Gastronomie

Die Sprach-Geschichte des Wortes Bier

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Das Bier in Europas Sprachen  –  Die Sprach-Geschichte des Wortes Bier   – ein Beitrag von Edgar Forster vom Bayernbund

Viele Bücher wurden geschrieben, um die Geschichte der technisch-biologischen Bierherstellung zu schildern. Das zu wiederholen ist nicht die Absicht dieses Artikels. Ägypten, Mesopotamien, Naturvölker, usw. sollen uns nicht interessieren. Hier entsteht eine Abhandlung über die Entstehung und Entwicklung der Wörter für das aus Hopfen und Malz gebraute Getränk, das  in  allen europäischen Ländern gebraut, ausgeschenkt und konsumiert wird. Letztlich kann man aus jedem Getreide Bier brauen, aber wer will das schon?

Europa wird zum allergrößten Teil beherrscht von den untereinander verwandten indoeuropäischen Sprachen. Sie werden hauptsächlich eingeteilt in germanische, romanische und slawische Sprachen. Weiterhin gehören dazu die baltischen und keltischen Sprachen, das Griechische und das Albanische. Ungarisch, Finnisch und Estnisch sind finnisch-ugrische Sprachen und nicht verwandt, Baskisch steht völlig abseits.

Und Bairisch darf in dieser sprachlichen Untersuchung schon gar nicht fehlen.

Bier

Beginnen wir mit dem deutschen Wort Bier, das in seiner Entstehungs-Geschichte erklärt werden soll und in die Verwandtschaft der germanischen Sprachen gestellt wird. Mackensen, Deutsches Wörterbuch[1], sei zitiert: Bier s (-s/es; -e)  (zu lateinisch bibere  trinken) alkoholisches Getränk aus Hopfen und Malz. Dazu als Ergänzung das englische Wort, nahe verwandt mit dem Deutschen.

Beer (bi´e  oder bir)  =  an alcoholic drink made from MALT and HOPS[2]

Eine Ergänzung sei das Wort im Bairischen.

Bier[3]  (bi´e) (Diphtong): mittel- und südbairisch  –

Nordbayerische-oberpfälzische  Aussprache  Bäia:    “ I trink neks mäiha woi Bäia“, sagt der Oberpfälzer.

Bia, as  =  Bier[4]

Zur sprachlichen Ergänzung: Bairisch Bräu heißt  Brauerei, Brauhaus und die Berufsbezeichnung von Brauereibesitzer, Braumeister, Gastwirt in einer Brauschenke.

Bairisch Bräuen bedeutet hochsprachlich Brauen[5]

Die Etymologie der Wortes Bier ist widersprüchlich. Über den Ursprung des Wortes Bier gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze, von denen sich bisher jedoch keiner in den Sprachwissenschaften eindeutig durchsetzen konnte. Gesichert sind jedoch viele Wortformen in den historischen  Sprachformen des Deutschen und seiner verwandten germanischen Sprachen, so althochdeutsch bior, mittelhochdeutsch bier, mittelniederdeutsch ber, angelsächsisch beor, altfriesisch biar und altnordisch bjórr. Die beiden wichtigsten Wörterbücher zur Etymologie der deutschen Sprache, von Pfeifer et al.[6]  und Kluge/Seebild[7], verzeichnen die folgenden Herleitungstheorien für das Wort Bier:

