Tourismus

Aschauer Bankerl auf der Gori-Alm

In Aschau gibt es ein neues Bankerl: hoch droben auf der Gori-Alm auf 1200 Meter Seehöhe ist das Bankerl mit der Nummer 130 neu erstanden. Gestiftet hat es Luise Schreiner (85) aus Rosenheim, Andreas Strobl hat „als Architekt und Baumeister, Zimmermann und Schreiner“ das Bankerl aus Lärchenholz zusammengebaut und Hannelore Maurer, Gemeindereferentin in der Pfarrei Heilige Familie in der Kastenau gab dem Bankerl und allen, die darauf sitzen werden mit viel Weihwasser den Segen der Kirche. An einer der schönen Stellen am Weg zum Kampenwandgipfel, gleich an der Gori-Alm steht die neue „Begegnungsinsel“ mit Blick weit ins Rosenheimerland und in den Chiemgau. Simssee und Chiemsee auf einmal hat man von dieser Stelle aus im Blick.

„Ein toller Platz für eine tolle Bank“ lobte der zweite Bürgermeister von Aschau Michael Andrelang das Vorhaben. „Wir freuen uns über jedes Bankerl, das für Aschau irgendwo im Dorf und in der Umgebung aufgestellt wird“. Erich Gawlik und Xaver Stadler umrahmten die Feierstunde musikalisch.

Vor mehreren Wochen kam Luise Schreiner mit ihrer Idee für ein „Erinnerungs-Danke-Bankerl“ zur Tourist Info nach Aschau. Sie habe eine Dankesschuld hier in Aschau abzutragen: Als Zehnjährige bekam Luise Schreiner zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Winter 1944/45 zusammen mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern für mehrere Wochen Unterschlupf auf der tief verschneiten Gori-Alm im Kampenwandgebiet. Als Dank an die Almleute – Paul und Jasmin Moosmüller – spendierte Luise Schreiner nun 75 Jahre später ein Themen-Bankerl der besonderen Art.

Auf einer Tafel am Bankerl steht eine Widmung „Mit dieser Bank bedankt sich Luise Schreiner, Tochter vom Lenz bei Paul Moosmüller, (dem Großvater des jetzigen Almbauers) der ihr und ihrer Familie in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs auf der Gori-Alm Unterschlupf gewährt hat. Der Vater, der das Gedankengut des nationalsozialistischen Regimes nicht teilte, wurde verfolgt und galt als fahnenflüchtig. Aus Nächstenliebe riskierte Paul Moosmüller sein eigenes Leben und das seiner Familie, indem er Lenz und seiner Familie Sicherheit bot“. (wir berichteten)

Luise Schreiner hat die Gori-Alm in der Vergangenheit schon öfter besucht, jetzt mit 85 Jahren sei es allerdings nicht mehr so leicht wie früher. „Aber man muss nur wollen – die Gori-Alm liegt ja direkt an der Fahrstraße zur Kampenwand“. Zusammen mit dem Enkel Paul Moosmüller, der so heißt wie sein Großvater, saßen die beiden auf der Alm beinander: „Wenn der Opa des no hätt derlebn kenna, dass er amoi so an Dank kriagt“. Für Luise Schreiner hat sich damit der Kreis zum Guten geschlossen und vielleicht, so meint sie „kann ich dann auch in der Nacht wieder meinen Frieden finden und der Krieg kommt mir nicht mehr unter“.

Luise Schreiner war ihr ganzes Berufsleben lang Kindergärtnerin mit Leib und Seele in Rosenheim. Dreißig Jahre von 1972 bis 2002 war sie für die SPD im Stadtrat und darüber hinaus als Mitglied der Arbeiterwohlfahrt sozial engagiert: Altenclub, Frauenclub, Stockschützenverein, das sind alles Gründungen, die sie in die Wege geleitet und mit verantwortet hat. Zwei Mal erhielt sie die Medaille für Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung und als höchste Anerkennung für ihr unermüdliches Engagement im Jahr 2007 das Bundesverdienstkreuz.

Bericht und Fotos: Heinrich Rehberg

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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