„Eine einfache Alpenüberquerung mit dem Tourenfahrrad“ lautete das Motto einer geführten Fahrradtour von Rosenheim bis zur Partnerstadt nach Lazise. Dem Aufruf „Wer radelt mit?“ von Reinmund und Josefine Hobmaier aus Prien folgte eine bunt gemischte 7-köpfige Radlertruppe. Mit dabei war u.a. Thomas aus Fehmarn an der Ostsee, der die weite Anreise bis Rosenheim nicht scheute und Willi war mit seinen 79 Lenzen das älteste Glied in der Gruppe.

Aufgesattelt waren Tourenräder, Rennräder und Mountainbikes, alle ohne Strom und mit eigenem Gepäcktransport auf dem Rad. Der Start erfolgte frühmorgens bei tiefstem Nebel am Rosenheimer Bahnhof. Nach einer kurzen Sicherheitsunterweisung durch Reinmund ging es 95km am Innradweg entlang bis zum ersten Tagesziel nach Schwaz. In Kufstein zur Mittagspause war der Nebel verschwunden und die Sonnenstrahlen erwärmten die hungrigen Radler. Ein zweiter Kaffee-Stopp folgte 30 km später in der historischen Altstadt von Rattenberg. Nochmal 20km und die Unterkunft war erreicht.

Der zweite Tag begann recht flach bis Hall i. Tirol. Ab da begann der lange Anstieg auf der alten Römerstraße bis hin zum 1.370 m hoch gelegenen Brennerpass. Über Ampass und Patsch bis zum Etappenziel nach Steinach am Brenner führte die mit herrlichen Ausblicken gespickte Strecke. Bis dahin waren es zwar nur 55km, aber schon 850 Höhenmeter. Die Gruppe war recht fit, insbesondere der 79-jährige Willi beeindruckte mit seinem 40 Jahre alten Fausto Coppi Rennrad die übrigen Mitradler. So wurde schon recht früh die Unterkunft in Steinach erreicht. Was tun mit der restlichen Zeit? Kurzentschlossen hielt Josefine eine Gymnastikstunde mit Mobilisations- und Dehnungsübungen auf der Hotelwiese ab, um die strapazierten Muskeln für die nächsten Tage wieder auf Vordermann zu bringen. Im beheizten Schwimmbad konnten sich dann alle vollends entspannen.

Der dritte Tag ist der aufregendste Abschnitt für die Teilnehmer. Nach 14 km und 300 Höhenmetern ist der Brennerpass erreicht. Ein bisschen Stolz ist dabei schon in den Gesichtern der Radler zu erkennen. Ab da führt der perfekt ausgebaute Brenner-Verona-Radweg weiter über die Fußgängerzonen von Sterzing, Brixen und Klausen. Gerade recht für Mittag- und Kaffeepausen. Und zu sehen und fotografieren gabs auch eine ganze Menge. Aber als alle meinten, das Tagesziel in Blumau, kurz vor Bozen, gleich erreicht zu haben, stoppte ein Überraschungseinkehrschwung bei Pius die Radlergruppe. Pius ist ein alter Austragsbergbauer, der an der Radstrecke eine kleine Verpflegungsstation betreibt. Man könnte fast versumpfen dort, aber Reinmund Hobmaier mahnte dann doch wieder zum Aufbruch für die restlichen sieben Kilometer. Schließlich will man ja nicht bei Dunkelheit ankommen. Und letztendlich kam ein Tagespensum von 98km zusammen.

Tags darauf regnete es beim Aufbruch. Eigentlich hätte eine Alternativroute für die anspruchsvolleren Radfahrer über Kaltern und den 1.362m hoch gelegenen Mendelpass bis zum Ziel nach Trento führen sollen, das fiel dann leider im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. So blieb die ganze Gruppe die 75km zusammen auf dem Etschradweg bis Trento. Zu regnen hörte es zum Glück kurz nach Bozen auf, aber dafür forderte ein heftiger Gegenwind die ganze Kraft der Radler. Von Trento waren alle sehr begeistert, zumal es den meisten unbekannt war. Die historische Altstadt mit seiner Kathedrale im Zentrum, der großen Piazza Duomo und den vielen Palazzi ist absolut sehenswert.

Der fünfte und letzte Tag der Tour forderte nochmal einiges an Kondition. Sehr wellig führte die 90km lange Etappe durch Weinberge, Kiwi- und Apfelplantagen, ehe das Ziel am Stadttor von Lazise erreicht war. Rund 420km in 5 Tagen – eine stolze Leistung! Überglücklich und froh, Lazise ohne Pannen oder Stürze erreicht zu haben wurde ausgelassen gefeiert. Der Folgetag war zur freien Verfügung. Ausruhen, bummeln und manche hängten gleich nochmal eine Radtour dran, so Spaß machte das Pedalieren.

Die nächste Tour startet im Mai 2021. Dann heißt es wieder „Wer radelt mit?“. Termine und genaue Informationen unter www.hobmaier.com/lazise.

Bericht und Bilder: Raimund Hobmaier

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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