  • Zur indoeuropäischen Wurzel *bhreu mit Konsonantenverschiebung auch *bherw, zu deren sprachlichen Verwandtschaft auch die neuhochdeutschen Worte brauen, brausen, brodeln, brühen, sprudeln (mit s-mobile) gehören. Auch das Wort Brot ist verwandt mit Brauen; der Sauerteig muss schließlich gären wie das Bier. Zur weiteren Verwandtschaft gehört Brühe und die italienische brodo[8]. Sie brodelt nämlich. Die Russen kennen das aus Brot gebraute Getränk kwass und in Nordbayern existiert die Tradition des Bäckenbiers.
  • Ein anderer Ansatz ist lateinisch frumentum = Nahrungsmittel, Getreide. Das Wort defrutum = (eingekochter Most). Der Wortstamm frut ist urverwandt mit germanisch/althochdeutsch  Prod, neuhochdeutsch Brühe, ahd. briuwan = brauen[9], denn f wird im germanischen zu b. Vergleiche lateinisch frater zu deutsch Bruder.
  • Auch Griechisch-thrakisch brytos = Gerstenbier oder broma = Nahrung[10] gehören in diese Urverwandtschaft über das Indoeuropäische.
  • Eine weitere Erklärung ist die Verwandtschaft des Wortes Bier mit dem lateinischen Wort biber = Getränk. Bibere bedeutet einfach trinken. Ob die Wörter urverwandt oder im Lehnverhältnis stehen bleibt offen. Verwandte Wörter zu bibere tauchen in den germanischen Sprachen nicht auf. Generell gilt das Wort trinken (englisch to drink) und seine Verwandten; die Herkunft von trinken ist ungeklärt[11].
  • Die indoeuropäische Wurzel b(e)u, b(h)u bedeutet im heutigen Deutsch aufblasen, schwellen. Danach ist Bier, germanisch beuza als das aufschäumende, Blasen werfende Getränk zu verstehen.
  • Etwas abseitig ist die Idee, dass Bier aus türkisch buza entstanden sei. Die heutigen Türken sind erst um elfhundert in Anatolien eingewandert. Bier gibt es schon länger in Europa. Noch fremdartiger ist die Idee, dass das deutsche Wort Bier aus dem Ohgurischen pora entstanden sei[12].
  • Bier ist also nun ein germanisches Wort. Aber warum gebrauchen die Franzosen das Wort biere und die Italiener birra? Es lässt sich nur dadurch erklären, dass die germanischen Völker der Franken das Bierbrauen und das Wort Bier nach Frankreich und die Langobarden das Wort nach Italien in der Spätantike gebracht haben. Rumänisch heißt Bier bere, ein Lehnwort aus dem deutschen Kulturkreis. Die keltischen Sprachen irisch > beior und schottisch > beoir haben das germanisch/deutsche Wort Bier übernommen.
  • Bier ist inzwischen ein internationales Wort, das in viele außereuropäische Sprachen eingegangen ist. Mit der Kenntnis des Bieres und der Braukunst wurde auch das entsprechende Wort weithin übernommen[13].

Öl 

  • Ein im Deutschen völlig ausgestorbenes[14] im Bairischen noch lange lebendes Wort für Bier ist das Wort Öl. Gewöhnlich ist Öl[15], lateinisch oleum, griechisch eleion, ein flüssiges Lebensmittel aus der Olive, doch wird das Wort zunehmend auf andere nahrhafte Flüssigkeiten übertragen und gilt heute selbst für Mineralöle. Ob es auf das nahrhafte, zähflüssige Getränk Bier übertragen wurde, ist eher unwahrscheinlich. Wörter wandern mit den Gegenständen. Die Römer waren Weintrinker, das Bier ist mehr ein nördliches Getränk. Lateinisch murus wurde z.B. als Mauer in das Deutsche übernommen, weil die Germanen ursprünglich keine Steinmauern kannten.
  • Das bekannteste Beispiel im Bairischen ist die heute sehr lebendige Starkbierzeit in München, in der ein besonders kräftiges Bier ausgeschenkt wird. Hier der historische Ursprung:

„Zum 2. April, dem Tag ihres Ordensstifters, sotten die Mönche ein ganz besonders stark eingebrautes, dickflüssiges Bier, das ‚Sankt-Vater-Öl‘. Der Stoff der Paulaner wurde bald so beliebt, daß die Klosterbrauerei am Ende des 18. Jahrhunderts zu den größten in Bayern zählte[16]“. „Salvater=Bier, aus  reinem  Malz, ohne Hopfen gebraut, stark, aber nur 8 Tage  haltbar (vom 2.-9. April) Vrgl.  Bock (aimbock), Gaiß[17], Greußnig, Öl[18]“.  Aus dem Sankt-Vater-Öl, bzw.-Bier entstand durch Abschleifung der Salvator und andere –ator-Biere[19].

In Altbayern hieß man früher ein schwächeres Bier im Gegengsatz zum starken Bock  Geiß, bzw. bairisch Goaß. Schmeller schreibt. „Im Gegensatz des unter dem Namen Bock bekannten Doppelbieres, eine schwächere und süßere Art desselben: In München stand die von den Jesuiten sub sigo IHS gebraute Gaiß in gutem Ruf[20]“. Dieser geistliche Orden hat im 18. Jahrhundert in der bayerischen Landeshauptstadt eine berühmte Geißenwirtschaft betrieben. Das ist vermutlich der Grund, warum man dem schwächeren (dunklen) Bier heute Zusatzstoffe wie Cola, Likör oder Kognak zufügt, um daraus eine Goaßmass oder Goaßenmass herzustellen[21].

