ Rottau, als diese dem Gremium vorschlugen, es sollten beim Gaufest 2018 in Rottau wieder wie beim Gaufest 1977 hölzerne Festzeichen verwendet werden. Und sie waren bereit, diese eigenverantwortlich zu fertigen. Schon im vergangenen Herbst machte sich der ehemalige Holzknecht Heini Fischer auf den Berg und in den Filzen auf die Suche nach dem passenden Holz. Neben den bewährten Sorten Tanne und Haselnuss fand er in der Filze einen unscheinbaren Strauch, dessen schönes Holz ihn begeisterte. Es war der Echte Faulbaum aus der Familie der Kreuzdorngewächse. Das Splintholz ist gelblich-weiß, das Kernholz gelbrot bis rot. Beeren, Blätter und frische Rinde sind giftig! Die Rinde wird getrocknet als Abführmittel verwendet. Den Namen erhielt der Strauch auf Grund des unangenehmen, fauligen Geruchs seiner frischen Rinde. Die aus dem Holz des Faulbaumes hergestellte Holzkohle ist von hoher Qualität und diente zur Herstellung von Schwarzpulver – deshalb heißt das Holz Pulverholz. Das gesammelte Holz musste dann getrocknet werden. Im nächsten Arbeitsschritt schnitt Ehrenvorstand Felix Uth und Stefan Hofmann die dünnen Holzplättchen aus den Ästen. Die Gederer bedanken sich recht herzlich bei ihrem Mitglied Andi Hofmann, dem Besitzer der Schreinerei Hofmann, der es erlaubte, dass diese diffizile Arbeit an Profimaschinen in seiner Werkstatt ausgeführt werden konnte. Mit Heimwerkermaschinen wäre es wohl schwierig gewesen. Nach vielen Stunden gewissenhafter Arbeit konnten Uth und Hofmann 9500 Plättchen, eine natürliche Vielfalt an Holzarten, an verschiedenen Größen, aber immer gleicher Dicke an Schorsch Ballauf übergeben. Er leitete die gleiche Arbeit wie beim Gaufest 1977. Mit einer selbstgebauten Maschine machte er die Holzplättchen zu den Festzeichen für das Gaufeste 2018 in Rottau. Auf eine Seite der Holzscheibe brannte er mit einem Stempel das Gauzeichen des Chiemgau-Alpenverbandes für Tracht und Sitte ein und auf der anderen Seite den Schriftzug Gaufest Rottau 2018. Oberhalb des Schriftzuges bohrte er noch ein Loch durch das Plättchen. In vielen einsamen Stunden erledigte er diese langwierige Arbeit.  Unterhaltsamer wird es in den nächsten Wochen, wenn die Röcklfrauen wieder zusammenkommen und eine Kordel durch das Loch im Festzeichen einfädeln und mit einer Sicherheitsnadel versehen. Und fertig sind die 9500 Festzeichen – lauter verschiedene, lauter einmalige!

Bericht und Fotos: Josef Adersberger, josef.adersberger@gmx.de

Über den Autor

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Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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