Leitartikel

Priener und Chiemseer erinnern an Gerd vom Hövel

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Nachruf auf Gerd vom Hövel – viele Verdienste um Kultur und Wirtschaft in München, am Chiemsee und in Prien – Der Kulturförderverein Prien hat mit dem Tod von Gerd vom Hövel  sein bislang einziges Ehrenmitglied verloren – wie berichtet war der Wahl-Chiemgauer im Alter von 91 Jahren verstorben. An die vielen Verdienste von Gerd vom Hövel, der auch Träger der Goldenen Ehrenmünze des Marktes Prien ist, erinnerte auch namens der Priener Marktgemeinde, des Freundeskreises von Frauenwörth und der Freunde von Herrenchiemsee Kulturfördervereins-Vorsitzender Dr. Friedrich von Daumiller bei der Trauerfeier auf dem Friedhof im Perlacher Forst in München.

„Sein ausgeglichenes, immer freundliches Wesen, seine kompetente und zupackende Art, Probleme zu lösen, seine Hilfsbereitschaft, wo immer man ihn brauchte, werden uns sehr fehlen“ – mit diesen Worten begann von Daumiller seinen Nachruf an einen Mann, der 30 Jahre von 1965 bis 1995 bei der Münchner Messe tätig war und dort 20 Jahre als Geschäftsführer bereits gute Kontakte zu Prien und zum Chiemsee pflegte. 1988 verlegte die Familie vom Hövel ihren Zweitwohnsitz von Schleching nach Prien, 1991 wurde er zum Dritten Vorsitzenden vom Kulturförderverein gewählt, dieses Amt hatte er 18 Jahre inne, 2013 wurde ihm auf der Fraueninsel die Ehrenmitgliedschaft zugesprochen. „21 Jahre lang haben die Aktivitäten Gerd vom Hövels unseren Verein und damit das kulturelle Leben in Prien und im Chiemgau geprägt. So hat er für unsere Mitglieder Kulturfahrten in die nähere und weitere Umgebung organisiert, er initiierte Begegnungen zur Förderung der kulturellen Identität des gemeinsamen Salzburgisch-Tirolerisch-Bayerischen Lebensraumes innerhalb eines sich zusammenschließenden Europas. Europa – das war überhaupt für Gerd vom Hövel in jeder Beziehung eine Herzensangelegenheit“.

Förderer von EuroArt und Künstlerlandschaft Chiemsee

Anlässlich eines Aufenthalts in Nürnberg im Dezember 2001 entdeckte Gerd vom Hövel in einer Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum die Organisation EuroArt, einen europäischen Verein mit Sitz in Brüssel, der sich mit der Entwicklung und dem künstlerischen Austausch europäischer Künstlerkolonien befasst. Bereits 2002 trat der Kulturförderverein Prien der Gemeinschaft bei. Dazu erinnerte Friedrich von Daumiller: „Bei den Gesprächen mit anderen Künstlerkolonien stellte sich heraus, dass es zur Entwicklung unserer Künstlerlandschaft Chiemsee keine kunsthistorisch fundierte Abhandlung gab. Ein solches Werk musste also dringend geschrieben werden. Bei der Planung, der Finanzierung, den Verhandlungen mit der Autorin und dem Verleger bewährte sich der Sachverstand des Diplom- Kaufmanns vom Hövel, ohne den unser Buch KÜNSTLERLANDSCHAFT CHIEMSEE sicher nicht entstehen hätte können“. Im Vorwort zu diesem Buch heißt es unter anderem: „Ein besonderer Dank gilt dem Dritten Vorsitzenden unseres Vereins, Gerd vom Hövel. Er hat die Kontakte zum Germanischen Nationalmuseum hergestellt, in der Vorbereitungsphase viele wichtige Gespräche geführt und vor allem die wirtschaftliche Seite des Projekts betreut. Er stand in jeder Phase des Projekts allen Beteiligten mit Rat und Tat zur Seite!“

Für seine liebgewonnene Marktgemeinde Prien war Gerd vom Hövel über den Kulturförderverein hinaus aktiv und nachhaltig wirkend. So war er 1995 Gründungs-Geschäftsführer der Bayern Innovativ GmbH und 1996 Initiator des Priener Logistik Kompetenz Zentrums, dessen Ehrenpräsident er heute ist. Fünfmal organisierte Gerd vom Hövel mit Bürgermeister Lorenz Kollmannsberger und mit Kurdirektor Peter Donauer die so genannten „Priener Gespräche“ zu kulturellen und wirtschaftlichen Themen im Alpenraum. Gerd vom Hövel war 1997/1998 auch Präsident des Priener Lionsclubs. Als Lions-Verantwortlicher nahm er 1998 mit der Priener Blaskapelle am Lions-World-Convention in Birmingham teil.

Viele Verdienste um das Kloster Frauenwörth

Gerd vom Hövel hat sich auch sehr um das Kloster Frauenchiemsee verdient gemacht, dazu erinnerte Dr. Friedrich von Daumiller: „Nachdem das Benediktinerinnenkloster Anfang der 1990er Jahre einen durchaus gefährlichen wirtschaftlichen Niedergang erleben musste und unser gemeinsamer Freund, der damalige Priener Erste Bürgermeister Lorenz Kollmannsberger seine Sorge um den Fortbestand des Klosters äußerte, kam unserem Gerd vom Hövel der rettende Gedanke, einen Freundeskreis in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins ins Leben zu rufen, der Spenden sammeln und Spendenquittungen ausstellen könnte. Und so gründete sich auf seine Initiative hin im Jahr 1994 der Verein Freunde der Abtei der Benediktinerinnen Frauenwörth im Chiemsee e.V., der mittlerweile an die 1.000 Mitglieder umfasst und nicht nur Spenden in Millionenhöhe an Land zog, sondern auch viele Ideen zur Sanierung der Finanzlage des Klosters und der Bausubstanz der alten Klostergebäude beibrachte. Außerdem war er Initiator der Frauenwörther Gespräche, die alljährlich mit hohen Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik in der Aula des Klosters stattfinden“. Dr. Friedrich von Daumiller legte namens des Kulturfördervereins und der Freunde von Herrenchiemsee sowie des Freundeskreises Frauenwörth Blumen nieder, auch der Markt Prien dankte mit einem Blumengesteck dem verdienstvollen Mitbürger Gerd vom Hövel.

Foto/s: Hötzelsperger/Archiv LKZ – Bilder-Erinnerungen an Gerd vom Hövel

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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