Ein Zeugnis zum Thema aus England: „A similar, but somewhat milder, beer than ‚Bock‘ is being sold in the Jesuits‘ brewery, and from its milder character is called ‚Geiss‘ (she-goat). But another description of beer, quite as celebrated as ‚Bock‘, is the’Salvator’beer, which figures as a kind of forerunner to ‚Bock‘, and is sold during the first fortnight of April. It is brewed by ‚Zacherl‘ brewery, and is also called ‚Zacherl-oil‘ or ‚godfather-beer‘.[22]

Der bekannteste bayerische Sprachkundler Johann Andreas Schmeller kennt das Öl = Bier ebenso. “Das hailig Vater=Öl, scherzhaft lobender Ausdruck für das Paulaner oder heil. Vater=Bier; (München)…kärntnisch ol, olej, = Bier  olovnik, olova = Bierbrauer…Im Schwedischen gilt Öl für (besseres) Bier überhaupt; in Englisch soll ale Bier ohne Hopfen sein, beer, Bier mit Hopfen sein; also wohl auch angelsächsisch elalu, ealod, alod und beor so zu nehmen[23]“. Und dann zitiert Schmeller noch einen alten Text aus dem Jahr 1075: „tha  laedde he th wif Nordwic (Norwich) daer waes th bryd-eala mannum to beala“, frei übersetzt: Das Bier der Braut ist das Verderben des Mannes.

Das Wort Öl = Bier gilt in Varianten in den nordgermanischen Sprachen Schwedisch, Dänisch, Norwegisch und Isländisch. Das schwedische starköl entspricht im Alkoholgehalt etwa unserem Vollbier oder Exportbier, also ein etwas euphemistischer Ausdruck.. Die indoeuropäischen Sprachen  Lettisch-Litauisch gebrauchen  alus, eindeutig urverwandt mit dem Nordgermanischen. Das Finnische, eine nicht verwandte Sprache hat das schwedische Wort als olut übernommen. Estnisch heißt es olu, das ebenfalls verwandte Ungarische benützt  sör. Türkisch benützt das Lehnwort bira.

Eine leicht abweichende Wortbildung für Öl finden wir in der  englischen Bier-Bezeichnung „ale“, die in Großbritannien und in den USA gebraucht wird und das ursprünglich ein Bier ohne Hopfen beschrieb.

Woher stammt aber nun das Wort  Öl oder Ale? So gibt es die Theorie, dass das nordische Wort Öl von lateinisch alumen, deutsch Alaun stammt, weil Alaun, ein Kalium-Aluminium-Salz ein Bitterstoff ist[24]. Dieses Argument überschätzt doch die chemischen Kenntnisse der alten Germanen, noch dazu war Öl oder Ale offensichtlich früher ein Bier ohne Bitterstoffe wie Hopfen.

Sehr vieles spricht für folgende Herleitung. Ala bedeutet  germanisch nähren, wachsen, altnordisch heißt das Wort ala und altenglisch alan. Urverwandt ist das lateinische alere = nähren[25], im deutschen Fremdwort Alimente enthalten. Demnach wäre Öl-Ale ein Nahrungsmittel.

Als flüssiges Nahrungsmittel ist Bier noch heute in Bayern bekannt, hatte es doch früher weniger Alkoholgehalt und war durch den Siedevorgang ein keimfreies und gesundes Getränk selbst für Kinder, vielleicht vegleichbar dem Nährbier.

Eine abschließende Frage stellt sich noch. Woher stammt der Düsseldorfer Begriff Alt-Bier? „Vocabulum Germanicum Alt-Bier cervisiam supra vel alte fermentatam significans a verbo Latino „altus“ derivatum est. Ita non sensu vocabuli Germanici  alt cervisiam veterem significat[26]». Das lateinische Wort altus = hoch, hochgewachsen ist ein Derivat von lateinisch alere = ernähren, wachsen und damit sind wir wieder bei Öl-Ale. Noch einfacher wäre aber die Erklärung Alt-Bier ist nach der alten Art also obergärig aus dunklem Malz gebraut[27].

