Corona-Krise

Das Corona-Tagebuch zur Osterferienzeit

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Osterzeit 2021 – aus dem Corona-Tagebuch von Karl Stankiewitz – Der Glaube, die Hoffnung auf Auferstehung – nie zuvor waren diese großen Themen dringlicher als in Zeiten wie dieser. Um zu erleben, wie die Frohen Botschaften unter pandemischen Zwängen verkündet werden, fuhr ich am Ostersonntag mit Alwine in die Bischofsstadt Freising. Doch die Besteigung des Domberges erwies sich als voreilig. Ich hätte online buchen müssen, um zwei der auf 80 beschränkten Plätze für die Eucharistiefeier zu bekommen. Immerhin, nach dem Zwölfurgeläut stand das riesig schöne Gotteshaus für jeden offen.

Wie überall sonst, vom päpstlichen Rom bis zum gelobten Rostock, hat sich die Lage infolge des Lockdown im religionsgeschichtlich so bedeutsamen Raum Freising verschärft: Auch nach den Ostertagen noch sind Katholiken wie Protestanten zum visuellen Kirchgang genötigt. In den meisten der 18 Bethäuser des Pfarrverbands wurden und werden Messfeiern „gestreamt“, dafür wrde ein eigener Youtube-Kanal eingerichtet. Überall wurden QR.Codes ausgelegt. An einigen Stationen der Kreuzwege können Videos geklickt werden.

Der digitalen Schule scheint nun also die digitale Kirche zzu folgen. Eine Entwicklung, die vor allem ältere Gläubige wohl eher schockt als lockt. Das macht den Seelsorgern im „Bayerischen Rom“ zunehmend Sorge. „Wir verlieren die Menschen und die Menschen verliehren uns,“ befürchtet Stadtpfarrer Stephan Rauscher. Schließlich sei die Kirche kein Online-Anbieter, sie biete auch keine „Cyber-Religion“. Ähnlich wie Lehrer und Elternverbände drängen Kirchenvorstände und Pfarrgemeinden auf ein Festhalten am oder die Rückkehr zum echten „Präsenz-Gottesdienst“, soweit es die hygienischen Vorschriften zulassen.

Ebenso findige wie fromme Freisinger haben inzwischen eine Kompromisslösung entwickelt, genannt Outdoor- oder Gartengottesdienste. Die empfiehlt sich natürlich nur, wenn der Himmel für gutes Wetter sorgt. Ostern ging es zum Beispiel auf der Pfarrwies des Ortsteils Neufahrn.

Jeder sonnt sich heut so gern.

Sie feiern die Auferstehung des Herrn,

denn sie sind selber auferstanden.“

Der Osterspaziergang des Doktor Faust hätte auch uns nach dem Kirchgang hinausgeleitet aus „der Straßen quetschender Enge“, hinauf auf den Bierberg von Weihenstephan. Leider sind uns derzeit auch geistige Genüsse versagt. Gottlob hat Alwine dem Korb am Domportal (neben dem Opferstock) zwei dargereichte Ostereier entnommen. Als wir uns damit auf einem Steinblock in der Bürgerstadt zwischen Domberg und Bierberg Bürgerstadt ans opulente Ostermahl machen, gesellt sich ein altes Weiberl, tief über ihr Wagerl gebeugt, in gebührendem Abstand hinzu.

Die 94-jährige, geplegte Dame brummelt was von „schlecht Geh“ und „de Zähn“ durch die Maske und erzählt, dass ihr die im Heim angebotene Osterspeise nicht schmecke, weshalb sie in der Stadt „was G’scheits zum Mitnehma“ suche. Auch möcht sie schauen, wie die historische Altstadt jetzt vollends in ein Fußgängerparadies umgekrempelt wird. Baugerät umstellt das Stabdbild des legendären Roider Jackl. Hinter transparenter Wand an der Oberen Hauptstraße plätschert wieder das freigelegte Flüsschen Moosach durch die bald erneuerte Altstadt.

Auch eine Auferstehung, ganz profan. Corona zum Trotz.

Bericht und Fotos: Karl Stankiewitz

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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