Corona-Krise

Corona-Zwangspause bei Aschauer Falknerei beendet

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Jetzt fliegen sie wieder!“ Die Adler, Bussarde, Falken, Geier und Milane der Falknerei Burg Hohenaschau haben die Winterpause und die Corona-Zwangspause beendet und sich gut auf die Flugvorführungen der nächsten Monate vorbereitet. In den Pfingstferien legen sie Sonderschichten für ihre Besucher ein: vom Dienstag, 25. Mai bis zum Sonntag, 30. Mai fliegen sie täglich um 11 Uhr und um 15 Uhr; auch am Pfingstmontag ist die Anlage am Schloss von Hohenaschau geöffnet.

Falkner Hannes Lenhart erzählt den OVB-Heimatzeitungen beim Besuch vom Wintertraining der Greifvögel: „Die großen Vögel halten natürlich keinen Winterschlaf, sie müssen sich auch im Winter, genauso wie im Sommer viel bewegen und ihr Futter mit eigener Kraft verdienen. Sie sollen in den Volieren weder wie die Brathähnchen dick und fett gemästet werden, noch sollen sie am Hungertuch nagen. Alle meine Greifvögel sind trainierte Jagdvögel, die im Winter mit ihrem Falkner auf die Beizjagd gehen. Damit die Vögel im Winter „nicht einrosten“ betreiben wir in der schlechten Jahreszeit die Jagd auf Hase, Fuchs und Kaninchen im freien oder bebauten Gelände, überall da, wo für den Jäger keine Schussmöglichkeit mit dem Gewehr besteht“.

Die Beizjagd, die alte Kunst, mit Vögeln zu jagen, wird seit über 4000 Jahren betrieben. Sie stammt aus den Steppen Mittelasien und wurde in Europa im zwölften Jahrhundert vom Staufer-Kaiser Friedrich II. zur Hochblüte gebracht. Auch heute noch wird mit Greifvögeln gejagt, auf Schloss Hohenaschau besteht den ganzen Sommer über die Möglichkeit, diese alte Kunst „Live und in Farbe“ zu erleben. „Bei unseren Flugvorführungen stellen wir die verschiedenen Jagd- und Ausbildungs-Methoden an Beuteattrappen nach. Dadurch entstehen atemberaubende Flugvorführungen mit Falken, Bussard, Milan und den drei Adlerarten Weisskopfseeadler, Steppenadler und Steinadler“.

Hannes Lenhart nimmt sich viel Zeit, um seinen Besuchern in der Hohenaschauer Falknerei am Fuße des Schlosses das Verhalten der großen Greifvögel zu erklären. „Grundsätzlich fliegt kein Vogel aus Spaß an der Freude, sondern immer nur, weil er fliegen muss, sei es wegen der Nahrungsaufnahme, sei es wegen der Partnersuche oder um ein eigenes Revier zu finden. Fliegen kostet viel Energie und für wildlebende Greifvögel, die ja nur von Fleisch leben, ist der Tisch nicht so reichlich gedeckt. Ein großer Greifvogel fliegt also nur, wenn er dafür etwas bekommt. Dabei muss man bei den Flugvorführungen und bei der Jagd im freien Gelände natürlich aufpassen, welcher Vogel wo fliegen kann“. Während sich ein Bussard mit Mäusen oder Kaninchen zufrieden gibt, könnte sich ein Adler auch schon einmal an größeren Beutetieren oder an Haustieren vergreifen. Zum Schutz der Hunde, Katzen und Lämmer der Nachbarn dürfen die Adler deshalb nur im Bereich von Schloss Hohenaschau kreisen; damit wird auch das gute Einvernehmen mit der Nachbarschaft gepflegt. „In der Regel kommen alle sofort wieder zurück auf den Handschuh des Falkners, um sich ihre Belohnung abzuholen oder landen in den Baumwipfeln der Falknerei; nur manchmal verfliegt sich einer bei guter Thermik und muss dann von irgendwo im Landkreis abgeholt werden“.

Schönes Flugwetter und gute Thermik ist bei den Greifvögeln ebenso gefragt, wie bei den benachbarten Drachenfliegern an der Kampenwand. Es ist den Vögeln nur selten zu heiß oder zu kalt, als wildlebende Vögel sind sie ständige Temperaturschwankungen gewöhnt. Beim Über- oder Unterschreiten einer gewissen individuellen Temperatur stellen die Vögel den Flugbetrieb weitestgehend ein und leben ein paar Tage von der Substanz. Aus Erfahrung wissen sie, dass auf jeden Sommertag in unseren Breiten bald wieder ein paar trübe Regentage folgen werden.

Nach einer überlangen Pandemie-Pause beginnen die Flugvorführungen in der Aschauer Falknerei rechtzeitig zu den Pfingstferien wieder. Nach dem Ende der Ferien zeigen die großen Greifvögel ihr Können bis in den Oktober hinein jeweils vom Mittwoch bis zum Sonntag täglich um 15 Uhr, Einlass ist jeweils 30 Minuten vorher. Für angemeldete Schulklassen und Gruppen ab 20 Personen ist um 11 Uhr auch eine zusätzliche Flugvorführung möglich. Der Falkner Hannes Lenhart zeigt bei dieser täglichen Flugschau, was seine Vögel alles können. Mit großen Augen bestaunen die Besucher die spektakulären Flugkünste der Adler, Falken und Milane.

Bericht und Bilder: Heinrich Rehberg   –   Hannes Lenhart ist fasziniert von der alten Kunst mit Vögeln zu jagen, von Falken und Adlern. Der Mut, die Schnelligkeit, die scharfen Augen und ihre Wildheit machten sie in der Mythologie zu Vögeln der Krieger.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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