Noch eine schwierige linguistische Frage:

Ein paar Männer in Bayern sitzen vor den Maßkrügen voll Bier und sagen: „Wir ölen uns ein!“  Welcher Sinn gilt?

  1. Ölen = ernähren, Bier trinken  (Sankt-Vater-Öl)
  2. Ölen = geschmeidig machen (Mineral-Öl)
  3. Ölen = fett ernähren (Speise-Öl)

 Pivo

Die slawischen Sprachen kennen nur ein einziges Wort für Bier:  bivo/biva. Woher stammt es?  Lese ich das lateinische Wort bibo = ich trinke, so bedeuten diese Wörter ursprünglich  Pivo = Getränk. Die slavischen Nationen konnten sich anscheinend kein anderes Getränk als Bier vorstellen.

Polnisch:  piwo  – Bulgarisch = Piwa  –  Tschechisch: pivo  –  Ukrainisch = pivo –  Russisch: Pibo (lateinische Umschrift), Aussprache Piva  =  alles Bier

Piefke ist ein (Schimpf-)Wort, hauptsächlich im früher halbslawischen Wien, in Österreich und auch in Bayern gebräuchlich. Es beschreibt den Deutschen, hauptsächlich den Norddeutschen, sprich Preißen. Die erste Silbe Pief  beschreibt den Biertrinker, die zweite ke ist eine Nachsilbe mit einer Diminutivbedeutung. Piefke ist folglich der kleine Biertrinker. Für Bayern wäre das eine Beleidigung.

Eine verwandte englische Bezeichnung wäre noch zu erwähnen: beverage = Getränk. Es stammt  über Französisch aus der lateinischen Sprache.

 Cwrw

Ein keltisches Wort für „Bier“ war *kurmi-. Es begegnet in der Schreibung CURMI in einer gallorömischen Inschriftz aus der Nähe von Autun sowie in der griechischen Schreibung kourmi…Das Wort begegnet im Altirischen in der Form cuirm und lebt bis heute fort im kymrischen  cwrw. Der griechische Historiker Poseidonius gibt den keltischen Namen des Biers als kórma wieder und vermerkt, es sei im Gegensatz zum Wein das Getränk der weniger Begüterten…Ein weiteres keltisches Wort für „Bier“ war *kervesia  oder *kervisia, das zwar keine inselkeltischen Entsprechungen hat, aber im Altfranzöischen in der Form  cervoise bezeugt ist und bis heute in spanisch  cerveza weiterlebt[28]

 Cervesa

Cer(e)visia kennen wir aus den Abenteuern von Asterix dem Gallier. Es war das Bier-Getränk der Gallier aus ceres. Das Wort ist lateinisch. Ceres = Hirse (lateinisch c = k > h germanisch) Ceres bedeutet also Hirse[29], Korn,  Getreide, Nahrung. Griechisch   k´oros bedeutet Sättigung[30]. Die römische Göttin Ceres ist eine Schwester des Jupiter, sie ist die Herrscherin des Ackerbaus[31]. Das gallische Wort curma/korma, das eine Art Gerstenbier beschreibt, ist ausgestorben.

Das Wort Cervisia lebt in romanischen Sprachen fort:

Portugiesisch =  cerveija    –    Spanisch = cerveza

Katalanisch  = cervesa        –    Galizisch =  cervexa

Sabaia

Zum Abschluss noch ein Bier-Wort:  Sabaia = Gerstentrank der Illyrer[32], oder schlichtweg  Bier[33]. Die alten Illyrer waren ein heute ausgestorbenes indoeuropäisches Volk ungefähr von Brandenburg bis ins spätere Jugoslawien angesiedelt[34]. sab war das indoeuropäische Wort für lateinisch sapa, althochdeutsch saf, englisch sap, heutiges Hochdeutsch Saft[35]. Bier und Saft liegen in der Bedeutung durchaus nahe. Verwandt damit ist das lateinische Verb sapere, das schmecken bedeutet. Und Bier schmeckt bekanntlich.

Ein Nachsatz: Ich fand das Wort bracata = Celtici originis, est cervisia mulsa =

Ein aus oder mit Honig gebrautes Bier[36] heißt bei uns Met. Das Wort bracata kommt von  braca, bedeutet (Männer-)Hose. Na ja Bier ist ja auch ein vorwiegend männliches Getränk, aber honig-süß, nein danke.

