Wirtschaft

Gewerbe-Videokonferenz für westliches Chiemsee-Ufer

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Zu einem virtuellen Treffen und Gedankenaustausch lud PrienPartner als Zusammenschluss der Priener Gewerbetreibenden auch die Einzelhändler, Gastronomen und Hotelbetreiber aus den Nachbarorten Aschau, Bad Endorf, Bernau und Frasdorf ein. Zu Gast im Chat waren dabei Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner in seinen Eigenschaften als Tourismuspolitischer Sprecher der CSU im Bayerischen Landtag und als Präsident des Tourismusverbandes Oberbayern-München sowie der neue Chef der IHK-Geschäftsstelle in Rosenheim, Jens Wucherpfennig. Das wichtigste Thema: „Corona und seine Auswirkungen auf die stationäre Geschäftswelt“.

PrienPartner-Vorsitzender Dr. Herbert Reuther begann seine Einführung mit folgenden Gedanken: „Nur zu Jammern und von der gegenwärtigen, depressiven Stimmung zu reden wäre Eulen nach Athen zu tragen. Athene aber war eine Schutzgöttin;   auf der damals ersten Münze war eine Eule abgebildet, daher kam zu damaliger Zeit der Spruch aus der Landbevölkerung, Eulen nach Athen zu tragen, wenn man zum Einkaufen in die Stadt ging. Und auch heute wollen wir, dass die Bevölkerung wieder stärker in unsere Einkaufsorte kommen“.  Die aktuelle Zustands-Situation des Einzelhandels und der Hotellerie und Gastronomie beschrieb  Dr. Reuther wie folgt: „Unseren Gewerbetreibenden geht es wie einem künstlich beatmeten Covid-Patienten auf der Intensivstation, der in einem staatlich unterstützten Wachkoma ist, das Ergebnis werden wir erst nach Ende der Therapie wissen“.

Appell an die Politik: Nach Corona zusätzliche Öffnungszeiten – MdL Klaus Stöttner gab anfangs seines Referates zu, den vielen Unmut zu verstehen, er sagte: „Die Stimmung ist nicht gut und zum Teil katastrophal, als Freistaat versuchen wir das nicht nur bayerische und deutsche Problem mit einer weiß-blauen Strategie zu lindern. Hierzu bitten wir auch um Eure Informationen, Ideen und Vorschläge“. Im Rahmen der Chat-Diskussion wurde mehrfach der Wunsch geäußert verkaufsoffene Sonntage und Sonder-Öffnungszeiten leichter genehmigt zu bekommen, wenn die Corona-Zahlen dies wieder zulassen. Ein sogenannter Masterplan für die Zeit nach Corona soll bereits jetzt vorbereitet werden und da ist nicht nur Kreativität vor Ort, sondern auch Unterstützung aus der Politik notwendig. Denn – so wurde unter anderem argumentiert – ist das Internet Tag und Nacht geöffnet und die Online-Händler wie Amazon zahlen nicht mal gleichwertig Steuern. Zustimmung fand die Idee, nach der Lockdown-Zeit abwechselnd in den Nachbarortschaften am westlichen Chiemsee-Ufer Sonder-Veranstaltungen zu veranstalten und diese gemeinsam zu bewerben und terminlich aufeinander abzustimmen.

Appell der IHK: Leerstands-Management entwickeln – Jens Wochenpfennig von der IHK Rosenheim ist zwar neu in Rosenheim, aber wie er eingangs sagte, schon viele Jahre in der IHK tätig, zuletzt im Münchner Haupthaus und als Leiter in Weilheim. Sein Hauptaugenmerk galt der unterschiedlichen Entwicklung von stationärem und online Handel. Mit Zahlen aus der Vor-Corona-Zeit konnte er deutlich aufzeigen, dass die Schere zwischen diesen beiden Handelsformen zu ungunsten der traditionellen und persönlichen Verkaufswege immer weiter auseinandergeht. Als Gründe hierfür nannte er unter anderem: die Digitalisierung, der man allerdings auch nicht aus dem Weg gehen darf, die wachsende Ungeduld der Kunden, die Veränderungen im Einkaufsverhalten, der Boom der Schnäpchentage, steigende Ladenmieten und der Trend hin zum bargeldlosen Zahlen. Aufgrund von bisherigen und noch zu erwartenden Geschäftsaufgaben in den Ortszentren empfahl der Referent, zusammen mit den Kommunen ein aktives Leerstands-Management zu entwickeln (weitere Informationen:   www.ihk-muenchen.de/handel).

Ein wichtiger Punkt der Dialoge waren die Corona-Hilfen. Die erste Überbrückungshilfe wurde noch direkt zwischen Empfänger und Staat abgewickelt. Dabei hat es aber – so die beiden Referenten – viele schwarze Schafe gegeben. Deshalb wurde jetzt die eng mit den Finanzbehörden zusammenarbeitende IHK als Bewilligungsstelle dazwischen geschaltet und die aufwändige Beantragung durch einen Steuerberater verlangt.  „Auch wenn es dabei um nach einem Konjunkturprogramm für Steuerberater ausschauen mag, so bietet die neue Vorgehensweise doch mehr Qualität und Schnelligkeit und sie schützt vor allem vor Betrug“ – so Dr. Herbert Reuther. Immer wieder drängten die Gewerbetreibenden, die derzeit ihre Häuser geschlossen haben, nach Lösungen für eine Perspektive. MdL Klaus Stöttner, gefragt nach seiner Perspektive, fasste seine Einschätzung wie folgt und vorsichtig zusammen: „Einzelhandel und Gastronomie sollten wir differenziert betrachten: beim Einzelhandel wäre –immer vorausgesetzt die Corona-Zahlen lassen dies zu – eine Öffnung ab Ende Februar denkbar, in der Gastronomie könnte als Erstes der Außenbereich wieder aufmachen, eventuell vor Ostern und Urlaubsreisen könnten voraussichtlich nach Ostern wieder beginnen“. Abschließend bedankte sich Dr. Herbert Reuther bei allen Gesprächs-Beteiligten für die gewährten Rück-, Ein- und Ausblicke.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke von der virtuellen Gesprächsrunde, zu der PrienPartner eingeladen hatte.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

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Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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