Leitartikel

Offener Brief von Pfarrer und Jäger Georg Gilgenrainer zum Thema Wolf

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Georg Gilgenrainer, Geistl. Rat, Pfarrer i.R. und Jäger Pfarrhof Höhenmoos, 83101 Rohrdorf  –  27.07.2021

An den     Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder,  Bayerische Staatskanzlei- Franz-Josef-Strauß-Ring 1, 80539 München,

an die      Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Michaela Kaniber, Ludwigstraße 2, 80539 München

sowie an den   Bayerischer Landtag, z. Hd. Frau Präsidentin Ilse Aigner , Maximilianeum, 81627 München

 

Offener Brief zum Thema Wolf – Naturschützer zerstören mit Wolf-Ideologie einzigartige Kultur-Landschaften

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin, sehr geehrte Frau Staatsministerin,

wann immer auch die Idee vor rund zwei Dutzend Jahren entstand, dass der Wolf in Europa und bei uns in Bayern oberste Schutzbedürftigkeit erfahren sollte, handelte es sich um eine toxische Ideologie. Als der Bund Naturschutz die Schutz-Idee aufgriff, hatte dieser eine Werbekampagne gestartet und dem Wolf eine nahezu religiöse Verehrung zuteil werden lassen. Die Politik hat sich diese Idee weitgehend zu Eigen gemacht. So manchem Kind, würde man so viel Schutz wünschen!

Hunderttausende von Euro wurden und werden investiert: Forschungs- und Monitoring-Programme aufgelegt, Wolfs-Beauftragte entsprechend bezahlt, Schaden-Ersatz-Stellen geschaffen, Gen-Karteien angelegt, Weidebetriebe großzügig entschädigt, Hilfe und Unterstützung bei Wolfs-Rissen zugesagt – aber die Nöte und Sorgen der Almbauern werden zu wenig ernst genommen.

Es wirkt zynisch, Muster-Zäune wie am Sudelfeld als Lösungen vorzuschlagen. Wer das anpreist, hat wirklich noch keine Almen erkundet. Dazu meine ich: „Leichter wird eine Hängebrücke zum Mond gebaut, als dass alle Almen wolfssicher eingezäunt werden können“.

Nach meinen Erfahrungen, Einschätzungen und Kenntnissen haben Weideviehhalter und Almbauern keine politische Lobby. Seit Jahr und Tag – und das aus aktuell bestätigten Vorfällen im bayerisch-tirolerischen Alpenraum – wird auf die Forderung nach wolfsfreien Gebieten auf den WWF und auf die von diesem festgelegte höchste Stufe der Schutzwürdigkeit des Wolfes hingewiesen. Welch ein Skandal! Der Wolf ist, wie Sie wissen, in seiner Population nicht gefährdet. Im Gegenteil: sein Bestand explodiert nahezu, das heißt, dass der Schutz-Paragraph weg muss.

Von daher mein Vorschlag:  Man könnte viel Geld sparen, wenn man wolfsfreie Gebiete ausweist und Jägern für jeden erlegten Wolf im Gebiet von Weidebetrieb-Almen eine Prämie bezahlt. Warum gibt es zum Beispiel Prämien für Schwarzwild-Abschüsse? Warum gibt es rotwildfreie Gebiete? Warum wird bei starken Verbiss-Schäden der Jagddruck erhöht?

Die Folgen einer Wolfsansiedlung sind katastrophal. Es nützt gar nichts, gerissene Tiere zu ersetzen. Kein Bauer bestoßt seine Almen, wenn Wolfs-Gefahr droht, denn das Vieh kommt auch zu Schaden durch das Jagen in Richtung Absturzstellen. Almen, die nicht mehr bestoßen werden, verlieren ihren wundervollen Charakter. Die Einzigartigkeit von Flora und Fauna verschwindet.  Ich selbst, Jahrgang 1939,  entstamme einer Almbauernfamilie. Auf unserer Oberjäger-Alm bei den Roßsteinalmen  mit über 190 Hektar Almfläche, von fünf Almbauern im Gemeinschaftsbesitz im Tölzer Land, gedeihen zum Beispiel noch sechs verschiedene Enzianarten. Die Almen werden unwiederbringlich verbuschen. Hunderte, zum Teil denkmalgeschützte Almhütten (z. B. unsere Almhütte aus dem Jahr 1722) verfallen und verschwinden.

Welch ein Widerspruch: Fördergelder aus EU-Mitteln fließen für den Erhalt der Almen, aber der Wolf darf nicht bejagd werden!

Politiker fürchten den Protest der Bevölkerungs-Mehrheit, die leider schon längst von der toxischen Wolfs-Ideologie infiziert ist. Was früher Feudalherren waren, denen der Wildbestand wichtiger war als die Ernteausfälle der Bauern-Untertanen, das sind heute die Naturschützer bei den Themen Wolf und Biber.

Das Almleben in früheren Generationen war wenig romantisch und äußerst hart. Mit großer Erleichterung wurde der Abschuss des letzten Wolfs 1882 in Bayern aufgenommen. Seitdem konnten Almbauern mit Tag- und Nacht-Weiden ihre Almen bewirtschaften. Später profitierte auch der Tourismus davon. Die Wolfsverehrer sind gerade dabei, die über die Jahrhunderte gewachsene Almlandschaft zu zerstören.

Sie merken, wie sehr  mein Herz für die Almbauern schlägt.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr  Georg Gilgenrainer Geistl. Rat, Pfarrer i. R. und Jäger, der einer Almbauernfamilie entstammt

Foto: Hötzelsperger – Georg Gilgenrainer – u.a. mit dem Kitzbühler Anzeiger vom 15.7, dieser berichtet vom Schulterschluss der Bauern und Tourismusverbände und von einer Resolution der Gemeinden mit dem Zeitungstitel: „Das Brixental macht gegen Wolf mobil“

 

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

1 Kommentar

  • Vielen Dank für diesen dringenden Brief wg. der Wolfsproblematik.
    Wir sind auch Almbauer am Brünstein, und sehr enttäuscht welche landwirtschaftsfremde Leute über dies und vieles mehr entscheiden. Die Angst um unsere Tiere ist immer dabei.
    Mit freundlichen Grüßen Fam. Rupert Furtner

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