Craft-Beer[37]

In den letzten Jahren hat sich in der internationalen Braubranche, auch in Deutschland,  ein neuer Bier-Name durchgesetzt: Craft Beer. Das Wort stammt aus den USA. Übersetzt bedeutet es: Handwerkliches Bier. In Tausenden von Kleinbrauereien entstand eine neue Vielfalt von Geschmacksrichtungen für Bier, denn in vielen Ländern existierten nur lasche  Einheitsbiere von großen Braukonzernen. Die Reinheits- und Geschmacksdebatte hierzu ist nicht unser Thema.

Bayerisches zum Schluss

Das bayerische Reinheitsgebot[38] vom 23. April 1516, erlassen im bayerischen Landtag in Ingolstadt, hat internationale Bedeutung wenn nicht Vorbildfunktion  erlangt, wenn es auch nicht überall in reiner Form gelten mag. Es lautet in modernem Deutsch: „Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet gebraucht werden sollen“. Es wurde untergäriges dunkles Braunbier gebraut, das Helle hatte seinen Geburtstag am 20. Juni 1895. Das obergärige Weißbier war für Jahrhunderte ein Monopol des bairischen Kurfürstentums gewesen[39].

Nun zum Abschluss noch einige bayerische Bier-Begriffe. Die Goaß-Mass oder auch Goaßen-Maß[40] kennt nicht jeder und nicht jeder mag sie auch trinken. Das ist ein Bier-Mischgetränk unterschiedlicher Zusammensetzung:

(Dunkles) Bier oder Weißbier mit Zusätzen von Cola, Kognak oder Likör usw. Für den der’s  mag, is’s höchste, sagt dazu der Bayer.

Nur noch eine kurze Aufzählung:

Bräu =  ein Bräuhaus (hochdeutsch Brauhaus, Brauerei) und der Inhaber desselben[41]

Biadimpfe  = 1. Mann , der oft ins Wirtshaus geht und viel Bier trinkt. 2. Mann, der vom vielen Biertrinken verblödet ist[42].

Bockbier =  Ainpöckisches Bier > Einbockbier > Bockbier = 1590 erstmals gebrautes Starkbier[43]

Dünnbier = von 1939 bis 1949 gebrautes und ausgeschenktes (Pfuideifi-)Bier mit zuletzt 2% Stammwürze[44].

Kellerbier =  untergärig, ungefiltert, ungespundet, d.h. mit wenig                                                                     Kohlensäure

Rauchbier  =  untergäriges Bier aus Bamberg aus stark geräucherten Malz

Rotbier  =  fränkisches, vor allem Nürnberger Bier, untergärig, nur Gerstenmalz

Weißbier, Weizenbier  =  obergäriges Bier, vor allem mit Weizenmalz gebraut

Zoiglbier  = untergäriges ungefiltertes Bier von Hausbrauern[45] in der Oberpfalz

Zoigl (oberpfälzisch) = Zoagerl (oberbairisch) = Zeigerlein (hochdeutsch) als Anzeiger ein Davidstein bei Beginn des Ausschanks[46].

Zwickelbier = naturtrüb belassenes, unfiltriertes Schankbier von kräftigem, altertümlichem Geschmack[47]

Bia  =  reingefallen, das ist nicht bairisch sondern vietnamesisch =  Bier[48]

Noch ein tröstender Abschluss des Themas: „Bier, Bier, überall Bier…“, Münchner Bierkultur in Europa, so lautete ein Artikel über die internationale Verbreitung der bayerischen Wirtshauskultur[49].“German Biergarten“ oder „Bavarian Beergarden“ und ein „Hofbraeuhaus“ findet man in fast allen Großstädten Europas, ja sogar der ganzen Welt.

[1] Mackensen Lutz, Deutsches Wörterbuch, Rechtschreibung, Grammatik, Stil, Worterklärung, Fremdwörterbuch, München  1970, S. 137

[2] Longman, Dictionary of contemporary English, Edinburgh  2005,  S. 119

[3] Artikel Bier  in: Zehetner Ludwig, Bairisches Deutsch, Lexikon der deutschen Sprache in Altbayern,  München 1997,  S. 63

[4] Langenscheidt Lilliput, Bairisch, München 2011, S. 27

[5] Artikel Bräu und bräuen vglZehetner Ludwig, Bairisches Deutsch, Lexikon der deutschen Sprache in Altbayern,  München 1997,  S. 70

[6] Vgl. Bier (http:www.dwds.de/wb/Bier). In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts (DWDS); Vgl. Pfeifer Wolfgang et. al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen,München 2005, 8. Auflage, S. 133 Artikel  „Bier“

[7] Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 23. Erweiterte Auflage, Bearbeitet von Elmar Seebold, Berlin, New York 1999

[8]  Vgl. Huber Gerald, Hubers Bairische Wortkunde, Wissen woher Wörter kommen, München 2013, S. 26

[9] Vgl. Stowassers Lateinisch=Deutsches Schul= und Handwörterbuch, Umgearbeitet von Michael Petschenig, Einleitung und etymologischer Teil von Franz Skutsch, Leipzig 1923,   S. 215

[10] Menge Hermann,  Griechisch-Deutsches Schulwörterbuch, Bad Harzburg 1903, S. 115

[11] Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Berlin New York 1999, S. 836

[12] Vgl. Pfeiffers Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache  http://www.dwds.de/wb/Bier; Hyyllested Adam, Word Exchange at the Gates of  Europe: Five Millennia of Language Contact. Contact University of Copenhagen, 2014,  http://forsknig.ke.dk/find-en-forsker

[13] Vgl. http://www.gutekueche.de/bier/bierinfo/bier-verschiedene-sprachen

[14] Öl (lat.) flüssiger, mit Wasser nicht mischbarer brennbarer Stoff (leichter als Wasser) Definition im heutigen Deutsch. Vgl. Mackensen Lutz (hrsg.), Deutsches Wörterbach, München 1970, S. 668

[15] Vgl. Kluge/Seebold, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 23. erw. Auflage, Berlin New York 1999, S. 600

[16] Hochrain Helmut, Vom bayerischen Bier, Wie es gebraut, ausgeschenkt und getrunken wird – eine vergnügliche Bierkunde, München 1971, S. 75f.

[17] Geiß w. mittelhochdeutsch althochdeutsch, geiz, gotisch gait  (englisch goat); urverwandt lateinisch haedus  (h >g). Indogermanische Tierbezeichnung unbekannter Bedeutung (Wurzel *gheido)  Mackensen Lutz, Ursprung der Wörter, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Wiesbaden, o.J., S. 151

[18] Schmeller Johann Andreas, Bayerisches Wörterbuch Band 1/1, München 1996,  Nachdruck von 1872.1877, S. 264 – 266

[19] Zehentner Ludwig, Bairisches Deutsch, Lexikon der deutschen Sprache in Altbayern, München 1997, S. 247

[20] Schmeller Johann Andreas, Bayerisches Wörterbuch, Sonderausgabe, Band ½, München 1996, S. 946

[21] Vgl. Huber Gerald, Hubers Bairische Wortkunde, Wissen woher Wörter kommen,München 2013,  S. 73 f.; Vgl. Ringseis Franz, Neues Bayerisches Wörterbuch, Wortschatz, Worterklärung, Wortschreibung, Darmstadt 1985, S. 90

[22] Vogel Max, On Beer, A statistical Sketch, London 1874, S.  21. ; Vgl. International Brewers Journal, Vol. 38, 1902, S. 447

[23] Schmeller Johann Andreas, Bayerisches Wörterbuch, Band1/1, Sonderausgabe München 1996, S. 61 f.

[24] Vgl. https://wikipedia.orgwiki/Öl#Etymologi; vgl. www.etymonline.com/index.php?term = ale Auch Aluminium ist damit sprachlich verwandt.

[25] Vgl. Kluge/‘Seebold, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Berlin, New York 1999, S. 30 f.

[26] https://la.wikipedia.org/wiki/Cervisia

[27] Vgl.  http://de.wikipadia.org/wiki/Altbier

[28] Maier B ernhard, Kleines Lexikon der Namen und Wörter keltischen Ursprungs, München 2004, 2. Auflage,  S. 34 f.

[29] Artikel Hirse, in: Kluge, Etymologische Wörterbuch der deutschen Sprache, Berlin, New York 1999, S. 377

[30] Vgl.Mackensen Lutz, Usprung der Wörter, Etymologisches Lexikon der deutschen Sprache, Wiesbaden o.Z.,  S. 181

[31] Artikel ceres, in:  Petschenik Michael, Stowassers Lateinisch=Deutsches  Schul= und Handwörterbuch, 7. Auflage, Leipzig 1923, S. 120 f.

[32] Walde Alois, Lateinisches Etymologisches Wörterbuch, 17. Lieferung, 1940,  S. 456

[33] Artikel  Saft, in: Pfeifer Wolfgang, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, München 1995, S. 1156

[34] Vgl. Forster Alexander, Alteuropäische Namensforschung, . in: Forster Edgar, Sprache und Schule, München 2010, S. 125 – 130,  S. 127

[35] Vgl. Walde Alois, Lateinisches Etymologisches Wörterbuch, 12. Lieferung II, Bogen 1 -5, 3. Auflage Heidelberg 1940, S. 456 und  S.476

[36] http://la.wikipedia.org./wiki/Cervisia

[37] Vgl. http://www.private-brauereien.de/reinheitsgebot/craftbeer/index.php

[38] Vgl. http:// www.private-brauereien.de/reinheitsgebot//was-ist-das-reinheitsgebot

[39] Vgl.Schäder Christian, Brauprozeß und Biersorten, in: Pasinger Fabrik Hrsg., Wirtshäuser in München um 1900, München 1997,  S. 69 -71

[40] Vgl. Huber Gerald, Hubers Bairische Wortkunde, Wissen, woher Wörter kommen, München 2017, S. 73  Er erwähnt auch das Jesuitische Geiss-Bier. Vgl. Zehetner Ludwig, Bairisches Deutsch, Lexikon der deutschen Sprache in Altbayern, München 1997,  S. 125

[41] Bekh Wolfgang Johannes, Richtiges Bayerisch, Ein Handbuch der bayerischen Hochsprache,  München 1973,  S. 55

[42] Aman Reinhold, Bayrisch-Österreichisches Schimpfwörtbuch, München 1996,.S. 34

[43] Vgl. Freisleder Franz,  Eine kleine Bierologie, in: Freisleder Franz Hrsg., Bock auf Bier, Der bayerische Bier-Kosmos, literarisch betrachtet, Dachau 2016, S. 9  –   13

[44] Vgl. Haberstroh Rudolf, Bier auf Marken, Die bayerischen Brauereien zwischen 1945 bis heute, in: Bayerland, Bayrisch Bier, heiter, wissenschaftlich und kriegerisch, Nr. ½  1976, 78. Jahrgang, S. 18 -20,  S. 18

[45]  Eine Übersicht über die Oberpfälezr Brauereien: Schieder Harald, Forster Ralph, Oberpfälzer Bierführer, Alle Brauereien, alle Biere, Regensburg 1999;  Meine Vorfahren, die Familie Forster in Auerbach in der Oberpfalz, hatte das Recht Zoiglbier zu brauen und auszuschenken.

[46] Vgl. Trum Matthias, „Das Kahls Siegel siehet einem Bierzeichen nicht ungleich“, Der Davidstern und die Zunftzeichen und Symbole des Brauer- und Mälzerhandwerks, in: Harlander Lilian, Purin Bernhard (Hrsg.), Bier ist der Wein dieses Landes, Jüdisches Braugeschichten, München 2016, S. 33 – 52

[47] Zehetner Ludwig, Bairisches Deutsch, Lexikon der deutschen Sprache in Altbayern, München 1997, S. 333

[48] Wenn Sie das Wort Bier in noch mehr Sprachen übersetzen wollen:

www.gutekueche.de/bier/bierinfo/bier-verschiedene-sprachen.1727.htm

www.ouotdoorshopper.net/ein-bier-auf-50-sprachen.htm

[49] Walter Uli, „Bier, Bier, überall Bier…“, Münchner Bierkultur in Europa, in: Pasinger Bierfabrik Hrsg., Wirtshäuser in München um 1900, „Berge von unten, Kirchen von außen, Wirtshäuser von innen, S. 72 – 83; vgl. Bauer Helmut, Mythos Bayern, Münchner Stadtmuseum, München 2004, Kapitel „Bier“ S. 224 -229

edgar.forster@gmx.de

Bericht: Dr. Edgar Forster  –    e.forster@eura-personal.com

Foto: Flötzingerbräu Rosenheim

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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